Gemeinschaftspraxis Huusdoktors eröffnen in Norden im ehemaligen Krankenhaus
Zwei Hausärzte starten im Januar mit einer neuen Praxis in der Stadt. Weitere Ärzte sollen das Team in den kommenden Jahren verstärken.
Norden - Gemunkelt wurde schon viel, jetzt haben sich die neuen Hausärzte vorgestellt, die ab 2. Januar 2026 die Gemeinschaftspraxis „Huusdoktors“ im Gebäude der ehemaligen Norder Klinik eröffnen werden. Bis Ende 2027 sollen es vier Ärzte in der Praxis werden, im Januar starten zunächst zwei: Günter Trabs und Dr. med. Christiane Freese, beide Fachärzte für Allgemeinmedizin mit dem Zusatz Manuelle Medizin. Die Stadt Norden und der Landkreis Aurich unterstützten die Gründung der Praxis intensiv.
Nach der Facharztanerkennung soll im Sommer bis Herbst 2026 eine internistische Kollegin das Team ergänzen. Zwischen Mitte und Ende 2027 soll dann ein weiterer allgemeinmedizinischer Kollege mit der Zusatzbezeichnung Klinische Notfallmedizin die Praxisgemeinschaft komplettieren.
Ärzte sind Freunde aus Norden
Hintergrund des Zusammenschlusses: Drei der vier Ärzte – alle von Haus aus Norder – sind seit langer Zeit befreundet und hatten ebenso lange die gemeinsame Vision, eine moderne hausärztliche Gemeinschaftspraxis zu gründen, sagte Günter Trabs. Durch eine gemeinsame Tätigkeit auf Juist lernte Trabs dann noch seine Kollegin Christiane Freese kennen, die daraufhin zum Team dazustieß.
Im Frühsommer 2025 trafen sich die Ärzte erstmals mit Nordens Bürgermeister Florian Eiben, um auszuloten, ob und wie die Stadt ihnen mit Räumen für die Praxis helfen kann. Er holte den Landkreis in Person von Sören Saathoff (UEK Vermögensverwaltung) und Jelto Müller (Wirtschaftsförderung Landkreis Aurich GmbH) mit ins Boot. Alle unterstützten das Projekt – auch mit Fördergeldern – und fanden die geeigneten Praxisräume schließlich im Gebäude des ehemaligen Norder Krankenhauses. Auf der ehemaligen Kinderstation im Erdgeschoss wird gerade die Praxis der Huusdoktors eingerichtet.
Team setzt auf moderne Technik
Der Name ist dabei nicht zufällig gewählt, erklärte Trabs. „Wir sind Norder, der plattdeutsche Name passt zu uns, denn wir wollen langfristig etwas für Norden machen“, betonte Trabs. Das sei von den Freunden seit langer Zeit das Ziel gewesen. Eine Tatsache, die auch Bürgermeister Florian Eiben immer wieder beobachtet: „Viele Norder wollen irgendwann in die Heimat zurückkommen. Dafür müssen wir Angebote schaffen, um qualifiziertem Personal attraktive Angebote zu machen. Der Standortfaktor Lebensqualität ist immer wichtiger und wir versuchen, ihn als Wirtschaftsförderung immer mehr ins Schaufenster zu stellen“, sagte Jelto Müller.
Auf zunächst 350 Quadratmetern mit sechs Behandlungsräumen werden die Ärzte starten. Jeder Arzt bekommt zwei Behandlungszimmer, Funktionsräume wie Wartezimmer, Ultraschall oder EEG werden gemeinsam genutzt. Wenn Arzt Nummer vier im Jahr 2027 dazustößt, wird auf der ehemaligen Station fünf eine Zwischenwand entfernt und die Praxis erweitert. Freese und Trabs setzen auf ein modernes, computergestütztes Patientensystem. Schon am Eingang der Praxis informiert ein Monitor die Patienten darüber, ob sie eintreten können oder nicht. Im Wartezimmer werden die Patienten über eine Nummer am Bildschirm aufgerufen. Ein bildschirmgestütztes Leitsystem auf dem Flur leitet die Patienten in den richtigen Behandlungsraum.
Standort soll sich noch weiter entwickeln
Die ehemalige Klinik ist aus Sicht der Ärzte der ideale Standort. Er liegt zentral, es gibt ausreichend Parkplätze, eine Bushaltestelle und eine Mitfahrbank sind direkt vor der Tür, eine Apotheke ist nebenan und mit der Cafeteria im Eingangsbereich gibt es sogar ein gastronomisches Angebot.
Auch der Vermieter Sören Saathoff und die Leiterin des RGZ, Veronika Bernhard-Wilts, sind überzeugt von den neuen Mietern. „Wir haben ein großes Interesse daran, hier vor Ort Gesundheitsangebote anzusiedeln“, sagte Saathoff. Die Nachnutzungskonzepte für das Klinikgebäude sehen – unabhängig von der Weiterentwicklung des RGZ – vor, dass dort Gesundheitsangebote für die Gesundheitsversorgung der Menschen im nördlichen Landkreis vorangetrieben werden, so Saathoff.
Freese will langfristig kürzer treten
Warum Christiane Freese ihre Praxis in der Westerstraße für das Gemeinschaftsprojekt aufgibt, erklärte die 56-Jährige so: „Ich möchte langfristig meine Arbeitszeit eher zurückschrauben, meine Patienten aber gut versorgt wissen.“ In Zusammenarbeit mit den jungen Kollegen könne sie sich sogar vorstellen, über den Renteneintritt hinaus stundenweise weiterzuarbeiten. Fünf ihrer sieben medizinischen Fachangestellten werden sie in die neue Praxis begleiten, sagte Freese. Eine weitere Kraft soll im Februar 2026 noch eingestellt werden.
Günter Trabs, 39 Jahre alt, praktizierte zuletzt in der Landarztpraxis Albers in Dornum. Zuvor hat er in der Unfallchirurgie und Orthopädie in Aurich gearbeitet, hat sich dann aber für die Hausarztmedizin entschieden. Im Sommer machte er die Praxisvertretung für Dr. Christiane Freese auf Juist, wo sich die beiden kennenlernten.
Patienten können sich vorab registrieren
Für Patienten ist es möglich, sich vorab auf der Internetseite huusdoktors.de zu registrieren. Die genaue Terminvergabe erfolgt dann automatisch nach der Online-Registrierung. So will das Ärzteteam lange Schlangen zur Praxiseröffnung vermeiden. Die Bestandspatienten von Dr. Freese können automatisch mit in die neuen Räume wechseln, betonte sie. Wer keinen Internetzugang hat, kann sich aber auch persönlich in der neuen Praxis anmelden, sagte Trabs.
Die beiden Ärzte freuen sich auf das neue Projekt, in das sie einen sechsstelligen Betrag investiert haben. Zwar seien sie etwas aufgeregt, ob alles so klappt wie geplant, vor allem aber freuen sie sich, schon bald zu starten. In den nächsten Wochen stehen zunächst der Umzug und die Einrichtung der Praxis an. In ihren bisherigen Räumen in der Westerstraße ist Dr. Freese deshalb nur noch in der kommenden Woche zu erreichen.