Osnabrück  VfL Osnabrück will Dauer-Angstgegner Wehen Wiesbaden mit Kompaktheit kontrollieren

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 05.12.2025 19:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sie wissen, wie man den SV Wehen Wiesbaden schlägt: Dave Pisot, Marcos Alvarez und Michael Hohnstedt jubeln während des 4:0-Sieges des VfL Osnabrück vor über zehn Jahren im September 2015. Foto: Helmut Kemme
Sie wissen, wie man den SV Wehen Wiesbaden schlägt: Dave Pisot, Marcos Alvarez und Michael Hohnstedt jubeln während des 4:0-Sieges des VfL Osnabrück vor über zehn Jahren im September 2015. Foto: Helmut Kemme
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An diesem Samstag empfängt der VfL Osnabrück in der 3. Fußball-Liga den SV Wehen Wiesbaden - und will vermeiden, erstmals in dieser Saison zwei Spiele hintereinander zu verlieren. Der Gegner hat indes ein ganz anderes Profil als der SC Verl, der den Lila-Weißen beim 1:4 die Grenzen aufgezeigt hatte.

Der VfL Osnabrück spielt mal wieder gegen den SV Wehen Wiesbaden - zum 33. Mal seit 2007, so oft wie gegen kein anderes Team in Deutschland. Es ist das vorletzte Heimspiel des Jahres bei kalten Dezember-Temperaturen gegen den Tabellenzwölften: Klingt irgendwie nach Drittliga-Tristesse - und die Laune wird nicht gerade besser, wenn man weiß, dass Lila-Weiß gegen die Hessen zu über 50 Prozent der Fälle verliert: 17 Mal in 32 Duellen.

Allerdings gibt es auch eine positive Lesart des Duells: Der VfL steht bereits in der Spitzengruppe - und Wehen Wiesbaden ist nominell ein Spitzenteam. Der SVWW könnte richtig Schwung nach oben nehmen und mit einem Auswärtssieg auf vier Punkte an Osnabrück rankommen. Die Platzierung weit oben in der Etat-Tabelle weist den Fusionsklub unter Führung der Wasserfilter-Hersteller-Familie Hankammer sowieso als Aufstiegsaspiranten aus, ebenso die Einzelqualität der Spieler im Kader. Dafür sorgen, dass diese Fußballer künftig als Team auftreten, soll seit Kurzem ein in Osnabrück gut bekannter Trainer: Daniel Scherning.

Zum Einstand hatte es für den 42-Jährigen eine 0:1-Niederlage beim SV Waldhof Mannheim gegeben, danach gelang ein 3:1-Wendesieg gegen Erzgebirge Aue. „Wir können neben der Viererkette jetzt auch Fünferkette spielen und haben auch eine andere Pressinghöhe etabliert“, berichtet der Ex-Coach des VfL Osnabrück von seinem Wirken in den ersten Wochen.

Verzichten muss Scherning auf drei Säulen: Die Mittelfeldspieler Daniel Suarez und Orestis Kiomortzoglu hatte der Trainer zum Einstand in Mannheim gleich in die Startelf gestellt, dann aber verletzten sie sich. Dazu fällt auch Stammtorwart Florian Stritzel aus: Noah Brdar wird ihn erneut vertreten. „Verbessern müssen wir uns noch beim Thema Tiefgang, um zielstrebiger in den Rücken der Kette des Gegners zu kommen“, sagt Scherning, der natürlich auch die Lage beim Gegner Osnabrück im Auge hat.

Der muss bekanntlich auf Jannik Müller verzichten: Die 5. Gelbe Karte, die der Abwehrchef beim 1:4 in Verl sah, gibt ihm Gelegenheit, seine Zehenverletzung richtig auszukurieren, die ihn in Westfalen durchaus nervte. „Klar fehlt Müller dem VfL - aber wir sind weit entfernt davon, die Stabilität der Osnabrücker an einem Spieler festzumachen“, sagt Scherning und ergänzt: „Wir sind jetzt nicht böse darüber, dass er gesperrt ist, wissen aber, dass die Möglichkeiten im Kader des VfL sehr gut sind, das aufzufangen.“

Dafür dürfte die Wahl auf Theo Janotta fallen: Der Ex-Lohner ist im Sommer genau für solche Aufgaben geholt worden, hat in drei aufeinanderfolgenden Spielen als rechter Innenverteidiger bereits Spielpraxis gesammelt - und beim 0:0 in Köln, dem 2:0 gegen Regensburg und dem 4:1 in Mannheim durchaus überzeugt. Der 22-Jährige bringt zudem mit seinen 1,96 Metern eine gewisse Kopfballstärke mit - wichtig gerade bei langen Bällen und Standards gegen die fast schon traditionell hoch aufgeschossene SVWW-Elf.

Weitere Veränderungen in der Startelf im Vergleich zum 1:4 in Verl sind nicht auszuschließen: Auf der linken Schiene drängt Frederik Christensen nach überstandener Erkältung wieder in die Startelf. Im Zentrum dürfte Fridolin Wagner, der zuletzt recht wenig spielte, auf seine Chance brennen. Luc Ihorst als Wandspieler und Tony Lesuer als einzig verbliebener Tempodribbler nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Ismail Badjie (weiter nicht im Training) dürften dagegen eher von der Bank kommen.

„Die Qualität von Wehen Wiesbaden ist sicher mit unserer vergleichbar“, sagt Trainer Timo Schultz, ergänzt aber: „Offensiv haben sie vielleicht schon etwas mehr individuelle Klasse bei Kaya, Flotho, Agrafiotis oder Gözüsirin.“ Deshalb wollen die Lila-Weißen dem ungeliebten Dauerrivalen mit Teamgeist beikommen - und auch offensiv Akzente setzen, indem sie die SVWW-Defensive um den erfahrenen Florian Hübers (34) in Bewegung bringen.

Gegen den Ball heißt es allerdings, kompakt zu bleiben und die Lehren aus dem Verl-Spiel zu ziehen. Was auch deshalb klappen könnte, weil die Gäste weniger mit Trickreichtum, Tempodribblings und Dynamik, sondern eher mit Wucht und Gradlinigkeit agieren - eine etwas berechenbarere Mischung, die dem VfL zudem mehr liegen könnte. Auch Bjarke Jacobsen, der im ersten Duell gegen seine Ex-Kollegen nach seinem Wechsel zum VfL im Sommer genau diese Stärken in die Waagschale werfen will.

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