Osnabrück Stadionsicherheit: VfL Osnabrück setzt Statement gemeinsam mit anderen Clubs
Der VfL Osnabrück wendet sich gemeinsam mit den anderen niedersächsischen Profifußballclubs geschlossen gegen die auf der Innenministerkonferenz diskutierten Sicherheitsmaßnahmen. Die Vereine setzen auf Dialog und Vertrauen in ihre Anhänger.
Pünktlich zur seit Mittwoch laufenden Innenministerkonferenz in Bremen hat der VfL Osnabrück gemeinsam mit den weiteren niedersächsischen Proficlubs, also Hannover 96, dem VfL Wolfsburg, Eintracht Braunschweig, dem TSV Havelse und den Regionalligisten SV Meppen und VfB Oldenburg, ein deutliches Statement abgesetzt, das vor allem auch als Aufruf an die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) verstanden werden darf, die sich zuletzt in der NOZ für weitreichende Sicheheitsmaßnahmen ausgesprochen hatte. Der Tenor der Clubs lautet ähnlich wie der der Fanszenen, die in den letzten Wochen bundesweit gegen die diskutierten Maßnahmen protestiert haben: „Die Stadien sind sicher.“
„Sicherheit und Fankultur stehen für uns nicht im Widerspruch, sondern bedingen einander: Nur wer sich geschützt fühlt, kann das Erlebnis Fußballstadion genießen – und nur durch ein respektvolles Miteinander entsteht jene Atmosphäre, die Gemeinschaft, Identifikation und Emotion ermöglicht“, heißt es zu Beginn des Statements. Die Vereine verweisen auf die Statistiken der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), die belegen, dass die Stadien sicher sind, Gewaltvorfälle weniger werden und damit bestätigen, dass „die bestehenden Sicherheitskonzepte funktionieren, wenn sie mit Augenmaß, Erfahrung, Qualität und Kenntnissen der örtlichen Umstände umgesetzt werden.“
Die Clubs sprechen sich klar „gegen Maßnahmen aus, die große Fanblöcke oder ganze Anhängerschaften ohne konkreten Anlass betreffen. Dazu zählen insbesondere:
- pauschale Reduzierungen von Gästekontingenten bei sogenannten Risikospielen,
- verpflichtende Ticketpersonalisierungen,
- Einschränkungen, die faktisch den Bestand von Stehplätzen gefährden würden,
- zentral organisierte Stadionverbotsstrukturen mit automatischen oder vorschnellen Sanktionen auf bloßer Verdachtsbasis.“
Solche Eingriffe träfen die vielen friedlichen und engagierten Fans und untergräben das Vertrauensverhältnis zwischen Vereinen und ihren Anhängern, heißt es weiter. Konkret wird es im Zusammenhang der diskutierten zentralen Stadionverbotskommission. „Die bestehenden Lokalen Stadionverbotskommissionen haben sich bewährt – sie kennen die individuellen Situationen, beteiligten Personen und lokalen Gegebenheiten und können deshalb verantwortungsvoll und differenziert entscheiden“, schreiben die Vereine.
Generell setzen sie auf „mehr Fanbetreuung, nachhaltige sozialpädagogische Arbeit und ein qualifiziertes Sicherheitsmanagement“, die unverzichtbar seien für die Bewahrung einer lebendigen Vereinskultur. „Wir wenden uns entschieden gegen Generalverdächtigungen. Unser Vertrauen gilt den vielen Fans, die mit Leidenschaft, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein zur besonderen Fußballkultur beitragen.“
Zum Abschluss des Statements symbolisieren die Vereine Geschlossenheit: „Als niedersächsische Profiklubs verstehen wir uns als Teil einer Fußball-Familie, die weit über Spieltage und Ergebnisse hinaus wirkt. Wir stehen geschlossen für eine Fankultur, die farbenfroh, laut, emotional und respektvoll zugleich ist – und für ein Stadionerlebnis, das Sicherheit und Gemeinschaft miteinander verbindet. Wir rufen Politik, Behörden und alle beteiligten Institutionen dazu auf, gemeinsam mit uns verantwortungsvoll zu handeln – statt auf pauschale Einschränkungen oder kollektiv wirkende Verbote zu setzen.“
Zum Start der Konferenz, die bis zum Freitag laufen soll, deutete Bremens Innensenator eine Entspannung in der Diskussion an. So stünden personalisierte Tickets, flächendeckende Ausweiskontrollen, Gesichtserkennung, KI-Überwachung und Pyrotechnik nicht mehr auf der Tagesordnung, erklärte er. Damit sind zentrale Kritikpunkte der bundesweiten Fanszenen offenbar bereits vom Tisch - und der Protest dagegen darf vorläufig als Erfolg betrachtet werden. Diskutieren werden die Innenminister allerdings wohl eine übergeordnete Stadionverbotskommission, die die lokalen Einrichtungen untersützen solle.