Tag der Geschichte in Aurich Ubbo Emmius – neue Erkenntnisse über einen alten Gelehrten
Es ist Namensgeber von Straßen, einer Klinik und eines Gymnasiums: Beim Tag der Geschichte in Aurich wurde an Ubbo Emmius erinnert. Einige Redner rücken dabei einiges ins rechte Licht.
Aurich - Am Sonnabend feierte der „Tag der Geschichte“ ein kleines Jubiläum. Die von der Ostfriesischen Landschaft und dem Landesarchiv in Aurich organisierte Veranstaltung erlebte ihre 25. Auflage. Passend dazu stand ein anderer Jubilar im Fokus. In den beiden Fachvorträgen, die im Landschaftsforum stattfanden, ging es um den Gelehrten Ubbo Emmius. Dessen Todestag jährt sich am 9. Dezember 2025 zum 400. Mal. Dabei lieferten die Referenten Prof. Klaas Berkel und Michael Recke einige überraschende Fakten und Erkenntnisse, die den meisten anwesenden Gästen bis dahin nicht bekannt gewesen sein dürften.
Zur Einführung ließ Landschaftspräsident Rico Mecklenburg noch einmal die Biographie von Ubbo Emmius Revue passieren. Der wurde am 5. Dezember 1547 als Ubbe Emmen in Greetsiel geboren. Sein Vater war ein lutherischer Pastor, der in Wittenberg studiert hatte. Die Mutter stammte aus einer wohlhabenden Norder Bürgerfamilie. Nach dem Besuch von Lateinschulen in Emden, Bremen und Norden sowie einer kurzen Stippvisite an der Universität in Rostock machte sich der Sohn 1576 von Ostfriesland aus zu Fuß auf den Weg in die Schweiz, um in Basel Theologie zu studieren. Emmius war Anhänger des reformiert-calvinistischen Glaubens, was ihm in seiner Heimat nicht nur Freunde bescheren sollte. Die war zu der Zeit in Glaubensfragen tief gespalten. Während Graf Edzard II. sich zum Luthertum bekannte, hatte sich in der Stadt Emden eine oppositionelle reformierte Enklave herausgebildet. Als Emmius 1579 nach Ostfriesland zurückkehrte, stand er vor der Wahl, entweder Rektor an seiner alten Norder Schule oder Pfarrer zu werden. Er entschied sich gegen die Kanzel und für den Schuldienst. 1588 wechselte er an die Lateinschule nach Leer. Da der überzeugte Calvinist mit seinen Lehrmethoden ständig bei der Obrigkeit aneckte, dürfte er heilfroh gewesen sein, als der Groninger Magistrat ihn bat, eine Lateinschule zu übernehmen. Vermutlich kam die Empfehlung von niederländischen Exilanten, die in Leer die pädagogischen Qualitäten des Ostfriesen kennen und schätzen gelernt hatten. Viele von ihnen waren längst in ihre Heimat zurückgekehrt. Mittlerweile hatte sich in den nördlichen niederländischen Provinzen eine calvinistisch geprägte Republik mit fortschrittlichen bürgerlichen Freiheiten etabliert. Auch Ubbo Emmius zog 1596 nach Groningen, wo er endgültig sesshaft wurde und an der 1614 gegründeten Universität außer seiner Funktion als erster „Rector Magnificus“ auch Geschichte und Griechisch unterrichtete. Er starb am 9. Dezember 1625 hochbetagt, aber selbst zu dem Zeitpunkt immer noch unermüdlich in Amt und Würden.
Ein Gelehrter im Zwiespalt
Häufig wird Emmius als Gründer oder Mitbegründer der Universität Groningen genannt. Prof. Klaas van Berkel, der inzwischen an eben jener Uni als Wissenschaftshistoriker lehrt und dort auch studiert hat, sieht das anders. Nach Auswertung verschiedener Quellen inklusive persönlicher Briefe kam er in seinem Vortrag am Sonnabend zu dem Schluss, dass Emmius die Bildungseinrichtung wohl lieber ein paar Nummern kleiner gehabt hätte. Ihm schwebte eine Art Hohe Schule vor, die gymnasiale und universitäre Studien verbinden sollte. Solche akademischen Gymnasien kamen in der frühen Neuzeit vor allem in protestantischen Regionen auf. Obwohl sich Emmius stets loyal verhielt, war er laut Klaas van Berkel auch nicht so ganz einverstanden mit der ideologischen Ausrichtung der Groninger Universität.
Sein Hauptwerk hatte der ostfriesische Gelehrte zu dem Zeitpunkt fast abgeschlossen. Zwischen 1592 und 1616 veröffentlichte Emmius sein mehrbändiges Opus Magnum „Rerum Frisicarum Historia“. Darin beschreibt er die Geschichte der Friesen von etwa 450 nach Christi bis 1564. In dem Zusammenhang entstand eine Ostfrieslandkarte, die bis heute zigfach reproduziert worden ist und auch immer wieder im Internet auftaucht. Sie gilt für ihre Zeit als ungewöhnlich genau und sollte noch lange danach maßgebend bleiben. Allerdings sind auf der Original-Kupferplatte im Laufe der Jahre zahllose Details verändert worden. Dies führt oft dazu, dass den jeweiligen Versionen nicht die korrekten Jahreszahlen zugeordnet werden, wie der von Rico Mecklenburg als Ostfrieslands „Kartenpapst“ titulierte Michael Recke in seinem sehr kurzweiligen Vortrag am Sonnabend aufzeigte.