Osnabrück  Was ist fair? Osnabrücker Schüler stellen in Filmen Gerechtigkeitssinn unter Beweis

Julian Blome
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Von Julian Blome
| 30.11.2025 16:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Kamera läuft, und Action!“ hieß es einen Tag lang am Gymnasium Carolinum in Osnabrück. Foto: Jörn Martens
„Kamera läuft, und Action!“ hieß es einen Tag lang am Gymnasium Carolinum in Osnabrück. Foto: Jörn Martens
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Sich auf kreative Art und Weise mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen: Das tut aktuell die zehnte Jahrgangsstufe des Gymnasiums Carolinum in Osnabrück. Wenn Klassenzimmer zu Filmkulissen und Schüler zu Schauspielern werden – und Lehrer ausnahmsweise nur Statisten sind.

„Kamera läuft, und Action!“ hieß es an diesem Vormittag in Raum 221 des Gymnasiums Carolinum in Osnabrück. Dort, wo sonst Klassiker gelesen oder Gleichungen aufgelöst werden, herrschte zur Abwechslung ein Hauch von Hollywood. Eine Gruppe von Schülern der zehnten Klassenstufe erprobte sich mit professioneller Unterstützung in der Welt des Filmemachens.

Dass die jungen Menschen eine gewisse kreative Ader haben, wurde ihnen durch eine Fachjury schon attestiert. Als sich die Caroliner beim landesweiten Kurzfilmwettbewerb „ganz schön anders“ bewarben, schafften sie es neben 21 anderen Schulklassen in die nächste Runde. Ihre fünf eingereichten Filmideen wurden unter insgesamt 263 Einsendungen ausgewählt. Der Preis: ein kostenloser Filmworkshop. Und so kamen für einen Tag Profis vom Verein Blickwechsel nach Osnabrück, um die Schüler auf die Realisierung ihrer Filmideen vorzubereiten.

Einer dieser Profis war Tim Fischer, der an diesem Tag eine Truppe von sieben Jungs betreute. Nachdem er ihnen das technische Handwerkszeug beigebracht hatte, sollten die Schüler das theoretische Wissen in die Praxis umsetzen und eine schultypische Situation filmisch inszenieren. In einem von den Zehntklässlern spontan erdachten Klassenzimmer-Konflikt bedrängen zwei Mobber einen Mitschüler und wollen seine Hausaufgaben haben. Nachdem alles im Kasten war, mussten die Aufnahmen nur noch zurechtgeschnitten werden – und fertig war die Filmszene.

Wie aufwendig es ist, eine gerade mal 40 Sekunden lange Filmsequenz zu drehen, lernten an diesem Vormittag unter anderem Benedikt, Timm und Fjodor aus der 10e. „Ich wusste vorher nicht, wie man einen Film schneidet“, sagte Benedikt, Regisseur der Truppe. „Es ist cool, etwas zu lernen, was man davor noch nicht gemacht hat. Und dass man ein bisschen wegkommt vom normalen Unterricht“, ergänzte Timm, der den Mobber spielte. „Besser als Lateinunterricht“, meinte Fjodor.

Kunstlehrerin Janina Busch, die zu Beginn des Schuljahres durch einen Flyer auf den Filmwettbewerb aufmerksam geworden war, entdeckte ungeahntes schauspielerisches Talent in ihren Schülern. Und auch von Coach Tim Fischer gab es Lob für die Kreativität der jungen Filmemacher.

Das Motto des Kurzfilmwettbewerbs lautet „Ganz schön (un)fair“. Die Frage, was fair ist und was nicht, sei eine Frage, die in der Lebenswelt der Schüler präsent ist, erklärt Tim Fischer: „Uns war klar, dieses Jahr muss es explizit um Gerechtigkeit gehen“.

Wie man das Motto thematisiert, ist den teilnehmenden Klassen freigestellt. Die 10e des Caro hatte in den ersten Wochen des Halbjahres in Kleingruppen unterschiedliche Interpretationen des Mottos ausgearbeitet. Die entstandenen fünf Filmideen zeigen, wie vielschichtig das Thema Gerechtigkeit ist – vor allem aber, wie sensibilisiert die Teenager für ernste gesellschaftliche Probleme sind.

Eine Gruppe möchte sich mit Druck gegenüber Jugendschiedsrichtern beschäftigen, eine andere mit der Thematik Arm und Reich. Einige Schüler befassen sich mit Depression und Essstörung als Folge von Mobbing und familiärem Druck. Und wieder andere möchten ein Gerichtsdrama über die Freispruch-Problematik bei sexualisierter Gewalt verfilmen.

Die sieben Lehrlinge von Tim Fischer haben vor, einen Kurzfilm zu drehen, in dem drei Personen ihre Erfahrungen mit Diskriminierung im Alltag schildern. „Wir wollen zeigen, wie sich bestimmte Personengruppen von verschiedenen Aktionen angegriffen fühlen könnten“, sagt Fjodor, als wäre es das normalste auf der Welt.

Bis zum 15. Februar 2026 haben die Schüler Zeit, ihren maximal fünf Minuten langen Kurzfilm einzureichen. Wie genau die Jungs das Thema Diskriminierung filmisch umsetzen und „das Miteinander stärken“ wollen, wie sie selbst sagen, wissen sie schon – lassen sich aber nichts entlocken. „Das seht ihr dann“, heißt es nur.