Neuer Delft Emden Jetzt wird auch noch der Bunker bebaut
Nach 20 Jahren Bauzeit wird ein Emder Viertel vollendet – mit einem besonderen Projekt. So viel wird das Wohnen im Bunker am Neuen Delft kosten.
Emden - Das junge Emder Viertel „Neuer Delft“ wird nochmals ein Stück größer. Jetzt wird auch noch der Luftschutzbunker am Kopf der Friedrich-Ebert-Straße bebaut. 18 Wohnungen in exklusiver Lage versprechen Bauherr Paul Stein und der Vermarkter, die Emder Bau- und Boden GmbH (EBB) als Tochter der Sparkasse Emden. Baustart ist im Frühjahr 2026. Mit dem Erstbezug wird im Herbst 2027 gerechnet.
Damit ist es dann genau 20 Jahre her, dass mit der Erschließung des Baugebiets Neuer Delft begonnen wurde. Die EBB hatte das seinerzeit brachliegende Bahngelände mit dem gesamten Altbestand gekauft. Es folgte ein städtebaulicher Wettbewerb. Danach wurde das Areal von Altlasten befreit, die Grundstücke wurden parzelliert. Zwischen dem ehemaligen Südbahnhof und der Blauen Brücke entstanden am Delft-Stichkanal sukzessive Mehrparteienhäuser. Außerdem wurden viele Einzelgrundstücke mit Einfamilienhäusern bebaut. „Wir haben einen neuen Stadtteil geschaffen“, sagten EBB-Makler Bodo Diekmann und Diplom-Ingenieur Paul Stein jetzt im Pressegespräch zum neuen Projekt, das den Abschluss des Baugebiets bilden soll. Mehr Möglichkeiten gebe es dort dann nicht mehr.
Nach dem „Speicher“ folgt „Tectum“
Schon der Großteil der Mehrparteienhäuser am Neuen Delft wurde vom Emder Planungsbüro Paul Stein gestaltet. Das war schon von Beginn an maßgeblich dabei, als die ersten Kapitänshäuser am Stichkanal gebaut wurden. Fast alle sind Neubauten. Die Sanierung und Aufstockung des alten Zollspeichers zum „Speicher 60“ ist dagegen ein Paradebeispiel für Bauen im Bestand. Zuletzt hat Paul Stein das „Additiv“ neben dem Speicher fertiggestellt. Jetzt folgt „Tectum“ (lateinisch für Dach oder Zelt), so der Name des Bunkerausbauprojekts.
Erfahrung hat der Diplom-Ingenieur in der Ausgestaltung von Bestandsbauten also auch. Der Luftschutzbunker aus dem Jahr 1943/44 sei aber noch einmal eine besondere Herausforderung, wie Paul Stein im Pressegespräch erklärte. 2,50 Meter stark sind die Wände des Weltkriegsrelikts, das Stein vor fünf Jahren von der Sparkasse gekauft hat. „Es ist die Massivität des Baus“, sagte Stein. „Man muss bei allem sehen, was wirtschaftlich noch realisierbar ist.“
Bunker ist denkmalgeschützt
Ein Faktor bei der Planung ist die aufwendige Abstimmung mit den Baubehörden. Das Bauwerk aus dem Zweiten Weltkrieg ist denkmalgeschützt. Der kubusartige Charakter des 13 Meter hohen Betonklotzes darf nicht verändert werden. Gleichzeitig soll aller denkbarer Komfort in das Gebäude einziehen, von der Barrierefreiheit mit Aufzug bis zum großen Außenbalkon mit Blick über die halbe Stadt.
Und so entstand folgende Planung: Auf den Bunker werden zwei Geschosse in Holzrahmenbauweise aufgesetzt und das Gebäude damit auf fast 20 Meter erhöht. In südlicher Ausrichtung erfolgt ein Anbau mit vier Geschossen. Balkone und Terrassen werden in Loggia-Art ausgebildet, weil nichts über den Kubus auskragen soll. Der Bunker dient als stabiles Fundament. Im Bunker sollen Treppenhaus und Aufzug, Abstellräume, möglicherweise Platz für Sauna und Fitness geschaffen werden sowie Nebenräume für die Haustechnik. Im Erdgeschoss des Bunkers ist seit langem auch das Blockheizkraftwerk untergebracht, das den Neuen Delft mit Fernwärme versorgt. Das bleibe vom neuen Bauvorhaben unberührt, wenngleich die neuen Bunkerwohnungen mit Wärmepumpen beheizt werden sollen.
Mehrere Tausend Euro pro Quadratmeter
Die neuen Wohnungen werden zwischen 57 und 144 Quadratmeter groß sein und über zwei bis vier Zimmer verfügen. Die Ausgestaltung ist hochwertig geplant und noch variabel. Ein erster Kaufabschluss sei schon beurkundet, wie Bodo Diekmann sagte. Weitere Interessenten seien schon auf der Reservierungsliste vorgemerkt – trotz der aufgerufenen Preise.
Zwischen 280.000 und 667.000 Euro kosten die Wohnungen, also zwischen 4000 und 5000 Euro auf den Quadratmeter. Für diese Bau-Qualität und Wertigkeit samt hohem Energiestandard seien das normale Kaufpreise, wie Stein erläuterte. Sie orientierten sich zu 90 Prozent an den Herstellungskosten und seien noch weit von dem entfernt, was man auf den Inseln oder in Großstädten wie Hamburg aufrufen könne. Zudem gebe es für einen Teil der Wohnungen KfW-Zuschüsse aus dem Denkmal-Programm oder zur Förderung des Niedrigeffizienzhauses.
Wohnen am Wasser lockt
Wer sich eine der oberen Wohnungen leisten kann, erhält dafür einen Überblick über halb Emden, vom Delft bis über die Wallanlagen. Und auch wenn das Bunkerbau-Projekt ein Stück weit vom Binnenhafen entfernt liegt, gilt es damit noch als „Wohnen am Wasser“. Diese Lagebeschreibung allein hat schon maßgeblich zum Erfolg des Bauviertels Neuer Delft beigetragen. Es gibt dort keine Leerstände. Und sie werden auch im „Tectum“ nicht erwartet.
Mit dem neuen Projekt sind alle Flächen am Neuen Delft bebaut, nicht nur gewöhnliche Grundstücke, sondern auch Baudenkmale wie der Zollspeicher und der Weltkriegsbunker. Bauherr Paul Stein könnte sich im Anschluss an den nächsten Bunker aus seinem Besitz kümmern. Es ist der Bunker am alten Binnenhafen zwischen Verwaltungsgebäude III und den großen Kapitänshäusern. Dass Wohnen im Bunker beliebt ist, zeigen auch andere Beispiele in Emden wie der Schmetterlingsbunker, das Appartementhaus am Falderndelft oder der Bunker in der Boltentorstraße.