Osnabrück Publikum überstimmt Fachjury: Das sind die Gewinner von „Rock in der Region“
Alle Jahre wieder stellt sich in der Adventszeit im Osnabrücker Haus der Jugend die Frage: Wer macht das Rennen beim großen „Rock in der Region“-Finale? Diesmal war es besonders knapp.
Seit mehr als 35 Jahren veranstaltet das Musikbüro Osnabrück alljährlich den über die Stadtgrenzen hinaus reichenden Nachwuchs-Wettbewerb „Rock in der Region“. Und immer mal wieder sind Teilnehmer dabei, die so gar nicht explizit „rockig“ musizieren. In diesem Jahr schlugen Lyn Bee aus der Art, eine vor rund einem Jahr von Sängerin Anina in Osnabrück gegründete Band, die gewitzte Texte mit geballter stimmlicher Frauen-Power und treibender, kraftvoller Soul-Musik verbindet.
Bei der Maiwoche hat das Quintett samt Background-Sängerinnen noch auf der „Young Talent Stage“ für Furore gesorgt, im Oktober folgte der Sieg bei der ersten Vorrunde des Singer-Songwriter-Slams in der Lagerhalle und damit die Qualifikation für das Finale im Theater im März, einen Monat später dann über den Vorentscheid in Bad Essen der Einzug in das von „Rock in der Region“ 2025 – dank einer Fachjury, die das Publikum überstimmt hatte. Im Haus der Jugend kam es nun genau umgekehrt.
Denn bei der Jury hatten Lyn Bee zwar knapp die Nase vorn, aber das Rennen gemacht haben am Ende dank der zur Hälfte zählenden Stimmen aus dem Publikum Goon aus Melle, eine vierköpfige Band, die bereits seit fünf Jahren energiegeladenen Stoner- und Heavy-Rock auf die Bühnen bringt. Sie durfte sich am Ende nicht nur über 1500 Euro für die Bandkasse freuen, sondern dank eines neuen Publikumspreises auch über einen Auftritt beim kommenden „Hütte Rockt“-Festival im August nächsten Jahres.
Den Zweitplatzierten winkt ein zweitägiger Aufenthalt im Bad Iburger Tonstudio „Mühle der Freundschaft“. Eine gute Möglichkeit für Lyn Bee, ihren bislang vier veröffentlichten Songs noch weitere hinzuzufügen. Mit „Schlafen Gehen“ beendeten die Gewinner der Herzen und der Jury ihr 22-minütiges Set, ein Ohrwurm, der einen eben davon abhält – entsprechend inhaltlich als Schwierigkeit, aber musikalisch mit Leichtigkeit.
Eine Menge Fans ins Haus der Jugend mitgebracht hatten die am Ende Drittplatzierten Bloodfire aus Osnabrück, die über den Vorentscheid im Westwerk ins Finale gelangt waren. Erst im Mai dieses Jahres gegründet, lieferten die fünf Jungs melodischen Metalcore – stark inszeniert und musikalisch mit einem dichten, scheppernden Sound volles Rohr aufs Ohr, einmal aber auch balladesk. Sänger und Shouter Kai durfte sich zudem als Gewinner des informellen Headbanging-Wettbewerbs wähnen.
Diesbezüglich legte sich aber auch Sängerin Anja mächtig ins Zeug, Frontfrau von DustIIDust, ein in der aktuellen Besetzung im Oktober 2024 gegründetes Quartett aus Melle, das wie bereits beim Vorentscheid in Bersenbrück klassischen, schnörkellosen Hardrock servierte. Bassist Yogi fiel dabei nicht nur wegen seiner vom Klischee abweichenden „Frisur“ auf, sondern erwies sich auch als kongenialer Posing-Partner auf der Final-Rampe.
Stark eröffnet hatte den musikalisch wie optisch abwechslungsreichen Abend die Osnabrücker Songwriterin Mel Robin, eine tapfere Einzelkämpferin, die ihre schön düster melancholischen Stücke auch autodidaktisch vortrug. Neben Beats und Riffs aus dem Laptop griff sie aber auch zur Akustik-Gitarre, um nach „Boring Dystopia“ am Ende mit „Silver Lining“ doch noch für einen Hoffnungsschimmer zu sorgen – einen Song, mit dem sie es in der plattdeutschen Version als „Silberstriepen“ kürzlich auch ins „Plattsounds“-Finale in der Lagerhalle geschafft hatte.
Für das „Rock in der Region“-Finale im Haus der Jugend hatte sich Mel Robin einen Monat zuvor beim Vorentscheid in der Alten Webschule in Bramsche qualifiziert. So denkbar knapp wie nun auch das Endergebnis ausgefallen ist. Und ebenfalls dank der Stimmen des Publikums, die nun Goon zum prestigeträchtigen Titel verhalfen.