Verl  SC Verl wirbelt VfL Osnabrück durcheinander: 1:4-Pleite am ersten Advent

Benjamin Kraus, Malte Artmeier
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Von Benjamin Kraus, Malte Artmeier
| 30.11.2025 18:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Niederlage in Verl: VfL-Angreifer Robin Meißner ist zurecht enttäuscht. Foto: Michael Titgemeyer
Niederlage in Verl: VfL-Angreifer Robin Meißner ist zurecht enttäuscht. Foto: Michael Titgemeyer
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Der VfL Osnabrück hat sein Auswärtsspiel in der 3. Liga beim SC Verl mit 1:4 verloren. Gegen starke Gastgeber sorgten zwei Doppelschläge für die Entscheidung. Hoffnung auf Punkte gab es nur kurz nach David Kopaczs Anschlusstor. Der Spielbericht.

Ein für Drittliga-Verhältnisse gut anzuschauendes Fußballspiel fand am ersten Adventssonntag aus Osnabrücker Sicht den falschen Sieger: Der VfL verlor völlig verdient mit 1:4 gegen den SC Verl. Die beste Offensive der Liga aus Ostwestfalen zeigte den sonst defensiv so stabilen Lila-Weißen dabei zeitweise die Grenzen auf. Die Mannschaft des kleinen Dorfclubs aus Verl war schlicht zu gut für den VfL, dem Struktur, Ordnung und in wichtigen Momenten auch Qualität fehlte.

In Sachen Aufstellung gab es beim VfL Osnabrück eine Premiere: Zum allerersten Mal in der Saison setzte Trainer Timo Schultz auf die gleiche Elf wie in der Vorwoche. Verzichten musste er lediglich auf den Matchwinner vom 1:0-Sieg gegen Ingolstadt: Top-Joker Ismail Badjie hat sich in der Trainingswoche eine Muskelverletzung zugezogen, die ihn außer Gefecht nahm - und womöglich auch noch länger ausfallen lassen wird.

Verls Trainer Tobias Strobl setzte ebenfalls auf die gleiche Startelf wie zuletzt beim 5:1 gegen Viktoria Köln, schickte also auch die kreative und erfolgreichste Offensive der Liga um Berkan Taz, Timur Gayret, Yari Otto und Alessio Besio aufs Feld. Die Kapitänsbinde trug ein Osnabrücker und ehemaliger VfL-Jugendspieler: Linksverteidiger Niko Kijewski.

So ruhig es in den ersten zwölf Spielminuten wegen des Protests der Fanszenen gegen die von den Innenministern diskutierten Sicherheits-Verschärfungen blieb, so schnell nahm die Partie Tempo auf. Während die Verler mit ihrem gewohnt sicherem Passspiel zwar die Spielkontrolle übernahmen, erspielte sich der VfL die ersten Gelegenheiten. Sowohl beim Drehschuss von Angreifer Robin Meißner (4. Minute), als auch beim etwas zu zentral platzierten Kopfball von Lars Kehl nach starker Flanke von David Kopacz, den SCV-Keeper gut parierte, war mehr drin.

Kurz, nachdem vor allem die deutlich überlegene VfL-Kurve so richtig Fahrt aufnahm, trafen die Gastgeber zum 1:0. Linksaußen Besio zog von rechts nach innen, zielte zentral aufs Tor - und der Osnabrücker Schlussmann Lukas Jonsson ließ den harmlosen Schuss durch die Beine gleiten (15.). Ein dicker Patzer des Schweden, der die Partie aus VfL-Sicht in die völlig falsche Richtung kippen ließ - denn schon im nächsten Angriff traf Verl erneut.

Der SCV überspielte das Osnabrücker Pressing mustergültig und plötzlich lief Rechtsverteidiger Oualid Mhamdi frei auf Jonsson zu und drosch den Ball ohne Zögern ins lange Eck (19.). Gleich zwei kalte Duschen für die Lila-Weißen, die allerdings schnell die Chance bekamen, zurückzuschlagen. Bjarke Jacobsen erwischte eine Ecke von Patrick Kammerbauer aber nur leicht, sodass der Ball knapp am Tor vorbeizischte (23.).

Während Verl endgültig den Spaß am Spiel fand, dabei aber zeitweise zu lässig agierte, hatte der VfL zu kämpfen, um zurück ins Spiel zu finden. Das hohe Pressing griff zu selten, sodass die Gastgeber oft die Gelegenheit hatten, ihre Qualitäten im Ballvortrag auszuspielen - und selbst fehlten im Ballbesitz die Genauigkeit und Zielstrebigkeit, um die sich durchaus bietenden Räume konsequent zu nutzen.

So richtig gleichwertig wurde der VfL so nicht - im Gegenteil: Nach einer starken Freistoßvariante hatte Taz zogar die Großchance aufs dritte Tor, scheiterte mit einem zu schwachen Abschluss aber an Jonsson (41.). Die Osnabrücker hatten die Pause bitter nötig.

Schultz reagierte zum Seitenwechsel - und zwar etwas ungewöhnlich: Kai Pröger kam für Kevin Schumacher, spielte fortan auf der rechten Seite und Kammerbauer wechselte auf links. Der VfL kam durchaus mit mehr Energie aus der Kabine und hatte durch Meißners Volleyschuss die erste gute Gelegenheit. SCV-Torwart Schulze parierte den Abschluss aus 16 Metern (52.).

Vier Minuten später war der Anschluss geschafft: Kehl und Meißner sicherten gemeinsam einen langen Ball, Kehl spielte schließlich steil auf Kopacz, der von halbrechts flach abzog - Schulze war noch dran, aber der Ball kullerte ins Netz zum 1:2. Der VfL lief nun konstant weit vorne an, die Verler zeigten sich davon aber völlig unbeeindruckt und spielten weiter jeden Ball flach hinten raus.

So wie beim dritten Tor vom erst kurz zuvor eingewechselten Jonas Arweiler. Der 28-Jährige bekam einen überragenden Steilpass von Besio, ließ Niklas Wiemann aussteigen und schoss unten links ein (63.). Ein toller Treffer - zum für die Osnabrücker ungünstigsten Zeitpunkt. Und wieder wurde es ein Verler Doppelschlag: Die nächste Kombination über Besio landete erneut bei Arweiler, weil Robin Fabinski das Abseits wohl aufhob. Arweiler blieb cool und schloss ins kurze Eck ab zum 1:4 (65.).

Nach diesem Tor fand der VfL im Grunde nicht mehr statt, auch wenn er sich bemühte, das Verler Kombinationsspiel einzudämmen. Im Gegenzug hatten die Gastgeber noch diverse Möglichkeiten, das Ergebnis noch höher zu schrauben, ließen diese aber aus. Weil zudem noch Kapitän Jannik Müller seine fünfte Gelbe Karte sah und kommende Woche gegen Wehen Wiesbaden (Samstag, 14 Uhr) gesperrt ist, wurde es zu einem völlig gebrauchten Abend für den VfL, der nach dieser - auch in der Höhe gerechten - Niederlage auf den fünften Rang abgerutscht ist.

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