Osnabrück Schauspieler Max Riemelt über Venedig: „Wie ein Labyrinth für Laborratten“
Im ARD-Fernsehfilm „Spurlos in Venedig“ spielt Max Riemelt einen Ex-Elitesoldaten, der in Venedig mit der Mafia und seinem eigenen Trauma kämpft. Wir haben mit ihm über die Lagunenstadt gesprochen – und über Erlösung. Ein Kurz-Interview.
Frage: In „Spurlos in Venedig“ spielen Sie einen Ex-Elite-Soldaten und hantieren viel mit Waffen. Wie übt man das?
Antwort: Auf solche Rollen werden wir speziell vorbereitet. Natürlich ist das keine Ausbildung wie bei der Bundeswehr, es geht nur um Routinen. Wir sollen so aussehen, als ob wir es könnten – und das kann ich mittlerweile. Das ist das Geschenk an meinem Job: Man sammelt Erfahrungen, die man im echten Leben nie machen würde.
Frage: Haben Sie militärische Erfahrung, etwa als Wehrdienstleistender?
Antwort: Nein. Ich habe damals als Pazifist den Kriegsdienst verweigert.
Frage: „Spurlos in Venedig” spielt, wie der Name sagt, in Venedig. Die Stadt ist fast ein Hauptdarsteller in dem Film. Ist sie für Sie ein Sehnsuchtsort?
Antwort: Gar nicht. Ich fand es spannend, dort zu arbeiten, habe aber schnell gemerkt, wie anstrengend diese Stadt ist. Ich habe mich manchmal wie in einem Labyrinth für Laborratten gefühlt. Die Menschenmassen rennen durch die Gassen, nur um schnell ein Foto zu machen. Es ist zwar wunderschön, aber auch so, als würde man in einem überfüllten Freilichtmuseum wohnen.
Frage: Sie klingen desillusioniert.
Antwort: Es ist beeindruckend, wie viel Geschichte dort versammelt ist, aber die Industrialisierung des Tourismus hinterlässt Spuren – an der Stadt und den Bewohnern. Wenn man hinter die Fassaden schaut, sieht man die Abnutzung. Man kann dort kaum einen Kaffee genießen, ohne dass hundert Leute vor einem stehen. Es war eine tolle Erfahrung, das mal zu sehen, aber für mich reicht es dann auch.
Frage: Im Film geht es um Schuld und Erlösung. Wovon möchten Sie erlöst werden?
Antwort: Ich behalte Privates lieber für mich. Ich finde diesen Punkt essenziell: Ein Schauspieler muss immer ein gewisses Mysterium bewahren, um in seinen Rollen glaubhaft zu bleiben. Wer sein Privatleben verkauft – was ja durch Social Media immer häufiger passiert –, verliert diesen Zauber. Ich verstehe das nicht, aber das muss jeder selber wissen.
Frage: Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie nicht Schauspieler wären?
Antwort: Ich glaube, etwas Handwerkliches, vielleicht Tischler. Es ist schön, am Ende des Tages ein Ergebnis zu sehen. Aber das ist sehr hypothetisch. Es ist ein großes Privileg, etwas gefunden zu haben, das einem Spaß macht und womit man seinen Lebensunterhalt verdienen kann.
„Spurlos in Venedig“ läuft am 6. Dezember (Samstag) um 20.15 Uhr im Ersten, ab 4. Dezember (Donnerstag) in der ARD-Mediathek.