Neue Technik eingebaut  Millimeterarbeit auf Wasserwerk-Baustelle in Siegelsum

| 26.11.2025 18:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Millimeterarbeit ist es, die Verbindung passgenau an die vorhandenen Rohre zu setzen. Foto: Sven Seebergen/Foto- und Bilderwerk
Millimeterarbeit ist es, die Verbindung passgenau an die vorhandenen Rohre zu setzen. Foto: Sven Seebergen/Foto- und Bilderwerk
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Auf der Baustelle des neuen Wasserwerks in Siegelsum wurde ein tonnenschweres Teil passgenau im Boden versenkt. Welche Funktion es hat und wie es jetzt weitergeht.

Siegelsum - Millimeterarbeit war gefragt am Neubau des Wasserwerks Marienhafe des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV). Es galt, ein sogenanntes Schieberkreuz, das zum Verschließen einer Wasserleitung dient, passgenau und gleichzeitig mit zwei Rohren zu verbinden. Der Schieber hat die Funktion eines Wasserhahns – nur, dass dieser Wasserhahn ungefähr fünf Tonnen wiegt. Kein Wunder, denn die Rohre, die er verbindet, haben einen Innendurchmesser von 800 Millimetern. Zwei Bagger und zehn Hände waren nötig, um das große Bauteil exakt zu platzieren. Projektleiter Ingo Schuster hatte mit seinem Team im Vorfeld alles genau geplant und vorbereitet. „Nur auf diese Weise kann der Einbau schnell und reibungslos funktionieren“, sagt er. Den Mitarbeitern des beauftragten Unternehmens, der Firma Post Bauunternehmen (Uplengen), gelang es in nur zwei Stunden, das Schwergewicht einzubinden.

Mitte kommenden Jahres soll das neue Wasserwerk in Siegelsum seinen Betrieb aufnehmen. Foto: Heino Hermanns/OOWV
Mitte kommenden Jahres soll das neue Wasserwerk in Siegelsum seinen Betrieb aufnehmen. Foto: Heino Hermanns/OOWV

Mit der großen Leitung werden Vorbereitungsmaßnahmen für die spätere Inbetriebnahme des neuen Wasserwerks in Siegelsum vorgenommen. Das Werk muss an die beiden Trinkwasserspeicher angebunden werden. Die beiden riesigen Behälter verfügen über ein Fassungsvermögen von insgesamt 10.000 Kubikmetern. Einer der beiden Behälter war für die Dauer des Anschlusses außer Betrieb. „Etwa zwei Wochen ist der Speicher nicht in Betrieb“, so Ingo Schuster. Die Zeit werde genutzt, um geplante Inspektionen der Behälter parallel durchzuführen. Währenddessen sorgt der zweite Behälter dafür, dass die Trinkwasserversorgung weiter zuverlässig läuft. Nach Fertigstellung der Montagearbeiten verfüllen die Arbeiter die Baugrube. Dann folgen die gleichen Arbeiten, um auch den zweiten Trinkwasserspeicher einzubinden. Somit ist dann alles vorbereitet, um das neue Wasserwerk problemlos anbinden zu können. Bis zur Inbetriebnahme bleiben die neu eingebauten Schieber aber noch geschlossen.

Herausforderungauf der Baustelle

Eine Herausforderung für alle Beteiligten auf der Baustelle war es, dass nicht auf der grünen Wiese gebaut wird. Auf dem Gelände des Wasserwerks liegen bereits zahlreiche Leitungen, die das alte Wasserwerk sowohl mit den beiden Speicherbehältern als auch mit dem Trinkwassernetz verbinden. Für die Einbindung des neuen Wasserwerks an den ersten Trinkwasserspeicher bedeutete dies, dass zunächst ein anderes Rohr tiefer gelegt (gedükert) werden musste. An einer weiteren Stelle muss die neue Trinkwasserleitung selbst gedükert und unter anderen Rohren hindurchgeführt werden. Der Untergrund des gesamten Grundstücks am Diekweg wurde daher im Vorfeld genau kartiert. „Wir haben ein 3D-Geländemodell erstellt, in dem alle Leitungen verzeichnet sind“, erklärt Schuster. Danach sei geplant worden, wo die Leitungen verlegt werden können, um das neue Wasserwerk an die bestehende Infrastruktur anzuschließen. Dabei müssen alle Leitungen, die mit dem alten Wasserwerk verbunden sind, selbstverständlich erhalten bleiben. „Wir müssen auf jeden Fall die Trinkwasserversorgung aufrechterhalten“, sagt Anlagenkoordinator Rudolf Bogena.

Fünf Tonnen wiegt das Verbindungsstück mit dem Schieber. Foto: Sven Seebergen/Foto- und Bilderwerk
Fünf Tonnen wiegt das Verbindungsstück mit dem Schieber. Foto: Sven Seebergen/Foto- und Bilderwerk

Mitte kommenden Jahres soll das neue Wasserwerk seinen Betrieb aufnehmen. Mehrere Wochen lang werden beide Wasserwerke parallel arbeiten. Denn im Neubau muss sich erst alles einspielen. Die Technik muss geprüft, Einstellungen müssen vorgenommen werden. Wasserproben werden entnommen, um sicherzugehen, dass auch alles in Ordnung ist. Erst wenn das neue Werk alle Prüfungen bestanden hat, kann das alte Wasserwerk aus dem Jahr 1958 endgültig vom Netz genommen werden. Im Grunde werden mit dem Neubau am Diekweg schließlich sogar zwei Wasserwerke betrieben, erläutert OOWV-Regionalleiter Michael Veh.

Ein deutschlandweiteinmaliges System

Denn nur die Hälfte der Wassermenge wird weiterhin über die bewährten Filtersysteme aufbereitet. Die andere Hälfte des Rohwassers wird mit einem deutschlandweit einmaligen System aufbereitet. Zum Einsatz soll die Vakuummembranentgasung kommen. Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan (CH4) werden so aus dem Wasser gefiltert. Beide Stoffe würden den weiteren Aufbereitungsprozess stören. Mit einer weiteren Membrantechnologie werden Calcium und Magnesium entfernt.

Das alte Wasserwerk am Diekweg in Siegelsum stammt aus dem Jahr 1958. Foto: Thomas Dirks
Das alte Wasserwerk am Diekweg in Siegelsum stammt aus dem Jahr 1958. Foto: Thomas Dirks

Das Wasserwerk Marienhafe ist eines von 15 Wasserwerken im Verbundnetz des OOWV. Das Werk gibt jährlich rund 3,7 Millionen Kubikmeter Wasser ab, täglich sind es zwischen 10.000 und 11.000 Kubikmeter. Das vom Landkreis Aurich genehmigte Wasserrecht beträgt 4,5 Millionen Kubikmeter Wasser. Mit dem neuen Wasserwerk wird sich an der Menge nichts ändern. Von Siegelsum aus werden die Gemeinden Brookmerland, Großheide, Dornum, Krummhörn, Hinte und Südbrookmerland mit Trinkwasser versorgt. Auch Teile von Emden, Norden und Hage bekommen ihr Wasser von dort.

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