Augsburg Logistik-Wahnsinn auf dem Weihnachtsmarkt: 450-Kilo-Poller werden 64 Mal pro Stunde verschoben
Auf dem Augsburger Christkindlesmarkt müssen mobile Poller 64 Mal pro Stunde bewegt werden, damit der Nahverkehr passieren kann. Der enorme Aufwand kostet Tausende Euro. Ist das wirklich der beste Weg?
Statt mit besinnlicher Weihnachtsstimmung sorgt der traditionsreiche Christkindlesmarkt in Augsburg in diesem Jahr vor allem mit einem logistischen Extremfall für Aufmerksamkeit. Um die Sicherheit der Besucher vor Anschlägen mit Fahrzeugen zu gewährleisten und gleichzeitig den öffentlichen Nahverkehr aufrechtzuerhalten, haben sich die Verantwortlichen ein ganz besonderes Konzept ausgedacht.
Mobile, 450 Kilogramm schwere Poller dienen als Absperrung für die Zufahrten zum Weihnachtsmarkt in der Maximilianstraße – allerdings werden genau diese Zufahrten auch von der Straßenbahn genutzt.
Für jede durchfahrende Straßenbahn müssen die massiven Poller von Sicherheitskräften per Hand mit einem Hubwagen zur Seite geschoben und danach wieder zurückgestellt werden. Laut der „Augsburger Zeitung“ sind dafür pro Tag sieben Angestellte einer Sicherheitsfirma von Beginn bis zur Schließung des Marktes im Einsatz.
Die Frequenz dieses Vorgangs ist beträchtlich: Da die Straßenbahnlinien 1 und 2 den Rathausplatz im 7,5-Minuten-Takt passieren, müssen die Poller während der Hauptverkehrszeiten insgesamt 64 Mal pro Stunde hin- und wieder zurückbewegt werden, so die „Augsburger Allgemeine“.
Die Polizei, die für die Sicherheit des Marktes verantwortlich ist, betonte gegenüber der „Bild“-Zeitung, dass die Sperren nicht dauerhaft offen stünden. Man versicherte, dass die Betonpoller im Ernstfall schnell wieder positioniert werden könnten und das Sicherheitskonzept in enger Abstimmung mit der Stadt umgesetzt werde.
Ordnungsreferent Frank Pintsch (CSU) hält den besonderen Aufwand, dessen Kosten die Stadt laut der Nachrichtenseite „inFranken.de“ im mittleren fünfstelligen Bereich beziffert, für vertretbar. Pintsch erklärte, dass dies der Weg sei, um einen „einerseits sicheren und andererseits attraktiven, nicht mit Betonsperren verbauten Christkindlesmarkt“ zu ermöglichen und gleichzeitig die Weiterfahrt der zwei Hauptlinien des Nahverkehrs zu sichern. Das Thema habe durch den Anschlag im Dezember 2024 auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt, bei dem sechs Menschen starben, an Dynamik gewonnen.
Ein System mit fest installierten, versenkbaren Pollern wäre laut Pintsch zwar möglich, aber deutlich kostspieliger gewesen und hätte inklusive der erforderlichen Erdarbeiten rund fünf Millionen Euro gekostet. Die jetzige Lösung sei daher „die beste Option“ für Augsburg, so der Ordnungsreferent gegenüber der „Bild“-Zeitung.
Der Augsburger Christkindlesmarkt ist einer der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands. Seit 1949 trägt er seinen offizeillen Namen, die Ursprünge des Marktes reichen aber bis ins 15. Jahrhundert zurück.