Osnabrück  Wohnprojekt für mehrere Generationen: Großes Interesse an neuem Angebot in Osnabrück

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 02.12.2025 15:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf eine Leiter musste Sabine Steinkamp von der Kontaktstelle Wohnraum der Stadt Osnabrück klettern, damit alle sie sehen konnten. Der Andrang auf dem Hof Hanesch war riesig. Foto: Thomas Wübker
Auf eine Leiter musste Sabine Steinkamp von der Kontaktstelle Wohnraum der Stadt Osnabrück klettern, damit alle sie sehen konnten. Der Andrang auf dem Hof Hanesch war riesig. Foto: Thomas Wübker
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Damit hatte niemand gerechnet: Gut 170 Menschen kamen auf Hof Hanesch in Osnabrück, um sich über das gemeinschaftliche Wohn-Projekt zu informieren. Wir haben bei einigen nachgefragt, warum diese Wohnform für sie in Frage käme.

Mehrere Jahrhunderte alt ist der Hof Hanesch im Osnabrücker Stadtteil Dodesheide. Besitzer Norbert Hanesch, 61 Jahre alt, will das Anwesen verkaufen. Die Architekten Jan-Gerrit Schäfer und Herwig Krause aus Hannover und Osnabrück wollen dort ein modernes Wohn-Projekt verwirklichen – gemeinschaftlich und generationenübergreifend.

Eine Idee, die offenbar viele attraktiv finden: Gut 170 Menschen kamen am Freitag (28. November 2025) zur Infoveranstaltung, so schätzte Norbert Hanesch. „Ich hatte mit 30 gerechnet“, rief er den Besuchern zu, von einer Leiter herab: Auf die musste er klettern, um gesehen und gehört zu werden.

Es gab heißen Punsch und viel Wissensdurst, den die Architekten und die Stadt Osnabrück stillten. Sabine Steinkamp von der Kontaktstelle Wohnraum erläuterte, das Wohn-Projekt sei kein städtisches, werde aber von der Stadt unterstützt. Und sie betonte: Es gibt weitere Projekte, über die man sich bei der Kontaktstelle „Gemeinschaftliches Wohnen“ informieren kann.

Dass der Andrang so groß ist, zeige, wie groß das Interesse am gemeinschaftlichen Wohnen ist, sagt Norbert Hanesch. Dass eine Großfamilie noch in einem Haus lebt, kennt Veronika Benning aus ihrer Kindheit. Die 79-Jährige ist mit ihrer Tochter Marion Mäscher und ihrem Schwiegersohn Michael Mäscher aus Lengerich zum Hof Hanesch gekommen. „Wir wollen eine Vorstellung davon bekommen, wie gemeinschaftliches Wohnen funktionieren kann und welche Möglichkeiten es gibt“, so Veronika Benning. Eine Senioren-WG komme für sie nicht infrage: „Mich spricht die Gemeinschaft mit Jung und Alt an.“ Aktuell lebt sie allein in ihrer Wohnung.

„Wir beschäftigen uns schon lange mit gemeinschaftlichem Wohnen“, sagen Marion und Michael Mäscher. „Langfristig wäre es eine Option, mit weniger Platz klar zu kommen“, so der 52-Jährige. Außerdem sei die Lage am Hof Hanesch „traumhaft“, im Grünen und dennoch stadtnah. „Das kann man sich alleine nicht leisten“, sagt Mäscher. Seine Frau Monika schätzt vor allem die gute Nachbarschaft, die beim gemeinschaftlichen Wohnen entstehen kann. „Es sollte nicht so sein, dass jeder in seinem Haus wohnt und nicht weiß, wer nebenan lebt“, so die 57-Jährige.

Dass sich Jung und Alt gegenseitig unterstützen und voneinander lernen, das findet Beate Schawe am gemeinschaftlichen Wohnen toll. Das ist aber nicht der einzige positive Aspekt, den die 67-Jährige sieht: Die Hasterin möchte nicht ihre gewohnte Umgebung verlassen. Ihr gefällt zudem, dass das Projekt am Hof Hanesch autofrei sein soll. „Da können die Kinder besser spielen, und wir Alten müssen nicht so schnell springen“, sagt sie augenzwinkernd.

Eine Freundin von ihr lebt bereits in einem gemeinschaftlichen Wohn-Projekt und hat ihr von einem weiteren Vorteil berichtet: Dort leben mehrere junge IT-Fachleute – und die helfen den Alten beim Umgang mit dem Computer.

Auch für junge Menschen ist die enge Nachbarschaft interessant – so wie für eine alleinerziehende Frau, die mit ihrem neun Monate jungen Baby zur Info-Veranstaltung gekommen ist. Gerade der Aspekt, dass man sich gegenseitig helfen kann, mache das gemeinschaftliche Wohnen für sie interessant, sagt sie. Auch sie mag das anonyme Nebeneinander-Leben nicht.

Für Anschauungsunterricht sind die Bauunternehmer Andre Runnebaum-Suszka und Thorsten Siebe nach Osnabrück gekommen. Sie ein eigenes gemeinschaftliches Wohn-Projekt in Damme verwirklichen. „Bei uns in der Gegend leben viele alte Menschen allein in großen Häusern“, weiß Runnebaum-Suszka. „Die brauchen Leben in der Bude“, ergänzt Siebe.

Viele Babyboomer wollen zwar so lange wie möglich selbständig leben, aber auch sie bräuchten irgendwann Unterstützung, sagt der 50-jährige Runnebaum-Suszka mit Blick auf seinen 21-jährige Sohn Fridjof. Der wohnt noch bei seinen Eltern. Die Frage, ob er sich wie sein Vater vorstellen könne, in einem gemeinschaftlichen Wohn-Projekt zu leben und sich eventuell um seinen alten Herrn zu kümmern, bejaht er zwar, fügt aber diplomatisch an: „Jeder braucht seine Privatsphäre.“

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