Göttingen In Papiertonne gefunden: Welpe entkommt nur knapp der Müllpresse
Müllmänner haben durch Zufall einen Malteserwelpen in einer Papiertonne in Göttingen entdeckt und vor dem Tod gerettet. Vieles erinnert an den Fall eines Hundes im Altkleidercontainer von Schortens.
Der Kontrollblick eines Mitarbeiters der Göttinger Entsorgungsbetriebe hat einem Welpen das Leben gerettet: Bevor er die Papiertonne in einer Göttinger Straße zur Entleerung an den Greifarm des Müllwagens anhing, blickte er hinein. Neben Prospekten und Kartons entdeckte er am Dienstagmorgen, 2. Dezember 2025, einen kleinen weißen Hund. „Dieser Blick hat dem Hund das Leben gerettet“, sagt der Pressesprecher der Polizeiinspektion Göttingen, Andre Baumann, auf Nachfrage.
Die Behälter standen zur Leerung an einer Straße in einem Göttinger Wohngebiet. „Die Tonne wird ausgeleert und vor Ort gepresst“, erklärt Baumann das Vorgehen der Entsorger. Hätte der Müllwerker den Deckel der Papiertonne nicht geöffnet, wäre das Hundekind zusammen mit dem restlichen Inhalt des Abfallbehälters in der Müllpresse gelandet. „Das ist schon echt mies“, stellt der Polizeisprecher fest.
Der kleine weiße Hund soll beim Auffinden stark geschwächt gewesen sein. Er zitterte am ganzen Körper. Außerdem roch das Tier streng und hatte ein durch Sekret verklebtes Auge. Polizei und Tierrettung der Berufsfeuerwehr Göttingen halfen den aufmerksamen Entsorgern dabei, das Tier in die Obhut eines Tierschutzvereins zu geben. Es wurde tierärztlich versorgt und mittlerweile im Tierheim Duderstadt untergebracht, berichtet der Polizeisprecher.
Die Polizei Göttingen ermittelt nun wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.
Das Alter und die Rasse des Hundes erinnern ebenso wie sein Fundort stark an den Fall der kleinen Milou aus Sillenstede in der Stadt Schortens. Im Februar war die kleine Hündin in einem Altkleidercontainer entdeckt worden, nachdem sie dort mindestens zwei Tage lang festgesessen hatte.
Familie Sipahi wohnt in unmittelbarer Nähe der Stelle, an der Milou im Container entsorgt worden war. Mutter Tanja und Tochter Senay Sipahi hatten immer wieder ihr Jaulen und Fiepen gehört – und konnten irgendwann den Ursprung der Laute ausmachen und Milou mit Unterstützung der Feuerwehr Sillenstede befreien. Der auf fünf Monate geschätzte Malteser hatte Glück im Unglück – er wurde von seinen Finderinnen adoptiert.
Wie lange der Welpe in Göttingen bei eisigen Temperaturen in der Altpapiertonne festsaß, ist bisher nicht bekannt. Angesichts seiner Unterkühlung müssen es jedoch mindestens einige Stunden gewesen sein. Die Eigentümerin der Tonne gab gegenüber den Polizeibeamten an, dass der Welpe am Wochenende noch nicht in ihrer Papiertonne gesessen habe.
Woher der Vierbeiner kommt, ist wie auch im Fall von Milou ein Rätsel. „Wir tappen noch im Dunkeln“, bedauert Baumann. Seine Kollegen prüfen in Absprache mit dem zuständigen Veterinäramt unter anderem Hinweise auf problematische Haltungen im Umkreis. Unter der Telefonnummer 0551/4912115 nimmt die Inspektion Göttingen Hinweise auf die mögliche Herkunft des Hundes entgegen.
Dieser Artikel erschien zuerst in der „Ostfriesen-Zeitung“.