Osnabrück  Seifenfabrik-Abriss an der Rehmstraße: So viele Ziegel wurden gerettet und so geht es weiter

Sandra Dorn
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Von Sandra Dorn
| 02.12.2025 18:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Abriss der einstigen Seifenfabrik an der Osnabrücker Rehmstraße war für die Firma Köster ein Feldversuch in Sachen Kreislaufwirtschaft: Die Köster-Mitarbeiter Mark Niehüser (links) und Meik Wibbeler waren für die „Ernte“ der alten Ziegelsteine verantwortlich. Foto: Jörn Martens
Der Abriss der einstigen Seifenfabrik an der Osnabrücker Rehmstraße war für die Firma Köster ein Feldversuch in Sachen Kreislaufwirtschaft: Die Köster-Mitarbeiter Mark Niehüser (links) und Meik Wibbeler waren für die „Ernte“ der alten Ziegelsteine verantwortlich. Foto: Jörn Martens
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An der Osnabrücker Rehmstraße ist im Sommer die alte Seifenfabrik Frömbling abgerissen worden. Deren Ziegelsteine sollten gereinigt und für einen Neubau vor Ort wiederverwendet werden. Wir haben die Planer gefragt, ob sich der Aufwand gelohnt hat.

Innerhalb weniger Wochen ist im Sommer die frühere Seifenfabrik Frömbling an der Ecke Rehmstraße/Lange Straße in der Osnabrücker Wüste verschwunden. Die Lani Immobilien GmbH, eine Tochter der Osnabrücker Baufirma Köster, plant dort einen Neubau mit Wohnungen, Büros und Praxen.

Das Projekt ist aber auch ein Recycling-Experiment. Lani und Köster wollten ausprobieren, ob sich die Ziegelsteine des rund 120 Jahre alten Gemäuers retten lassen.

Klinker sind in der Herstellung sehr energieintensiv. Eine „Ernte“ und Wiederverwendung alter Ziegel als Baumaterial wäre also gut fürs Klima, denn so kann CO₂ eingespart werden. Bislang werden die alten Baustoffe beim Abriss von Gebäuden fast immer entsorgt und landen zerkleinert im Straßenbau.

Das Zwischenfazit zur Ziegelernte an der Rehmstraße fällt positiv aus: Mehr als die Hälfte der Ziegel konnten gerettet werden, sagen Köster-Projektleiter Meik Wibbeler und Nachhaltigkeitsmanager Mark Niehüser.

Zehn Mitarbeiter hätten während des Abrisses den Mörtel an den einzelnen Steinen von Hand abgeklopft, berichten sie. Etwa 47.500 Steine sind jetzt in einer Halle in Borgloh auf Paletten eingelagert und warten darauf, als gestalterisches Element in der Fassade des Neubaus eingesetzt zu werden.

Die Befreiung der Ziegel vom Mörtel habe noch besser geklappt als erhofft, da es sich um einen Mörtel mit hohem Kalkanteil gehandelt habe, sagen Wibbeler und Niehüser.

Noch rentiert sich dieser Aufwand für den Investor nicht finanziell. „Wir haben dadurch kein Geld gespart“, sagt Lani-Geschäftsführer Schubert. „Aber wenn wir jetzt nicht Erfahrungen sammeln, kann es auch nicht besser werden.“ Und Mark Niehüser betont, man drücke damit angesichts der Klimakatastrophe ja auch eine Haltung aus.

Der nächste Schritt wäre eine maschinelle Reinigung alter Ziegelsteine. Die Firma Gamle Mursten aus dem dänischen Svendborg hat solche Maschinen bereits entwickelt. „Wir sind da mit einem vollen Kofferraum hingefahren“, berichtet Mark Niehüser. „Das funktioniert.“ Künftig könnte ein Mitarbeiter rund 7000 Ziegel am Tag mit so einer Maschine direkt vor Ort reinigen.

Niehüser ist optimistisch, dass diese Art von Kreislaufwirtschaft im Baugewerbe eine Zukunft hat. Die geretteten Ziegel sehen nicht aus wie neu, aber das sollen sie auch nicht. Wie gut sie im Neubau wiederverwendet werden, stehe und falle jetzt mit der Leistung der Architekten, so Niehüser.

Geplant sind an der Ecke Rehmstraße/Lange Straße zwei Wohnhäuser mit 44 Wohnungen und zwei Häuser mit Büros und Praxen sowie Kleingastronomie. Zum Parken entsteht eine Tiefgarage. Auch der angrenzende Medi-Park in der Parkstraße gehört Lani Immobilien, der Neubau erweitert daher in Teilen das Ärztezentrum.

Im Frühjahr 2026 wollen sie den Bauantrag stellen, sagt Lani-Geschäftsführer Tobias Schubert, der Bau soll dann im Laufe des Jahres starten.

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