Osnabrück Hotellerie im Vergleich: „Betten-Battle“ zwischen Osnabrück, Oldenburg, Bielefeld und Münster
Osnabrück hat mehr Betten als Oldenburg und Bielefeld – doch bei der Auslastung liegt Oldenburg vorne. Münster wiederum schüttelt die Kopfkissen in einer weit überlegenen Liga auf. Ein Blick auf Zahlen, Besonderheiten und Trends der Hotelmärkte im Nordwesten.
Ob auf dem Fußballplatz oder bei der Einwohnerzahl, im Städtevergleich zwischen Osnabrück, Oldenburg, Bielefeld und Münster gibt es viele Parallelen, aber auch Rivalitäten und Konkurrenz – bei aller Freundschaft. Hier geht es um die Hotellerie, ein „Betten-Battle“ (Stand 2024) bei dem Osnabrück mit der Anzahl der Betriebe punktet, Oldenburg mit der Auslastung weiter vorne liegt und Münster mit über 10.000 Betten entspannt auf die Bemühungen der Nachbarn herabblicken kann.
Osnabrück verfügt über 37 Betriebe, in Oldenburg sind es zehn. Ebenso eindeutig, der Abstand bei den Hotelbetten: Osnabrück 3400, Oldenburg 1000. Dennoch liegt Oldenburg in Sachen Auslastung wieder einmal im Vergleich zu Osnabrück vorne: 43,4 Prozent gegenüber 41,4 Prozent in der Hasestadt.
Knapp, aber doch eindeutig. Gut, dass es Bielefeld gibt. In der ostwestfälischen Nachbarstadt sind es 20 Beherbergungsbetriebe, rund 700 Betten stehen zur Verfügung. Die Auslastung liegt bei knapp 40 Prozent. In allen drei Vergleichen liegt Osnabrück vor Bielefeld.
Mit 86 Betrieben und nahezu 10.000 Betten liegt Münster mit Abstand an der Spitze des Vergleichs. Und auch die Auslastung ist mit 51 Prozent am größten. „Münster profitiert bei der Auslastung unter anderem von überregional bedeutenden Schulungsheimen, zum Beispiel die deutsche Hochschule der Polizei“, erklärt Petra Rosenbach, Geschäftsführerin der Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land auf Nachfrage der Redaktion. „Weiterbildungen dauern in der Regel länger, als der Aufenthalt eines Geschäftsreisenden“, weiß Rosenbach.
Um die prozentuale Auslastung besser einzuordnen, weist Rosenbach darauf hin, dass das niedersächsische Landesamt für Statistik Betten erfasst, der Hotelier aber Zimmern zählt. Auf dieser Bemessungsgrundlage würde die Auslastung entsprechend nach oben gehen, weil die Zimmer in der Regel mit Doppelbetten ausgestattet sind. Für Osnabrück entspreche das nach Rosenbach einer Auslastung von 70 bis 80 Prozent. „Die Statistik ist da durchaus verbesserungswürdig“, sagt Rosenbach.
Alle vier sind Universitätsstädte mit einem großen Anteil an Studenten, was das Stadtbild und auch das kulturelle Leben prägt. Ein wichtiger Standortfaktor für den Tourismus ist ein breites Angebot an Museen und Theatern, das allen Städten gemeinsam ist. Womit bewerben sich die vier Städte indes auf ihren digitalen Visitenkarten im Internet bei potenziellen Besuchern und Reisenden? Was sind ihre „Alleinstellungsmerkmale“ auf der touristischen Landkarte?
Münster nimmt für sich in Anspruch, „die lebenswerteste Stadt der Welt“ zu sein. Dafür sprächen unter anderem das städtische „Fahrradparadies“ und die mehr als 1200-jährige Geschichte der Großstadt. Ein Wahrzeichen ist der Prinzipalmarkt mit seinen Giebelhäusern in der Innenstadt – und dort in der City – locke selbstverständlich ein vielfältiges Einkaufsangebot.
Auch die Oldenburger legen Wert darauf zu betonen, dass in der Stadt viel Fahrrad gefahren wird. Indes wirkt die Ansprache mit einem knappen „Moin“ weitaus bescheidener als die von Münster. Oldenburg gilt als attraktive Einkaufsstadt mit einer der längsten Fußgängerzonen Deutschlands. Die Stadt steht für entspanntes norddeutsches Flair und gilt als guter Ausgangspunkt für Ausflüge an die Nordseeküste.
Bielefeld stellt seine Nähe zum Teutoburger Wald als touristisches Merkmal heraus. Wandern, die Sparrenburg und Shoppen sind wichtige Punkte, die die Menschen anziehen und zu einem Besuch animieren sollen.
Und Osnabrück?: Ebenso wie Münster punktet die Stadt mit Historie und dem Westfälischen Frieden. Willkommen heißen will die Stadt ihre Besucher in der historischen Altstadt und auf dem Marktplatz. Zwischen Teutoburger Wald, Emsland und Münsterland „entwickelt sich Osnabrück zum Drehkreuz für Radtouren“, so Rosenbach. Und auch das Einkaufserlebnis spielt bei der touristischen Vermarktung eine wichtige Rolle.
Die touristischen Highlights sind aber nur die halbe Miete, wenn es darum geht, Gäste in die Hotelbetten zu bekommen. Weniger noch, zumindest in Osnabrück sind es nur um die 20 Prozent, rund 80 Prozent kommen aus geschäftlichen Gründen, denkt Rosenbach – genaue Zahlen liegen hierzu noch nicht vor.
„Zunehmend etabliert sich Osnabrück auch als Tagungsstandort“, so Rosenbach. Eine wichtige Rolle nehmen Universität und Hochschule ein. „Sie sind die Treiber und holen viele Fachkongresse in die Stadt, von Medizin, über Agrarwissenschaft bis Bildung“, ergänzt Stephan Gerecht von der Marketing Osnabrück GmbH (MO).
Im Sommer 2025 wurde gemeinsam von MO und TOL das Osnabrück Convention Bureau (OCB) ins Leben gerufen. Zum OCB gehört ein Kongresslotse, der aktiv in die Akquise geht auf Messen und Netzwerktreffen, um Veranstaltungen nach Osnabrück zu holen.
Vorteilhaft für Osnabrück sei zudem die gute zentrale Bahnanbindung aus (Hamburg–Köln / Amsterdam–Berlin). „Thematisch punktet Osnabrück vor allem bei den Themen Nachhaltigkeit und Frieden“ so Gerecht, „und einem guten Preis-/Leistungsverhältnis, das oftmals günstiger ist als in Münster.“