Osnabrück Für mehr als 100 Millionen Euro: So soll der Förderschul-Campus in Osnabrück aussehen
Für mehr als 100 Millionen Euro wollen Stadt und Landkreis Osnabrück zwischen Friedensweg und Belmer Straße in Schinkel-Ost einen Förderschulcampus errichten. Jetzt haben sie die ersten Entwürfe dafür vorgestellt.
Nahezu euphorisch waren die Verwaltungsspitzen von Stadt und Landkreis Osnabrück, als sie jetzt die Entwürfe für einen Förderschul-Campus in Schinkel-Ost der Öffentlichkeit präsentierten. Die Anne-Frank-Schule und die Montessori-Schule sollen zwischen Friedensweg und Belmer Straße neue Gebäude erhalten.
Einen dreistelligen Millionenbetrag werden Stadt und Landkreis gemeinsam investieren; zurzeit ist von 112 bis 113 Millionen Euro die Rede. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter sagte, sie könne sich nicht erinnern, dass in Osnabrück je eine Schule als Einzelinvestition in dieser Größenordnung gebaut worden wäre.
Nicht nur Schüler mit Handicap aus der Stadt, sondern auch aus dem Landkreis Osnabrück besuchen die beiden Schulen. Die Montessori-Schule ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, bei der Anne-Frank-Schule liegt der Schwerpunkt auf der körperlichen und motorischen Entwicklung.
Beide Förderschulen sind an ihren bisherigen Standorten an der Ernst-Sievers-Straße und am Sonnenhügel in einem Zustand, den Osnabrücks Erster Stadtrat und Schulvorstand Wolfgang Beckermann als „nahezu unerträglich“ bezeichnete. Seit Jahren kämpfen die beiden Schulen mit Platzmangel und Sanierungsstau.
Der Betreuungsbedarf an den Förderschulen ist hoch: Auf 233 Schüler bei der Anne-Frank-Schule kommen 101 Mitarbeiter, bei der Montessori-Schule – einst für 120 Schüler gebaut – sind es 297 Schüler und 180 Mitarbeiter. Und die Schülerzahlen steigen.
Bis beide Schulen umziehen können, werden allerdings noch mehrere Jahre vergehen: Wenn alles gut läuft, wird 2028 der Baubeginn des Förderschulcampus sein, der Einzugstermin läge dann im Jahr 2031, war bei einer Pressekonferenz im Rathaus zu erfahren.
Seit vielen Jahren war darüber diskutiert worden, man habe sich „in Kleinigkeiten verloren“, sagte Landrätin Kebschull. Jetzt steht der Entwurf. Ein „Meilenstein für Stadt und Landkreis“ sei das, schwärmte Kebschull. Oberbürgermeisterin Pötter sprach von einem „Mega-Projekt“, das „beispielgebend für unsere Region“ sei.
Die Bebauung am Friedensweg ist aus Gründen der Ökologie und des Stadtklimas umstritten. Die Bürgerinitiative „Naturnaher Schinkel“ kritisiert, dass ein Grüner Finger angeknabbert werden soll.
Die Stadt hatte das Areal des alten Hofs Entrup vor etlichen Jahren gekauft, um dort Wohnraum zu schaffen. Doch wegen Bedenken bezüglich der Frischluftzufuhr für die Stadt war dieser Traum rasch ausgeträumt. Dann brachte zur Kommunalwahl 2021 die CDU die Idee ins Spiel, ein Naherholungsgebiet – die „Schinkelseen“ – zu schaffen. Auch daraus wird nun nichts.
Im nördlichen Bereich, also an der Belmer Straße und im oberen Bereich des Friedensweges soll nun der Förderschulcampus entstehen, der untere Bereich wird als Grünfläche geplant.
„Wir wissen um die Sensibilität dieses Ortes und der Grünen Finger“, betonte Architekt Hinrich Müller vom Architekturbüro gmp aus Hamburg, das den Zuschlag für die Planung erhalten hat.
„Wir haben versucht, auf die lockere Bebauung der Umgebung einzugehen“, erläuterte Müller. Es sollen einzelne Lernhäuser entstehen, die einen grünen Hof umschließen. Dieser Hof könnte nicht nur zum Spielen, sonden auch für einen Weihnachtsmarkt oder ähnliches genutzt werden. Der Campus könnte sich damit auch für die Menschen im Stadtteil Schinkel öffnen.
In Holz-Hybrid-Bauweise haben die Architekten die Gebäude geplant, mit geneigten Dächern, die begrünt und mit PV-Anlagen versehen werden können. Ein wenig soll ihr Äußeres an Fachwerk-Gebäude erinnern.
Und noch etwas mussten die Planer berücksichtigen: Ausreichend Parkplätze. Der Förderschulcampus werde Osnabrücks „größter Taxi-Standort“, sagte Schulvorstand Beckermann, denn die Kinder werden teils von weither mit Bullis zur Schule gefahren.
In den Gebäuden sind viele Rückzugsmöglichkeiten vorgesehen. Die Schule solle Lernort und Heimat für die Kinder sein. „Schule auf dem Bauernhof“ – fast so wie „Ferien auf dem Bauernhof“, sei die Idee dahinter, so Architekt Müller.
Die Anne-Frank-Schule kommt am Friedensweg unter, die Montessori-Schule an der Belmer Straße. Die beiden Schulen bleiben dabei zwar eigenständig, werden sich aber Mensa, Sporthalle und Therapieräume teilen.
Für Landschaftsarchitekt Michael Kaschke vom Hamburger Büro WES ist es ein Herzensprojekt: Am Friedensweg Nummer 9 lebte ein Urgroßvater mütterlicherseits, er kennt das Areal von klein auf. Er könne sich die beiden Schulen dort als zwei neue Gehöfte vorstellen, sagte er. Naheliegend ist daher für ihn und gmp-Architekt Hinrich Müller das Wortspiel: Hofschule - Schulhof.
„Uns war wichtig, dass es eine Schule wird, in der sich die Kinder auch zu Hause fühlen“, betonte Kreisrat Matthias Selle. Viele Kinder würden heutzutage schließlich acht bis zehn Stunden täglich in der Schule verbringen.
Ziel ist es laut Stadt, dass die Entwurfsplanung mit einer belastbaren Kostenberechnung zum Jahreswechsel 2026/27 abgeschlossen ist. Parallel läuft das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes.