Osnabrück  Das 1:0 des VfL gegen den FCI: Wer solche Spiele gewinnt, steht zu Recht da oben

Jacob Alschner, Benjamin Kraus
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Von Jacob Alschner, Benjamin Kraus
| 23.11.2025 17:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der erlösende Moment: Ismail Badjie (li.) trifft zum späten 1:0 des VfL Osnabrück gegen den FC Ingolstadt. Foto: Helmut Kemme
Der erlösende Moment: Ismail Badjie (li.) trifft zum späten 1:0 des VfL Osnabrück gegen den FC Ingolstadt. Foto: Helmut Kemme
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Das 1:0 (0:0) des VfL Osnabrück gegen den FC Ingolstadt war in seinem Zustandekommen kein überzeugender Sieg. Dass die Mannschaft mittlerweile aber auch solche Spiele gewinnt, spricht für sie.

Ohne wissen zu können, wie richtig er lag, wählte Matthias Wellbrock, einer der Stadionsprecher des VfL Osnabrück, am Samstagabend acht weise Worte: „Tabelle sieht gut aus“, resümierte er ins Mikrofon, was im Jubel über den späten Osnabrücker 1:0-Heimsieg gegen den FC Ingolstadt beinahe unterging. „Was will man mehr?“

Nicht nur er dürfte dieser Meinung gewesen sein, sinngemäß schloss VfL-Trainer Timo Schultz sich dem auf der Pressekonferenz an. Und überhaupt dürfte es rund um Lila-Weiß niemanden gegeben haben, der nach diesem Spiel nicht dachte: ‚Glücklicher Sieg, aber egal. Gehört dazu.‘ Weil am Ende drei Punkte mehr und der dritte Platz in der Drittliga-Tabelle standen, rückte es natürlich leicht in den Hintergrund, dass die Osnabrücker Mannschaft über große Teile des Spiels nicht wirklich im Offensivspiel stattgefunden hatte. Und sollte es Mahner geben, muss man ihnen recht geben: Das kann und darf man nicht außer Acht lassen. Andererseits: Wer auch solche Spiele am Ende gewinnt, und sei es durch einen abgefälschten Schuss, der gehört zu Recht zur Spitzengruppe der Liga.

Um mal mit dem Negativen anzufangen: Dass es erst Ismail Badjies Solo und dann eine Portion Glück brauchte für diesen Heimsieg, so weit hätte es gar nicht kommen müssen. „Bis zur 30. Minute“ sei der VfL das bessere Team gewesen, stimmte FCI-Trainerin Sabrina Wittmann ihrem Kollegen Schultz zu – das bessere Team mit mindestens zwei hochkarätigen Chancen auf eine frühe Führung.

Doch einmal schloss Robin Meißner im Eins-gegen-Eins gegen Ingolstadts Keeper Kai Eisele zu lasch ab. Wenig später traf David Kopacz an der Fünfmeterraumkante die falsche Entscheidung und verpasste es, auf Meißner abzulegen, der in der besseren Abschlussposition war. Zwei weitere hochkarätige, aber vergebene Chancen – deren Verwertung ist ein großes Problem des VfL in dieser Saison. Erst 19 geschossene Tore sprechen Bände, nur vier Teams haben ligaweit weniger auf dem Konto.

Dennoch ließen die Osnabrücker gegen den FCI nicht nur vor dem Tor zu wünschen übrig. Auch im Spielaufbau trafen Schultz‘ Männer an diesem Tag ungewöhnlich oft die nicht die klügste Entscheidung im Passspiel oder machten es unnötig kompliziert (inklusive Hackentrick, wo keiner sein musste). Vergleichbar unauffällige (im Falle Bjarke Jacobsens) oder gar schwache Auftritte (Lars Kehl) bisheriger Leistungsträger dürfen dafür stellvertretend gelten. Besonders zu Beginn der zweiten Halbzeit, als Ingolstadt tiefer stand, fand der VfL nach vorne quasi nicht statt.

