Osnabrück Probenzentrum in der Herz-Jesu-Kirche? Warum das eine geniale Idee ist
Letzte Woche hat Stadtbaurat Thimo Weitemeier die Idee präsentiert, die Herz-Jesu-Kirche zum Probenzentrum fürs Theater zu machen. Das könnte die Sanierung des Theaters am Domhof entscheidend voranbringen.
Um die Theatersanierung war es still geworden. Zwar existiert seit ein paar Jahren der Wunsch nach einem Proben- und Werkstattzentrum am Limberg. Aber auch da geht gefühlt wenig vorwärts, und als Smalltalk-Thema mit Politikern, Vertretern der Verwaltung und des Theaters rangiert die Sanierung auf der Beliebtheitsskala gleich hinter eingewachsenen Zehennägeln.
Was indes nicht stillsteht, sind die Kosten: Die galoppieren munter davon, obwohl sich das ganze Projekt erst im Planungsstadium befindet. 40 Millionen Euro waren mal für Proben- und Werkstattzentrum veranschlagt; sind aber längst nicht mehr haltbar. Gleichzeitig stehen nur begrenzte Drittmittel in Aussicht, was wiederum heißt: Der Anteil, den die Stadt selbst aufbringen muss, steigt ebenfalls permanent. Andererseits bestreitet niemand die Dringlichkeit der Sanierung. Und mal abgesehen davon, dass dem Haus am Domhof womöglich in einer nicht allzu fernen Zukunft der Entzug der Betriebserlaubnis droht: Je länger die Stadt wartet, desto teurer wird es. Schon jetzt spricht niemand mehr von den 80 Millionen Euro, die veranschlagt worden waren, als Stadt und Theater 2018 mit den Sanierungsplänen an die Öffentlichkeit gingen. Heute spricht man von deutlich über 100 Millionen Euro.
In dieser Situation kommt gewissermaßen ein Deus ex machina: Im Theater ist das die Gottheit, die eingfreift, wenn sich die Entwicklungen so verknotet haben, dass nichts mehr geht. Hier kommt die Lösung von oben in Form des Bistums Osnabrück. Das hat eine profanierte Kirche übrig und muss zudem einen Kindergarten renovieren. Gleichzeitig sitzt das Geld auch beim Bistum nicht mehr so locker wie früher – deshalb kamen die Kirchenmänner auf die Stadt zu, um gemeinsame Lösung zu suchen. Und da hatte jemand einen Geistesblitz: Warum sollte die Herz-Jesu-Kirche nicht zum Probenzentrum fürs Theater werden?
Das hätte entscheidende Vorteile gegenüber der Lösung am Limberg:
Auf die Frage, wer die Idee hatte, druckst Stadtbaurat Thimo Weitemeier ein bisschen herum – er möchte da nicht so sehr im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Das ist aber letztlich auch egal; entscheidend ist: Weitemeiers Kalkül könnte aufgehen.
Dafür hat er das Werkstattzentrum erst einmal aus den Überlegungen ausgeklammert und auf die Warteliste gesetzt. Außerdem gibt es ungeklärte Fragen: Was passiert mit dem Kindergarten der Herz-Jesu-Kirche? Und was kostet es die Stadt, dem Bistum das Gelände abzukaufen?
Doch ein Quartier für einen Kindergarten findet sich leichter als ein Areal für einen Theaterstandort. Und das Bistum hat Kooperationsbereitschaft signalisiert – schließlich müsste es sich nicht länger um die Instandhaltung der denkmalgeschützten ehemaligen Kirche kümmern.
Weitemeier möchte deshalb die Idee vom Herz-Jesu-Probenzentrum unbedingt in die Wirklichkeit umsetzen; das war deutlich zu spüren, als er die Pläne jüngst zunächst vor der Presse und später vor dem Kulturausschuss skizziert hat. Damit kehrt die Euphorie in das Projekt Theatersanierung zurück – und die ist dringend nötig. Theatersanierung könnte wieder zum spannenden Thema aufsteigen, für Smalltalks ebenso wie für leidenschaftliche Diskussionen.