Osnabrück  So reagiert die Stadt Osnabrück auf Petition für flexiblere Abholzeiten an Grundschulen

Matthias Liedtke
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Von Matthias Liedtke
| 25.11.2025 14:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nachdem eine Mutter eine Petition zu den Abholzeiten an Osnabrücker Grundschulen gestartet hat, hat sich der Stadtelternrat mit dem Thema beschäftigt. Foto: IMAGO/Funke Foto Services
Nachdem eine Mutter eine Petition zu den Abholzeiten an Osnabrücker Grundschulen gestartet hat, hat sich der Stadtelternrat mit dem Thema beschäftigt. Foto: IMAGO/Funke Foto Services
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Mehr als 1000 Eltern in Osnabrück haben eine Petition für flexiblere Abholzeiten an Grundschulen unterschrieben. Diese Forderung stand auch bei der Diskussion im Stadtelternrat im Fokus. Die Stadt prüft nun mögliche Änderungen.

Die eine ist zu früh, die andere zu spät: Mit ihrem Unverständnis darüber, dass im Zuge der Umstellung der Osnabrücker Grundschulen auf ein Ganztagsangebot nur zwei mögliche Abholzeiten infrage kommen, ist Eva-Maia Gersch nicht lange allein geblieben. Ihre Petition für eine entsprechende Flexibilisierung ist von inzwischen mehr als 1000 Eltern unterschrieben worden, insbesondere halbtags berufstätigen Müttern, denen durch die starre Regelung die Strukturierung von Arbeits- und Familienalltag erschwert wird.

In der Stadtverwaltung würde man deshalb die Frage diskutieren, ob die bestehenden Abholzeiten „noch zeitgemäß“ seien, versicherte Andrea Butke bei der jüngsten Sitzung des Stadtelternrates in der Osnabrücker Domschule. Es werde zum Thema gemacht, aber ob und wann eine entsprechende Flexibilität komme, darüber könne sie zum jetzigen Zeitpunkt noch „keine Zusagen geben“, sagte die städtische Fachbereichsleiterin für Bildung, Schule und Sport.

Stattdessen erläuterte sie noch einmal, warum bis 2026 keine zusätzliche Abholzeit geplant sei: Im Ablauf der Ganztagsangebote würde dies für „Brüche“ sorgen. Dem hielten Elternvertreter entgegen, dass sowohl für die Hausaufgabenbetreuung zu Hause als auch für außerschulische Freizeit- und Bildungsaktivitäten ihrer Kinder keine Zeit mehr bliebe, wenn die Kinder erst gegen 16 Uhr nachhause kommen würden – nach einem Acht-Stunden-Tag, der insbesondere für Erst- und Zweitklässler einen kaum zumutbaren „Knochenjob“ bedeuten würde.

Nach der Schule bräuchten die Kinder erst einmal eine Auszeit, um zu Hause an- und runterzukommen, bevor es dann am Nachmittag weitergehen könne, hieß es aus der Elternschaft. Die Möglichkeiten, in der Schule ein Hobby auszuüben, wurden im Vergleich zu außerschulischen Angeboten vom Musik- oder Kunstunterricht über den Sportverein bis hin zum Schwimmkurs als „gering“ eingestuft. Bei allen Bemühungen der Stadt, den Ganztag in der Grundschule inhaltlich weiterzuentwickeln.

Dass er gebraucht werde, um vor allem Müttern in Teilzeit ein Berufsleben zu ermöglichen, sei keine Frage, stellte Gersch klar. Wenn aber ihre Tochter am Nachmittag von ihrem Acht-Stunden-Tag nachhause komme, habe sie „keine Energie“ mehr. Dass die Erschöpfung zuletzt sogar zu einer „Burn-Out“-Diagnose geführt hat, habe sie sehr erschrocken, berichtete die Mutter von zwei Kindern, die als Lehrerein in Melle arbeitet. Auch aus gesundheitlichen Gründen plädiert sie deshalb eindringlich für eine dritte Abholmöglichkeit, die auch mit ihren eigenen Arbeitszeiten vereinbar wäre.

Sowohl im Landkreis als auch zum Beispiel in der Drei-Religionen-Schule in Osnabrück, die sich nicht in städtischer Trägerschaft befindet, gebe es solche Modelle bereits, bemerkte die Elternschaft – und fragte sich, warum das nicht als Vorbild dienen könne. Die Umstellung von der Hortbetreuung auf den Ganztag sei auch mit dem Wunsch der städtischen Grundschulen einhergegangenen, „einheitliche Konzepte“ zu fahren, erläuterte Butke. Und betonte noch einmal, dass der Druck der Eltern in der Schulverwaltung „angekommen“ sei und das Thema Abholzeiten auf den Prüfstand komme.

Erste Ergebnisse stellte die Vertreterin der Stadt für den kommenden Februar in Aussicht – bot aber gleichzeitig an, dass sich Eltern in den Prozess miteinbringen, indem sie „vorab Fragen schicken“ könnten. Auch der Vorsitzende des Stadtelternrats Frederik Kathmann versprach, dass das Thema auch beim nächsten Mal wieder auf der Tagesordnung stehen werde. Und Butke, dann auch eine entsprechende Fachkraft als weiteren Ansprechpartner mitzubringen. 

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