Damit zum Positiven: Die Abwehr ist und bleibt die Säule des Erfolgs. Allen voran überzeugte mal wieder Abwehrchef Jannik Müller, der sich zwar am Fuß verletzte. Gute Nachrichten aber: Es ist nicht der noch aus dem Sommer vorbelastete Fuß und Müller dürfte schon am Montag wieder trainieren können.

Doch zurück ins Spiel. Bis auf eine Torchance des Ingolstädters Fredrik Carlsen, als dieser frei vor dem Tor deutlich drüber schoss, standen die Lila-Weißen defensiv mal wieder enorm gut. Die Mischung aus gelungener Antizipation und Stellungsspiel sowie erfolgreichen Sprints im Ablaufen, wenn doch mal etwas anbrennt, stimmt – und sie tat es auch gegen Ingolstadt. Auf das Bollwerk ist Verlass, ohne dass in dieser Saison bisher auch nur ein Platzverweis zu Buche steht. Das schafften sonst nur Wiesbaden und Ulm, zwei Teams im unteren Tabellendrittel. Der VfL verteidigt hart, aber fair und erfolgreich. Und er hat erst durch die mit Abstand wenigsten Gegentore der 3. Liga (nur elf – und sieben davon aus zwei Spielen, nur vier aus den restlichen 13 Partien) ja überhaupt stets die Gelegenheit, durch einen Lucky Punch doch noch etwas Zählbares zu holen.

An dieser Stelle sei gesagt, dass solch ein Lucky Punch in dieser Saison auch erst ein einziges Mal nötig war. Am vergangenen Spieltag nämlich: „Isy [...] hat uns gegen Cottbus schon die drei Punkte gesichert und heute wieder“, hatte auch Schultz im Sinn. Und so richtig lucky – also glücklich, weil spät im Spiel – war der damals in der 73. Minute auch nicht. Dass der VfL zuletzt einen wirklichen Last-Minute-Sieg feierte, war am 12. April 2025 der Fall. Damals entführten die Osnabrücker durch einen Treffer Niklas Wiemanns gegen Dynamo wichtige Punkte im Abstiegskampf aus Dresden.

In dieser Spielzeit gab es Vergleichbares noch nicht. Dass es nun gegen Ingolstadt gelang, darf aber durchaus als Fortschritt im Osnabrücker Spiel gewertet werden. Denn die Gelegenheit für späte drei Punkte hätte es allein angesichts gleich vierer 0:0-Unentschieden bisher (gegen Aachen, Rostock, Köln und Duisburg) ja bereits viermal gegeben.

Da hilft es natürlich, einen ohnehin quirligen Offensivspieler wie eben Badjie als Joker in der Hinterhand zu haben. „Er macht es momentan als Einwechselspieler einfach zu gut“, sagte Schultz. „Da weiß man schon, dass, wenn man ihn bringt, das noch mal ein richtiges Element sein kann.“ Wenn dem Trainer zusätzlich der Kniff einfällt, den eigentlichen Rechtsaußen Badjie dann auf die linke Seite zu ziehen, möglicherweise weil dort der deutlich weniger agile Ingolstädter Außenverteidiger Mattis Hoppe unterwegs ist, dann scheint auch ein so später Sieg wie am vergangenen Samstag nicht wie ein reines Zufallsprodukt.

Sondern eben eher wie ein weiterer Schritt nach vorn in der Entwicklung des VfL. Würde man ihn fragen, Schultz wäre wahrscheinlich der Allererste, der auf diese Art und Weise zu gewinnen in Zukunft herzlich gerne wieder verzichtet. Nervlich angenehmer dürften dem Osnabrücker Coach und allen, die es mit dem VfL halten, sicher die deutlichen Siege wie neulich in Mannheim (4:1) sein. Aber auch, oder gerade wenn die erzwungenen Siege, wie am Samstag, weiter dazugehören, gehören die Osnabrücker auch in Zukunft zur Spitzengruppe der Liga. Und wenn das so bliebe, was wollte man mehr?

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