Osnabrück „Brückengeflüster“-Podcast: Warum sich Fans und Vereine gegen die Innenminister stellen
Die Innenministerkonferenz berät Anfang Dezember in Bremen über neue Maßnahmen zur Sicherheit in Fußballstadien. Fanvertreter und Vereine kritisieren die Pläne - so wie Thomas Kessen, Sprecher des Fanverbands „Unsere Kurve“, und Markus Dörenkämper, Direktor Wirtschaft beim VfL Osnabrück, im „Brückengeflüster“-Podcast.
Vom 3. bis 5. Dezember tagt in Bremen die Innenministerkonferenz - und plant je nach Lesart massive Einschränkungen in die Fankultur, bzw. weitreichende sicherheitsfördernde Maßnahmen für den Besuch von Fußballstadien. Dazu waren im „Brückengeflüster“-Podcast Markus Dörenkämper, Direktor Wirtschaft beim VfL Osnabrück, und VfL-Anhänger Thomas Kessen, Sprecher der bundesweit agierenden Interessensvertretung „Unsere Kurve“ zu Gast - und haben Positionen aus Fan- und Vereinsperspektive dargelegt, die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen besprochen und Stellung bezogen zu den Aussagen von Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD), die der NOZ-Sportredaktion zuvor einen Fragenkatalog zum Thema beantwortet hatte.
Kessen bezeichnete Behrens‘ Antworten dabei unter anderem als „Halbwahrheiten“ und „ausgedachte Geschichten“. Zudem habe die Ministerin keinerlei Interesse, sich mit den Fans und ihren Anliegen zu beschäftigen, geschweige denn an einen Tisch zu setzen. Die NOZ-Sportredaktion hatte auch Behrens zum Podcast eingeladen, allerdings aus terminlichen Gründen eine Absage aus Hannover erhalten.
Die geplanten Maßnahmen der Innenminister, die von der „Bund-Länder-offenen-Arbeitsgruppe“ (BLoAG) erarbeitet wurden, stoßen weder bei Kessen, noch bei Dörenkämper auf Gegenliebe. Während Kessen Einschränkungen in die Fankultur und grundsätzliche Freiheiten kritisierte, erörterte VfL-Direktor Dörenkämper vor allem den deutlich erhöhten Organisationsaufwand für die Vereine: Werden etwa alle Tickets zukünftig nur noch personalisiert verkauft, müssten die Vereine am Einlass ins Stadion entsprechend auch Kontrollen auffahren und Daten pflegen.
Klar äußerte sich Dörenkämper auch beim Vorschlag rund um Stadionverbote: Diese sollen künftig vom DFB und nicht mehr von den Vereinen verhängt werden dürfen - und zwar auch schon vorläufig, wenn nur der Verdacht einer Straftat durch einen Stadionbesucher im Raum steht, also schon vor einem etwaigen Prozess. „Was wichtig ist: Dass man es regional behält. Hier sind die handelnden Personen und die sollen darüber entscheiden, ob es um einen Sachverhalt geht, der ein Stadionverbot nach sich ziehen sollte“, sagte er. Grundsätzlich seien Gewaltakte selbstverständlich zu verurteilen und sollten auch Stadionverbote nach sich ziehen.
Kessen argumentierte vor allem gegen den Plan, dreimonatige Stadionverbote ohne einen juristischen Beschluss zu verhängen: „Es widerspricht meiner Rechtsauffassung fundamental, dass dort etwas, was als Strafe empfunden wird, ohne einen Prozess umgesetzt werden soll. Wie man auf die Idee kommt, so etwas als Innenministerin zu äußern, macht mich fassungslos.“ Grundsätzlich müsse seiner Meinung nach „eigentlich jeder Stadiongänger und jede Stadiongängerin“ gegen die geplanten Maßnahmen der Innenminister „protestieren“.