Verl  Einzelkritik zur 1:4-Pleite beim SC Verl: VfL Osnabrück zu weit weg von Topform

Malte Artmeier, Benjamin Kraus
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Von Malte Artmeier, Benjamin Kraus
| 01.12.2025 11:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Wirbelte ganz Osnabrück gewaltig durcheinander: Berkan Taz (Verl) im Zweikampf gegen Lars Kehl. Foto: Michael Titgemeyer
Wirbelte ganz Osnabrück gewaltig durcheinander: Berkan Taz (Verl) im Zweikampf gegen Lars Kehl. Foto: Michael Titgemeyer
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Der VfL Osnabrück hat beim 1:4 beim SC Verl von dynamischen wie spielstarken Ostwestfalen seine Grenzen aufgezeigt bekommen. Nicht immer konnten die Lila-Weißen das Tempo mitgehen, dazu kamen zu viele individuelle Fehler. Die Einzelkritik.

#29 David Kopacz: War zu Beginn des Spiels richtig agil unterwegs und an der Entstehung mehrerer Chancen beteiligt, gab etwa die starke Flanke zu Kehls Kopfball. Jene Präzision ging ihm allerdings auch in weiteren Szenen ab, sodass die Möglichkeiten zum Erspielen guter Chancen auf der Strecke blieben. Lief stark ein und verarbeitete Kehls Zuspiel gut beim Osnabrücker Treffer, wo er die lange Ecke anvisierte und ein wenig Glück hatte, dass Verl-Keeper Philipp Schulze den Ball passieren ließ. Agierte ab und an aber etwas unglücklich im Pressing, zum Beispiel in der Entstehung des 1:3, als er sich an der Eckfahne von einer einfachen Körpertäuschung ausmanövrieren ließ und wegrutschte.

#18 Lars Kehl (bis 68.): Der Kreativspieler war an eigentlich allen gefährlichen Offensivszenen der Lila-Weißen beteiligt: Sein Kopfball zu Beginn hatte durchaus Wucht, nur er hätte ihn noch besser ins Eck setzen müssen für einen Treffer. Beim Anschlusstor glänzte er mit starker Ballbehauptung nach Jonssons langem Ball sowie dem Steckpass im richtigen Moment auf Kopacz. Allerdings sah man ansonsten nicht allzu viel vom Offensivmann, der seltener als sonst zwischen den Linien anspielbar war und der Partie nicht wirklich seinen Stempel aufdrücken konnte.

#13 Kevin Schumacher (bis 46.): War beim 0:2, das über seine Schiene fiel, kein Faktor: Der Linksfuß war zur Konterabsicherung richtigerweise ins Zentrum eingerückt, dennoch erkannte er zu spät, dass Mhamdi über seine Seite den Sprint anzog - bis er sich drehte und das Tempo aufnahm, hatte Verls Rechtsverteidiger so viel Vorsprung gewonnen, dass Schumacher nicht mehr hinterherkam. Ansonsten mühte sich der linke Schienenspieler zwar stets mit vollem Einsatz und warf sich in die Zweikämpfe, aber um richtig Akzente in diesem schnellen Spiel zu setzen, hätte es etwas mehr Endgeschwindigkeit und technische Raffinesse bedurft.

#11 Robin Meißner: Ging wie immer weite Wege im Offensivzentrum und half so seinen Mitspielern im Pressing sowie bei eigenen Angriffen. Hatte selbst zwei etwas komplizierte Abschlüsse aus etwa 20 Metern - einen aus der Drehung in der ersten Halbzeit, den er nicht richtig traf, sowie einen Volleyschuss direkt nach der Pause, der schwierig war, weil sein Kontakt zuvor etwas in den eigenen Rücken ging, also nicht optimal war. Bei der Ballsicherung zum Anschlusstor hatte er auch seine Füße im Spiel. Kein Faktor diesmal aber bei heranfliegenden hohen Bällen.

#24 Jannik Müller: Versuchte, den Laden in der Defensive zusammenzuhalten, hatte aber viel mehr mit Schadensbegrenzung zu tun als sonst - etwa, als er unmittelbar nach dem 0:1 die Mitspieler zusammenholte für eine Ansprache auf dem Platz. An den Gegentoren nicht unmittelbar beteiligt - allerdings war diesmal seine Passquote ungewohnt schwach, zudem tat er sich schwerer als sonst beim Nach-vorn-Verteidigen, wo er gegen flinke Verler kaum in die Zweikämpfe kam, ersichtlich etwa in der Entstehung des 0:2 im Zentrum. War mit seiner Zehenverletzung diesmal nicht bei 100 Prozent - die kann er aber nun auskurieren, weil er seine fünfte Gelbe Karte sah und am Samstag gegen Wiesbaden fehlen wird.

#15 Bjarke Jacobsen: Der Anker im Mittelfeldzentrum wirkte diesmal recht schwerfällig und irgendwie unausgeschlafen: Ist ein Spiel so schnell und sind die Gegner so flink und trickreich wie die Ostwestfalen, sieht man dann doch die Grenzen des defensiven Mittelfeldspielers in puncto Schnellkraft und Beweglichkeit - vor allem dann, wenn seine Nebenleute auch zu kämpfen haben und dem VfL so die Kompaktheit gegen den Ball abgeht, von der gerade Jacobsen profitiert, weil er dann seine Wucht einsetzen kann. Machte diesmal zudem ebenfalls zu viele leichte Fehler im Passspiel.

