Osnabrück  Die Fragen bleiben: Orange Bank erinnert nun an Femizid im Osnabrücker Stadtteil Schinkel-Ost

Markus Pöhlking
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Von Markus Pöhlking
| 28.11.2025 10:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Bank als Mahnmal: Sie erinnert nun im Schinkel an den gewaltsamen Tod einer dreifachen Mutter durch ihren Ex-Partner. Foto: Foto: Lauren Rote
Eine Bank als Mahnmal: Sie erinnert nun im Schinkel an den gewaltsamen Tod einer dreifachen Mutter durch ihren Ex-Partner. Foto: Foto: Lauren Rote
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Im Juni 2025 tötete ein Mann im Stadtteil Schinkel-Ost seine Frau und dann sich selbst auf offener Straße. Am Tatort erinnert nun eine Bank an den Fall und daran, dass es beinahe täglich zu schweren Gewalttaten an Frauen kommt.

Im auffälligen, kräftigen Orange leuchtet die Bank, die seit Donnerstag (27. November 2025) an der Ecke Windthorststraße/Weberstraße steht. Sie erinnert an das Leben jener Frau, die im Juni 2025 ein paar Meter weiter von ihrem Ex-Partner getötet wurde. Und sie mahnt, weil Gewalt gegen Frauen nach wie vor ein Massenphänomen ist.

Die Bank entstand in der Werkstatt der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) in Sutthausen. Von der HHO kam auch die Initiative, sie an ihrem jetzigen Standort im Schinkel-Ost aufzustellen. Sie geht auf Johanna Riemann zurück, Frauenbeauftragte bei der HHO: „Es ist für uns ein wichtiges Thema, daher wollten wir dieses Zeichen setzen“, erklärte Riemann. Die alltägliche Gewalt gegen Frauen werde oft nicht gesehen.

In Osnabrück stehen mittlerweile mehr als 120 der orangefarbenen Bänke. Darauf wies Lidia Wübbelmann, Präsidentin des Osnabrücker Zonta Clubs, hin. Die Stadt an der Hase halte damit einen bundesweiten Rekord – was aber wohl nur bedingt ein Grund zum Feiern ist: Hintergrund ist schließlich die UN-Kampagne „Orange the World“, die auf ein gewaltfreies Leben für Frauen und Mädchen hinwirken will.

Der 25. November markiert jedes Jahr als „Orange Day“ weltweit den Auftakt zu einer Reihe von Aktionen, die das Thema zum Gegenstand haben. Sie laufen bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember.

Auch in Osnabrück gab es in den vergangenen Tagen bereits öffentlichkeitswirksame Aktionen. So waren am Dienstagabend beispielsweise viele Gebäude in der Innenstadt orange angestrahlt.

Die neue Bank im Schinkel-Ost hat unterdessen einen sehr konkreten Bezug zur Gewalt gegen Frauen: Der Femizid vom 23. Juni löste in der Stadt eine große Betroffenheit aus. Passend dazu war es ein stiller Termin ohne viele Worte, zu dem auch Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und die städtische Gleichstellungsbeauftragte Patricia Heller gekommen waren. Viele Gespräche drehten sich um die Frage, warum es beinahe täglich zu Taten wie jener in Osnabrück komme, warum niemand sie verhindere – warum etwa in Niedersachsen bei Kontaktverboten nicht längst die Fußfessel zum Einsatz komme.

Fragen, die besonders Angehörige des Opfers bis heute beschäftigen. Einige waren ebenfalls zur Aufstellung der Bank erschienen. Zelal Özdal, eine Nichte des Opfers, beklagte eine Unfähigkeit, der Gewalt einhalt zu gebieten. „Immer wieder hören wir, wie Frauen umgebracht wurden und immer wieder gab es vorher klare Warnzeichen“, sagte sie. Wieder und wieder stelle sie sich die Frage, warum ihre Tante sterben musste.

Özdal und andere Verwandte legten Blumen nieder vor der Bank und stellten ein Grablicht in den Regen. Darüber, auf der Bank, klemmten sie ein foliertes Blatt Papier in die Banklehne: Hier kam es am 23. Juni 2025 zum 49. Femizid des Jahres in Deutschland, steht darauf. Anders als der Regen, sei der nicht vom Himmel gefallen, sondern habe sich lange angebahnt – vor den Augen von Öffentlichkeit, auch von Behörden.

So ist die orange Bank für einen Moment nicht nur ein Ort des Erinnerns und der Mahnung, sondern auch der einer stillen Anklage.

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