Osnabrück Amok-Alarm in Osnabrück: So planen Schule und Polizei den Notfall
Wegen Amokwarnungen an Schulen gab es am 11. und 12. Dezember zwei große, voneinander unabhängige Polizeieinsätze in Osnabrück und Lotte. Wie ein solcher Einsatz abläuft, haben wir bei Polizei und Schulbehörde erfragt.
Dutzende Polizeiwagen, Sondereinsatzkommando (SEK) mit Sturmhauben, Hubschrauber und Drohnen: Es waren große Einsätze, die Osnabrück und Lotte diese Woche nach Amok-Warnungen an zwei Schulen in Atem hielten.
Beide endeten zum Glück glimpflich: Es gab keine Verletzten – weder am Dienstag, 9. Dezember, am Osnabrücker Berufsschulzentrum Westerberg, noch am Mittwoch, 10. Dezember, am Krüger-Internat in Lotte. Was auch auf funktionierende Notfallpläne zurückzuführen ist. Am Beispiel des Einsatzes in Osnabrück haben uns Schule und Polizei jetzt erklärt, wie in solchen Alarmsituationen ein Rädchen ins andere greift.
Kurzer Rückblick: Gegen 13.35 Uhr meldete eine Zeugin am 9. Dezember eine Auseinandersetzung zwischen zwei Schülergruppen vor der berufsbildenden Schule (BBS) am Westerberg. Ein Mann habe sich laut dieser Aussage mit einem Messer der Schule genähert. Die Zeugin rief die Polizei, woraufhin Amok-Alarm und Großeinsatz folgten. Nach wenigen Stunden dann Entwarnung. Die Schüler durften das Gebäude verlassen.
Einen Mann nahm die Polizei vorläufig fest. Nun prüft sie die Hintergründe – und ob überhaupt eine Straftat vorliegt. „Auch wenn sich Hinweise später nicht bestätigen, wird zu Beginn stets vom möglichen Gefahrenpotenzial ausgegangen“, erklärt Polizeipressesprecher Jannis Gervelmeyer, der beim Einsatz dabei war.
„In Lagen wie der am Dienstag gehören umfangreiche Absperrungen, ein erhöhter Kräfteeinsatz und eine schnelle Klärung des Sachverhalts zu den üblichen Maßnahmen.“
Einzelheiten ihrer Einsatztaktik nennt die Polizei jedoch nicht. So lässt sich zum Beispiel nur mutmaßen, dass die Fahrzeuge der Polizei im Bereich der Schule absichtlich auf Sirenengeheul verzichteten, wie unsere Reporter vor Ort bemerkten.
Eltern hatten während des Großeinsatzes zwei Möglichkeiten, sich direkt von der Polizei über die Lage informieren zu lassen. „Wichtige Meldungen werden über den Whatsapp-Kanal der Polizei Osnabrück veröffentlicht“, so Gervelmeyer. „Zusätzlich werden Eltern und Angehörige in einer Anlaufstelle betreut und auf dem Laufenden gehalten.“
Auch die Kommunikation zwischen Polizei und Schulleitung habe wie geplant funktioniert. Philip Schmidt, stellvertretender Pressesprecher der Regionalen Landesämter für Schule und Bildung (RLSB), teilt mit: „Der Polizei wurden von der Schulleitung während der Gefahrenlage weitere umfangreiche Unterlagen zur Verfügung gestellt. In enger Absprache mit und auf Anweisung von der Polizei konnte die Schulleitung zudem die Kommunikation zu den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften auf digitalem Wege und über Lautsprecherdurchsage herstellen.“
Die Schule verfüge über einen Alarm- und Notfallplan, nach dem vorgegangen worden sei, führt Schmidt aus. Solche Pläne gebe es auch für andere Krisen wie Feuer, Todesfälle oder Gewaltszenarien. „Diese Pläne regeln konkret, welche Schritte und Maßnahmen im Ernstfall einzuleiten sind.“
Darüber hinaus stehe allen Schulleitungen und Lehrkräften eine Amok-Präventionsbroschüre des Landeskriminalamts zur Verfügung, die zahlreiche Handlungsoptionen darlegt.
Daneben wird möglichen Amokläufen an Schulen laut RLSB technisch und baulich vorgebeugt. Details nennt die Behörde zwar nicht. Bekannt aus anderen Schulen sind aber etwa spezielle Warnsysteme oder Türen, die nach innen öffnen und sich somit besser verbarrikadieren lassen. Die Beratung darüber, welche Maßnahmen für eine Schule sinnvoll sind, erfolge durch die Polizei vor Ort.
Ebenfalls vor Ort ist die Polizei bei der Auswertung des Vorfalls. Diese soll in der kommenden Woche zusammen mit Schule, RLSB und der Stadt Osnabrück als Schulträgerin stattfinden. Für die Nachsorge bei den Schülern kann die Schule nötigenfalls die Hilfe der Schulpsychologie in Anspruch nehmen.