Osnabrück „Kann nicht am Fach liegen“: Wie die Osnabrückerin Julia Oswald Professorin des Jahres wurde
Nun hat sie es schriftlich: Die Osnabrückerin Julia Oswald ist Professorin des Jahres. Bei der Preisübergabe zeichneten Jury und Hochschulleitung nach, was Oswalds Lehre so besonders macht.
Seit Freitag (28. November 2025) kann sich Julia Oswald ganz offiziell den Titel „Professorin des Jahres 2025“ ans Revers heften. Im feierlichen Rahmen erhielt sie den Preis der in Bochum ansässigen Unicum-Stiftung. Zum wiederholten Male ging die Auszeichnung an die Hochschule Osnabrück – diesmal an eine Wissenschaftlerin, die Lehre und Studentenbetreuung stark an die Gegebenheit der Praxis ausrichtet.
Das betonte etwa Ulrich Radtke, Vorsitzender der Jury, die bei der Unicum-Stiftung über die Vergabe des Preises entscheidet. Oswald sei sehr engagiert, ihre Studierenden früh auf ihr Arbeitsumfeld vorzubereiten und in ihrer Lehre stets nah an Debatten und Entwicklungen in der Praxis zu sein. Oswalds Einsatz gehe weit über das normale Maß hinaus, erklärte Radtke. Eine Feststellung, die sich auf Aussagen aktueller und früherer Studenten Oswalds stützt. Deren Urteil nämlich ist einer von mehreren Bausteinen, auf deren Grundlage die Jury ihre Wahl trifft.
Hochschulpräsident Alexander Schmehmann rückte in einer Ansprache Oswalds Kompetenz als Lehrperson in den Fokus. In der Wissenschaft seien Publizieren und Forschen oft die relevanten Faktoren, mittels derer Professoren sich Reputation aufbauten. Die Aufgabe des Lehrens werde dabei oft vernachlässigt. Dabei sei es die Lehre, mittels derer die Hochschulen am stärksten in der Gesellschaft wirken könnten. „Der größte Hebel, den wir haben, sind die Absolventen, die uns verlassen“, sagte Schmehmann. Es sei daher schön, dass Oswald einen Preis erhalte, der den Einsatz für die Lernenden sichtbar mache.
Oswald stehe für „Exzellenz in der Lehre“ und sei eine Kollegin „wie Sternenstaub, das gibt es ganz selten“, sagte Andrea Braun von Reinersdorff. Die Dekanin der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, der Oswald zugeordnet ist, lobte besonders die Innovationsfähigkeit der Ausgezeichneten. „Du findest immer neue Formate der Vernetzung mit Unternehmen und Arbeitgebern“, betonte sie.
Oswald selbst blickte angesichts der Preisverleihung zurück auf eine wissenschaftliche Karriere, die fast genau 20 Jahre zuvor an gleicher Stelle begann: 2006 erhielt sie ihren Abschluss in dem Studiengang, den sie heute selbst unterrichtet: Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Krankenhausmanagement. „Am Fach selbst kann es eigentlich nicht liegen“, kommentierte Oswald ihre Auszeichnung trocken und betonte: Sie sei besonders gerührt, dass die Rückmeldungen von Alumni und gegenwärtigen Studierenden ihres Faches zur Auszeichnung geführt hätten.
„Es ist mein Anspruch, sie darauf vorzubereiten, den Weg gehen zu können, der zu ihnen passt“, sagte Oswald. Sie betonte zudem: Hinter ihrer Arbeit stünde die Unterstützung zahlreicher Kollegen. „Einen Preis gewinnt man nie allein, es sind Strukturen, Rahmenbedingungen und die Menschen dahinter, die ihn ermöglichen.“
Die Auszeichnung „Professor des Jahres“ zeichnet seit 2006 jährlich Wissenschaftler aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften/Jura, Ingenieurswissenschaften/Informatik, Naturwissenschaften/Medizin und Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften.
Oswald ist bereits die siebte Wissenschaftlerin der Hochschule, die den Preis erhielt. Wirtschaftspsychologe Uwe Kanning erhielt die Auszeichnung 2016 in der Kategorie Naturwissenschaften/Medizin, nachdem er 2015 bereits Dritter geworden war.
2022 holte Dirk Sauer, Professor für Produktions- und Fertigungstechnik, den Titel in der Kategorie Ingenieurwissenschaften/Informatik. Seine Kollegen Heiner Westendarp (Medizin/Naturwissenschaften) und Christof Radewagen (Geistes-/Gesellschafts-/Kulturwissenschaften) wurden jeweils Zweite. 2024 wurde BWL-Professor Frank Balsliemke ebenfalls Zweiter in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften/Jura.