Osnabrück  Heger Tor beschmiert: Rausmetall protestiert gegen Aufrüstung in Osnabrück

Bernhard Brockhaus
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Von Bernhard Brockhaus
| 26.11.2025 08:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Kriegsdenkmal Heger Tor in Osnabrück ist von der Aktivistengruppe „Rausmetall“ beschmiert worden. Foto: Bernhard Brockhaus
Das Kriegsdenkmal Heger Tor in Osnabrück ist von der Aktivistengruppe „Rausmetall“ beschmiert worden. Foto: Bernhard Brockhaus
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Unbekannte haben in der vergangenen Nacht das Heger Tor beschmiert – verantwortlich zeichnet sich die Aktivistengruppe Rausmetall. Mit schwarzer und weißer Farbe fordern sie: keine Panzer-Produktion in Osnabrück.

Die Aktivistengruppe Rausmetall hat in der vergangenen Nacht das Osnabrücker Heger Tor bemalt. Auf weißer Farbe steht dort in schwarzer Schrift: „Kriegstüchtig? Nicht mit uns. Rausmetall.org“. Die betroffene Fläche umfasst etwa zehn Meter in der Länge und 1,5 Meter in der Höhe. Zunächst hieß es, die Aktivisten hätten dort ein Banner aufgehängt.

Mit der Protestaktion auf dem Denkmal für gefallene Soldaten aus Osnabrück in der Schlacht bei Waterloo spricht sich die Gruppe gegen militärische Aufrüstung aus. Die Friedensstadt Osnabrück dürfe keine Panzer produzieren und gleichzeitig Friedenspreise verleihen, fordern die Aktivisten auf ihrer Website und weisen damit auf das VW-Werk im Fledder hin, für das der Konzern derzeit nach Zukunftsperspektiven sucht. Ob das Rüstungsunternehmen Rheinmetall den Standort übernimmt, ist allerdings unklar. Bisher steht lediglich eine mögliche Kooperation zwischen VW und Rheinmetall in Osnabrück im Raum.

Rausmetall fordert im Werk statt Militärgerät Kleinbusse oder Straßenbahnen zu bauen. So könne die Krise der deutschen Automobilindustrie eine Chance für Transformation in der Wirtschaft sein, „die allen Menschen und nicht nur den Profiten der Kriegsverdiener nutzt.“

Die Stadt Osnabrück hat unterdessen eine Fachfirma „mit der Schadenaufnahme“ am Heger Tor beauftragt, bestätigte ein Pressesprecher auf Anfrage der Redaktion. Was es konkret kosten wird, die Farbe zu entfernen, sei derzeit noch nicht absehbar. Da es sich um alten Stein und ein Denkmal handele, brauche es dafür jedoch Spezialisten. Günstig dürfte es also nicht werden. Derzeit werde außerdem geprüft, ob die „Schmiererei“ bis zur Entfernung verkehrssicher abgedeckt werden könne.

Die Verwaltung werde daher auch Strafanzeige in der Sache stellen. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) verurteilt die „illegale Protestaktion“ aufs Schärfste. Das Heger Tor sei ein kulturelles Wahrzeichen der Stadt Osnabrück, dessen Verunstaltung ein „Schaden an der Allgemeinheit“ darstelle und dementsprechend geahndet werden müsse.

Diese Form von Protest passe nicht zur Friedensstadt: „Wir reden und streiten hier auf Augenhöhe und agieren nicht aus der Anonymität heraus. Sachbeschädigung wie jetzt am Heger Tor und Falschinformationen wie zuletzt bei den Fake-Flyern zur Bombenräumung am 9. November kann und wird die Stadt Osnabrück nicht akzeptieren“, so Pötter.

Seit Monaten demonstrieren die Aktivisten gegen eine mögliche Beteiligung des Rüstungskonzerns Rheinmetall am VW-Werk in Osnabrück. Dabei setzt die Gruppe auf provokante Aktionen. Immer wieder bewegt sie sich dabei am Rand der Legalität – oder darüber hinaus.

So wurden etwa Straßenschilder mit militärischen Namen überklebt. Wegen eines gefälschten Flyers der Stadt, der vermeintlich gegen die Rheinmetall-Übernahme und für eine zivile Nutzung außerhalb der Autoindustrie warb, ermitteln die Behörden. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, deren Name und Unterschrift auf den Flyern stand, hatte damals auch persönlich Anzeige gegen die Urheber erstattet.

Vor der letzten Bombenräumung tauchten zudem täuschend echt gestaltete Informationsbriefe im Evakuierungsgebiet auf. In dem Schreiben war von „Sondierungsarbeiten zum Operationsplan Fledder“ die Rede. Das Layout ähnelte offiziellen Briefen der Stadt – wieder wurde das Stadtlogo verwendet. Weder zur Flyer-Aktion, noch zum Informationsbrief vor der Evakuierung haben sich die Aktivisten von Rausmetall explizit bekannt.

Laut Angaben der Polizei Osnabrück hat der Staatsschutz die Ermittlungen gegen unbekannte Täter aufgenommen. Beamte seien mit Ziel Heger Tor ausgerückt. Nach ersten Erkenntnissen sei die Farbe zwischen 18 Uhr am Dienstagabend und den frühen Morgenstunden aufgetragen worden. Einen ersten Hinweis durch eine Zeugin erhielt die Polizei am Mittwochmorgen um 7 Uhr. Zeugen, die die Täter beim Anmalen des Denkmales gesehen haben oder Hinweise geben können, sollen sich unter der Nummer 0541 327-3403 melden.

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