Osnabrück Viererpack mit 42 Jahren: OSC-Spieler Aslantas über runde Zahlen, eine Wette und den Torriecher
Mustafa Aslantas, Mittelfeldspieler des Osnabrücker SC, sicherte seinem Team mit einem Viererpack gegen den SV Kosova in der Fußball-Kreisliga Süd den 5:1-Heimsieg. Wie ihn eine Wette seines Trainers motivierte, was ein Running Gag in der Mannschaft mit dem Torriecher zu tun hat und über welche runde Zahl sich der 42-Jährige Gedanken macht.
Der November scheint sein Monat zu sein: Bereits am 3. November vergangenen Jahres schnürte Mustafa Aslantas vom Osnabrücker SC im Duell mit dem SV Viktoria Georgsmarienhütte II einen Viererpack, damals leitete er mit seinen vier Treffern in den ersten 32 Minuten (4., 12., 26., 30.) den 9:0-Heimerfolg ein. Nun, fast genau ein Jahr später, führte der 42-jährige Mittelfeldspieler sein Team in der Fußball-Kreisliga Süd am vergangenen Wochenende zum 5:1-Sieg gegen den SV Kosova. Dieses Mal schoss er drei seiner vier Tore in Halbzeit zwei (35., 52., 66., 72.), allerdings wie schon vor einem Jahr auf ungewohnter Position.
„Ich hatte ein bisschen Glück, dass die Kollegen mich passend in Szene gesetzt haben. Mit der Erfahrung weiß man, wo man stehen muss, obwohl ich kein gelernter Stürmer bin. Ich mache das nur als Aushilfe, wenn Tim Stein ausfällt“, erklärt der zentrale defensive Mittelfeldspieler. Gemeinsam mit Stein (41), Daniel Rehers (44) und Lorik Lleshi (39) gehört er zum erfahrenen Personal im Team, das zurzeit mit 26 Punkten auf dem siebten Platz steht und nichts mit dem Abstieg zu tun haben möchte – im letzten Jahr hielt der OSC erst am letzten Spieltag die Klasse.
Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist Aslantas beim Kreisligisten eine wichtige Stütze, mit acht Treffern ist er nun sogar Topscorer im Team. „Das war letztes Jahr genauso. Ich weiß nicht, ob das jetzt positiv und negativ ist. Ich habe auf jeden Fall einen guten Riecher“, sagt er. Auch sein Trainer Derek Cooper weiß um den Ehrgeiz seines Spielers, der nach dem Training noch Linienläufe mache und so seine jungen Kollegen ansporne, und gab ihm für das Spiel eine Herausforderung mit.
„Wenn er drei Tore macht, muss ich ihm zum Essen einladen. Und ich habe die Wette verloren. Man hat nicht das Gefühl, dass man einen 42-Jährigen vor sich hat. Auch, wenn er seit 18 Jahren grau ist“, sagt der OSC-Coach mit einem Augenzwinkern. Er habe Aslantas in Absprache nach dem vierten Tor, das „eine Ko-Produktion zwischen dem 44-jährigen Rehers und dem 42-jährigen Aslantas“ war, in der 77. Minute ausgewechselt. Auch wenn „Mutzi“, wie Aslantas genannt wird, gerne erstmals fünfmal in einem Spiel getroffen hätte. Die Torchancen dazu habe es jedenfalls mehrfach gegeben, wie Cooper betont.
Bereits vor einem Jahr habe sich Aslantas etwas aufgeregt, als sein Trainer ihn in der 60. Minute vom Feld geholt hatte. Nun ärgerte er sich eher über sich selbst. „Wenn du einen Lauf hast, willst du nicht raus. Ich hätte noch zwei Tore machen müssen, was mich nervt“, sagt der OSC-Spieler, der seine Laufwerte mithilfe eines GPS-Trackers misst – und im Schnitt pro Spiel immer um die zehn Kilometer abreißt.
Dass er vor allem immer dann besonders treffsicher ist, wenn er aus dem Urlaub kommt, ist auch seiner Mannschaft nicht entgangen. „Das ist ein Running Gag“, sagt Cooper. Gegen Viktoria Gesmold II traf sein Toptorschütze doppelt, nun war er gegen das Tabellenschlusslicht viermal erfolgreich. „Das kann so weitergehen: Die Kollegen sagen schon, dass sie mich in den Urlaub schicken und ich nur zu den Spielen kommen soll. Vielleicht hat mir der Fußball dann ein paar Wochen gefehlt hat und ich bin heiß“, erklärt Aslantas.
Für den defensiven Mittelfeldspieler, der zwischen 1997 und 2005 beim VfL Osnabrück in der Jugend und bei den Amateuren gespielt hatte, könnte die neunte Saison beim OSC zugleich die erfolgreichste werden: Aktuell steht er bei acht Toren und drei Assists. Werte, die er am Ende der vergangenen Saison hatte. Aslantas erlebt mit 42 Jahren einen zweiten Frühling. „Das funktioniert nur mit der Mannschaft: Wenn das Team dahinter steht und eingespielt ist, ist es einfacher für mich, den dritten Frühling mitzunehmen“, erklärt er.
Ob Aslantas auch noch den vierten Frühling in der kommenden Spielzeit erlebt und die zehnte Saison beim OSC vollmacht, dazu hat er sich bereits Gedanken gemacht: „Ich mag runde Zahlen, aber aktuell geht die Tendenz dahin, dass es mit Tim Stein, Daniel Rehers und Lorik Lleshi zusammen unsere letzte Saison sein wird.“ Bis dahin genießt er noch die letzten Novembertage und die Zeit auf dem Platz.