Osnabrück Aus Amerika und mit Kommando „Kugelfisch“: Wie Alena Lömker bei BaKoS den Ausgleich fand
Eine Auslandserfahrung in Amerika hat das Interesse von Alena Lömker an der sozialen Arbeit geweckt, obwohl ihr Studium damit nichts zu tun hat: Nebenbei wurde die 23-Jährige aus Bippen deshalb Trainerin der Osnabrücker Ballschule – ein Job, den sie sich herbeisehnte und mit dem sie den Kindern trotz Kommandos eine Freude bereitet.
Es ist für einen kurzen Augenblick ungewöhnlich ruhig in dem kleinen Sportraum der Kindertagesstätte „Heilig Kreuz“, nur einen Steinwurf entfernt von der Bremer Brücke. Acht Kinder zwischen drei und sechs Jahren sitzen an diesem Mittwochvormittag auf einer Holzbank, blasen ihre Wangen auf und lauschen den Worten von Alena Lömker. Die Trainerin der Osnabrücker Ballschule (BaKoS) hat soeben das Kommando „Kugelfisch“ verordnet: „Die Kinder machen das, um leise zu sein. Sie müssen dann die Luft anhalten, was irgendwie witzig ist. Der Kugelfisch ist das Zeichen, zuzuhören“, erklärt die 23-Jährige, die Anfang des Jahres ihren Weg zu BaKoS gefunden hat – nach einer prägenden Auslandserfahrung in Amerika.
Genauer gesagt in Washington D.C.: In der Hauptstadt arbeitete die gebürtige Bippenerin für zwei Jahre als Au-pair bei einer Gastfamilie mit zwei Jungs im Alter von vier und acht Jahren, mit denen sie viele Sportarten unternehmen konnte. Danach nahm sie im September 2024 ihr Studium „International Management“ an der Hochschule Osnabrück auf. „Ich habe schnell gemerkt, dass das Studium total trocken ist, bin aber dabei geblieben. Ich habe immer gesagt, dass ich neben dem Studium einen sozialen Ausgleich brauche“, sagt Lömker, die diesen jahrelang durch Fußballspielen geschaffen hatte.
Über eine Freundin, die bei BaKoS gearbeitet hat, wurde sie auf eine Stellenausschreibung der Organisation aufmerksam. Gestärkt von den Erfahrungen in Amerika, die ihr gezeigt haben, dass „das aktive Lernen mit den Kindern schön“ sei, übernahm die Studentin zunächst ein paar Vertretungsstunden. Nur ein paar Monate später kam sie, die diese soziale Ader schon in Schulzeiten in sich getragen habe, im Februar 2025 schließlich zu BaKoS und dem Team um Stefan und Ivka Wessels.
Als Trainerin behandelt sie nun neben ihrem Studium zwei Tage in der Woche das Heidelberger Ballschulkonzept in Kindergärten und Grundschulen: unter anderem in der Stüveschule, bei der Landesaufnahmebehörde am Natruper Holz und der Kindertagesstätte „Heilig Kreuz“, wo sie seit drei Wochen die 45-minütigen Stunden durchführt.
Am Anfang sei sie etwas nervös gewesen, doch schnell habe sich ein vertrautes Miteinander entwickelt. „Es ist schön, zu beobachten, wie die Kinder daran wachsen. Von Anfang des ersten Semesters bis zum Ende sieht man eine starke Entwicklung. Zu sehen, wie die Ballübungen die Kinder motorisch verbessern und ihnen eine Freude bereitet, ist toll“, betont Lömker, die noch einen sozialen Master absolvieren will, um sich weiterhin an sportlichen Projekten mit Kindern wie bei BaKoS zu beteiligen.
Sie lege bei den vielfältigen Ballsportspielen, die in der Grundschule schon mehr Strategie und Technik mit einbeziehen und im Kindergarten immer auf kleinen, spielerischen Geschichten basieren, großen Wert auf Spaß und Teamgeist. „Wenn man Sport macht, ist man in einer anderen Welt. Ich mag die Freigeister. Es ist in der Gruppendynamik manchmal ein wenig schwierig, aber jedes Kind ist individuell. Uns liegen die Kinder am Herzen“, sagt die BaKoS-Trainerin, die zu einem Team von 35 Coaches gehört.
Und auch die Eltern, Erzieher und Lehrer seien dankbar, dass BaKoS diese Angebote in die Schulen und Kindergärten trägt. Sie haben sich mittlerweile fest etabliert, so wie die Stempelkarten, die Lömker zum Abschluss der intensiven Stunde „als Belohnung“ an die acht Kinder der Kindertagesstätte „Heilig Kreuz“ verteilt. Zuvor kehrt mit dem Kommando „Kugelfisch“ kurz noch einmal Ruhe ein, danach schallt wieder kindliche Freude durch den Raum.