#19 Kevin Wiethaup (83.): Versuchte, seine Dynamik im Mittelfeldzentrum einzubringen, was ab und an eigentlich ganz gut gelang und dazu beitrug, dass sich ein rasantes wie sehenswertes Spiel entwickelte. Allerdings gab es zwei Probleme: An der wirklich prägenden Entstehung einer VfL-Torchance konnte Wiethaup diesmal nicht mitwirken, genauso wenig fiel er durch das Gewinnen prägender Zweikämpfe auf, als der VfL unter Druck stand - und er hatte ebenfalls eine zu hohe Fehlerquote im Passspiel mit teils eklatanten Aussetzern wie dem Ball zu Verls Berkan Taz über fünf Meter, der Verl eine Großchance ermöglichte.

#27 Robin Fabinski: Hatte weit mehr als sonst zu kämpfen mit sich und den Umständen: Der rechte Innenverteidiger fand in dieser Partie zu keiner Zeit den Halt und die Sicherheit, die ihn sonst auszeichnet. Beispielhaft dafür stehen die beiden Gegentore in der zweiten Halbzeit: Beim 1:3 entschloss er sich zu spät dazu, nach vorn zu verteidigen und wurde dann überspielt - und beim 1:4 machte er einen verhängnisvollen Schritt zu weit in die eigene Hälfte und verschob so die Abseitslinie, sodass Arweiler (der dennoch aus abseitsverdächtiger Position startete) davon profitierte und seinen Vorsprung bis zum Torschuss auch deshalb halten konnte, weil Fabinski ein bis zwei Sekunden brauchte, um zu reagieren und volles Tempo nach hinten aufzunehmen. Hatte zudem wie Mitspieler Kammerbauer Probleme, die agilen und dynamischen Vorstöße von Alessio Besio zu unterbinden.

#31 Patrick Kammerbauer: Beteiligt in der Entstehung des 0:1, als er Besio die Außenseite im Dribbling anbieten wollte, dies aber mit zu viel Distanz zum Gegenspieler tat und diesen dann nach innen ziehen und ungehindert abschließen ließ, weil er sich zudem noch mit dem Rücken zum Ball umdrehen musste. Nicht die einzige Szene, in der er Besio nicht aufhalten konnte. Zudem unterliefen dem rechten Schienenspieler so ungewohnt viele Ballverluste und Fehlpässe, dass es auffiel. Nach der Pause wurde Kammerbauer durch Schumachers Auswechslung nach links versetzt - dort spielte er unauffällig, ehe es zurück auf die rechte Bahn ging, weil Pröger wieder raus musste.

#25 Niklas Wiemann: Versuchte mit Wucht und Konsequenz zu verteidigen, was recht oft gelang, aber in zwei wichtigen Szenen gar nicht: Beim 0:2 hätte er die Lage bei Mhamdis Durchbruch erkennen und Verls Rechtsverteidiger auf dem Weg zum Tor stellen müssen, anstatt nur das eigene Zentrum zu sichern und Mhamdi ungehindert abschließen zu lassen. Und beim 1:3 kam er gegen Arweiler gar nicht in den Zweikampf - dessen Finte war zwar gut, Wiemann stieg aber mit zu viel Distanz zum Ball viel zu einfach aus.

#21 Lukas Jonsson: Torhüter haben das schwere Los, dass Fehler direkt auffallen und im Gedächtnis bleiben, weil sie oft direkt zu Gegentoren führen. Dennoch muss man ansprechen, dass Besios harmloser 21-Meter-Schuss zum 0:1 niemals durchrutschen darf, weil er direkt auf den Mann abgefeuert war - Jonsson ließ den Ball aber unter dem Körper durchrutschen zu einem Tor, das leider die Richtung des Spiels bestimmte. Der Schwede war an der Entstehung des Osnabrücker Treffers mit einem langen Ball beteiligt, konnte diesmal aber sonst kaum eine sichere Ausstrahlung auf seine Vorderleute einbringen. Beim 1:4 kassiert er Arweilers Schuss ins Torwarteck, wobei man auch sagen muss, dass der Abschluss des Stürmers richtig gut war und der Keeper von seinen Vorderleuten alleine gelassen wurde.

#10 Kai Pröger (ab 46., bis 62.): Sollte über rechts Dampf nach vorn machen und startete sehr engagiert - bis zum Osnabrücker Treffer sah das gut aus. Dann aber verletzte sich Pröger an der Wade und machte eine (möglicherweise aber nicht ganz eindeutige) erste Ansage zur eigenen Bank, die aber relativ lange brauchte, um darauf zu reagieren - in dieser Zeit fielen die Gegentore drei und vier, auch deshalb, weil Pröger nur im Raum stand und nicht mit letzter Konsequenz mitverteidigte. Sehr unglücklich für den VfL, der diese Phase in jedem Fall aufarbeiten wird.

#3 Frederik Christensen (ab 67.): Spielte die letzte halbe Stunde auf seiner linken Schiene unauffällig, aber zumindest ohne größere Fehler. Nutzte die Gelegenheit, um sich nach überstandener stärkerer Erkältung wieder ans Team heranzuarbeiten und Matchpraxis zu sammeln.

#22 Bernd Riesselmann (ab 67.): Sollte die letzte halbe Stunde (einschließlich der sechsminütigen Nachspielzeit) für mehr Präsenz im Sturmzentrum sorgen. Mühte sich entsprechend, hatte aber kaum Impact auf das zu dieser Zeit bereits entschiedene Spiel.

Fridolin Wagner (ab 83.) und Tony Lesueur (ab 90.): Kamen in der Schlussphase, fielen allerdings nicht mehr nennenswert auf.

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