Osnabrück  Amok-Alarm an BBS Westerberg in Osnabrück: Entwarnung nach bangen Stunden

Bernhard Brockhaus
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Von Bernhard Brockhaus
| 09.12.2025 17:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Am Berufschulzentrum Westerberg in Osnabrück wurde am Dienstagnachmittag Amok-Alarm ausgelöst. Foto: Benjamin Beutler
Am Berufschulzentrum Westerberg in Osnabrück wurde am Dienstagnachmittag Amok-Alarm ausgelöst. Foto: Benjamin Beutler
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Am Berufsschulzentrum am Westerberg in Osnabrück wurde am Dienstagnachmittag Amok-Alarm ausgelöst: Die Polizei reagierte in ungewisser Lage mit einem Großaufgebot – und nahm einen Tatverdächtigen fest.

Ein Großeinsatz der Polizei hat am Dienstag, 9. Dezember 2025, das Berufsschulzentrum Westerberg an der Natruper Straße in Osnabrück lahmgelegt. Gegen 13.35 Uhr meldete eine Zeugin eine Auseinandersetzung zwischen zwei Schülergruppen in der Nähe der Bushaltestelle vor dem Schulgelände. Die Zeugin, bei der es sich wohl um eine Lehrerin handelte, habe gesehen, wie die Gruppen gestritten hätten. Als ein Teil der Personen sich entfernt habe, sei ein Mann ihnen zunächst nachgesetzt, dem Eindruck der Zeugin nach mit einem Messer in der Hand.

Laut Pressemitteilung der Polizei Osnabrück habe der Mann daraufhin das Schulgelände betreten und sei vorerst nicht aufzufinden gewesen. Bei der mutmaßlichen Waffe sprechen die Beamten lediglich von „einem gefährlichen Gegenstand“.

Nachdem die Polizei seitens der Schule informiert wurde, hätte sie den Hinweis ernst genommen, um mögliche Gefahren auszuschließen. In Absprache mit den Beamten löste die Schulleitung innerhalb der BBS am Westerberg den Amok-Alarm aus. Das bedeutet: Über eine Durchsage des Schulleiters wurden die Lehrer und Schüler informiert, die sich daraufhin in ihren Klassenräumen einschließen und ausharren mussten.

Währenddessen rückte ein Großaufgebot der Polizei an und sperrte das Schulgebäude sowie angrenzende Straßen weiträumig ab. Aufgrund der für die Beamten unübersichtlichen Lage und zur Sicherheit der Schüler und Lehrer wurden Spezialkräfte, Polizeihunde und eine Drohne eingesetzt. Ob der Verdächtige sich noch auf dem Schulgelände oder gar in der Schule befand, sei zu dem Zeitpunkt unklar gewesen, so Polizeipressesprecher Jannis Gervelmeyer.

Die Einsatzkräfte durchsuchten das Gebäude und das umliegende Gelände nach dem beschriebenen Verdächtigen, konnten ihn aber nicht antreffen und keine akute Gefahrenlage in der Schule feststellen. Während der Maßnahmen wurden auch die Schüler in den einzelnen Klassenräumen von den Polizisten besucht, um deren Sicherheit zu garantieren.

Zunächst konnte der Verdächtige weder in der Schule noch in der Nähe gefunden werden. Kurze Zeit später wurde er an seiner Wohnanschrift von der Polizei festgenommen. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Auseinandersetzung laufen nun an.

Laut Schüleraussagen hatte der Schulleiter per Durchsage auf die ernste Lage hingewiesen. Die Klassenräume wurden verschlossen, die Jugendlichen blieben dort rund zwei Stunden – ohne Genaueres über die Amok-Gefahr zu wissen. Einsatzkräfte klopften später an die Türen und begleiteten sie hinaus. Ein Schüler sagte: „Eigentlich haben wir nur gewartet.“

Der Schock war vielen Jugendlichen dennoch anzusehen: Rettungskräfte waren vor Ort und kümmerten sich um diejenigen, die psychologische Unterstützung haben wollten. Auch in der Folge werde die Polizei allen Betroffenen psychologische Hilfe anbieten, so Gervelmeyer.

Für Eltern und Angehörige wurde während des Einsatzes eine Anlaufstelle in der Straße Wachsbleiche neben dem Schulgelände eingerichtet. Etwa 30 Personen hofften dort auf Entwarnung – zunächst ohne genau zu wissen, warum die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz war. Andere wussten vom Amok-Alarm, weil sie von ihren Angehörigen per Whatsapp aus der Schule heraus informiert wurden, die jedoch selbst in ihren Klassenräumen festsaßen und lediglich über die Lage spekulieren konnten. Laut Pressesprecher Gervelmeyer habe die Polizei Personen an der Sammelstelle regelmäßig über den Stand des Einsatzes berichtet, um den Angehörigen frühestmöglich die Sorgen nehmen zu können. Auch ein Rettungswagen habe für die Angehörigen in Bereitschaft zur Verfügung gestanden.

Wegen der Straßensperrungen rund um das Schulzentrum kam es auch auf dem Innenstadt-Ring zu teils erheblichen Verkehrsproblemen. Stüvestraße und Natruperstraße waren zeitweise vollständig gesperrt. Auch der Busverkehr war betroffen, vor allem auf den Linien M1, M5 und 18 kam es zu Verspätungen und Ausfällen.

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