Hamburg Hautfarben-Check in ARD-Sendung sorgt für Irritationen – was der Sender damit bezweckte
Welche Hautfarbe wird im Stadtbild toleriert – und welche nicht? Diese Frage ist in der ARD-Sendung „Die 100“ als Teil einer Publikumsinteraktion gestellt worden – mithilfe einer Hautfarben-Skala. Mehrere Zuschauer sind über das Experiment empört; andere versuchen, dieses einzuordnen. Worum es genau geht.
Die ARD hat mit einer Publikumsinteraktion in ihrer Sendung „Die 100“ für Irritation bei Zuschauern gesorgt. In dem Format vom Montagabend, in dem über die Hauptfrage diskutiert wurde, ob Deutschland derzeit gut regiert werde, ist auch die Migrationspolitik und die Stadtbild-Aussage von Kanzler Friedrich Merz ein Thema.
Journalist Till Nassif vertrat in der Sendung die vorgegebene Haltung, dass Merz die Gesellschaft spalte und die Stadtbild-Aussage viele Menschen in der Bevölkerung verletzt habe. Dabei holte er eine Hautfarben-Skala hervor, wie sie in einem Internet-Meme zu sehen war, das im Zuge der Stadtbild-Debatte oft in den sozialen Medien verbreitet wurde. Darauf zu sehen: Eine farbliche Abstufung, wann man „ok“ oder „nicht ok“ für das Stadtbild wäre. Mit dieser Skala ging Nassif ins Publikum und konfrontierte eine weiße Frau und einen schwarzen Mann damit.
Während er der Frau attestierte, dass sie „wahrscheinlich durchkommen“ würde, fiel das Urteil bei dem Mann anders aus. „Wie fühlt sich das an?“, fragte Nassif den Mann. Zunächst sagte der 28-Jährige, dass er es nicht anders kenne und sich mit dieser Abwertung abgefunden habe. „Es ist Normalität geworden. Aber es wird in letzter Zeit schlimmer, durch diesen Populismus, der im Internet besteht und viel größer und stärker wird.“ Am Ende der Show kam der Hamburger Student nochmal zu Wort und ergänzte, dass diese „Normalität“ nicht normal sei und er hoffe, dass sich im Umgang mit Migranten bald etwas ändert.
Bei mehreren Zuschauern kam das Experiment nicht gut an, wie Reaktionen im Internet zeigen. „Die Hautfarbenskala finde ich problematisch. Ich denke, es ist geradeso okay, sich an Popkultur anzulehnen, aber in diesem Rahmen, in dem Show mehr Gewicht bekommt als Debatte, wird sie für die Show instrumentalisiert“, schreibt eine Nutzerin auf Youtube.
Ein Nutzer auf X reagiert auf einen Screenshot aus der Sendung und urteilt noch härter: „Mit solchen Tests wiegelt man die Menschen gegeneinander auf und spaltet die Gesellschaft noch mehr. Unnötig und ekelhaft so ein Check.“
Ein anderer Nutzer auf X weist darauf hin, dass man den Kontext der Sendung nicht aus den Augen verlieren sollte: „Ich meine, die ARD-Sendung sollte gerade das Gegenteil zeigen, nämlich dass eine Einteilung nach Hautfarbe rassistisch ist.“
Nach dem Experiment äußerte sich Journalist Nassif selbst. Er betonte, dass dieses „zweifelsohne wahnsinnig zugespitzt“ gewesen sei. Dennoch sei das Gefühl, mit einer bestimmten Hautfarbe nicht im Land willkommen zu sein, eines gewesen, das durch die Stadtbild-Aussage bei vielen Menschen ausgelöst wurde.
„Bitte nicht falsch verstehen: Der Bundeskanzler darf – vielleicht muss er sogar – Probleme ansprechen, die es mit Migration und möglicherweise auch Integration gibt. Aber er muss eben auch ganz präzise sagen, was er meint, welches Problem genau er anspricht, welche Menschen genau er meint – und er darf nicht mit einem Geraune über ein Stadtbild Millionen Bürger dieses Landes vor den Kopf stoßen“, sagte der 54-Jährige zum Abschluss seines Arguments.