Osnabrück Kaum Anerkennung, oft übersehen: Gastro-Azubis in Osnabrück zeigen Perfektion im Detail
Jeder Handgriff zählt bei der Jugendmeisterschaft 2025 in Osnabrück: Zwischen präzise ausgerichteten Tellern und gefalteten Servietten zeigen Auszubildende der Gastronomie, warum das Servieren mehr Wertschätzung verdient.
Nicht zu viel Abstand, aber auch nicht zu wenig: Eine angehende Hotelfachfrau beugt sich über einen halb eingedeckten Tisch und schiebt ein Weinglas millimeterweise nach links. Ein Auszubildender zum Fachmann für Restaurant- und Veranstaltungsgastronomie glättet die Tischdecke und prüft mehrmals die Positionen des Gedecks.
Im Berufsschulzentrum am Westerberg traten am 20. November sechzehn Auszubildende beim 42. Wettbewerb „Osnabrücker Jugendmeister in den gastronomischen Ausbildungsberufen“ an. Darunter acht junge Köche, vier Hotelfachkräfte sowie vier Fachleute für Restaurant- und Veranstaltungsgastronomie aus Betrieben im Landkreis.
Die angehenden Servicekräfte gestalten an diesem Nachmittag ihre Schautische. Zwischen ihnen steht Nele Dennhöfer. Die Hotelfachfrau im dritten Lehrjahr kontrolliert die Servietten an ihrem Aufbau. Sie kommt aus Greetsiel und bringt ihre Heimat auf den Tisch, denn die Schautische stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Niedersachsen kulinarisch“. Dennhöfer setzt dafür auf ein dunkles Blau, maritime Formen und Servietten, die an Wellen erinnern.
„Es geht mir thematisch auch um eine ruhige, bewusste Auszeit“, sagt sie. „Die Herausforderung ist das sehr akkurate Arbeiten. Jeder Abstand muss perfekt sein.“ An ihren freien Tagen hat sich Dennhöfer auf den Wettbewerb vorbereitet, Farben getestet und Ideen wieder verworfen, bis sie zufrieden war: „Ich stehe hinter meinem Ergebnis. Da steckt viel Zeit und Liebe drin.“
Während Dennhöfer letzte kleine Details nachjustiert, arbeitet ein paar Meter weiter Syafiq Hilmi an seinem Schautisch. Der 21-Jährige macht eine Ausbildung zum Fachmann für Restaurant- und Veranstaltungsgastronomie. Erst vor zweieinhalb Jahren kam er aus Indonesien nach Deutschland – für genau diesen Beruf. Auch er nimmt Bezug auf die Nordseeküste. Sein Tischläufer leuchtet in tiefem Blau, Muscheln liegen auf der Tischdecke und sandgefüllte Vasen stehen im Mittelpunkt.
„Ich war eigentlich gar nicht nervös. Vorher nicht und jetzt auch nicht“, sagt Hilmi mit einem Lächeln. Denn für ihn sei der Wettbewerb vor allem eine Übung für die Abschlussprüfung im nächsten Jahr. Mit seinem Beruf könne er dann überall arbeiten – auf einem Schiff, im Hotel oder auf Veranstaltungen. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten sprechen ihn an. Für die Zeit nach seiner Ausbildung hat er bereits eine Zusage in Osnabrück.
Ein letztes Mal richtet Hilmi das Besteck aus, bis er knapp nickt. Seine Arbeit verlangt Präzision, auch wenn die Mühe dahinter später kaum ein Gast sieht.
Als die Zeit abläuft, treten alle Schüler einen Schritt zurück, verlassen den Raum und die Prüfer beginnen mit ihrer Bewertung. Sie gehen von Tisch zu Tisch und achten unter anderem auf die Sauberkeit der Gläser, Auswahl und Schreibweise des Menüs sowie darauf, ob das passende Besteck bereitliegt. „Jeder Tisch schreibt eine eigene Geschichte“, fasst Felizitas Ayvaz, Lehrerin an der Berufsschule am Westerberg, den Auftakt des Tages zusammen.
Prüferin Ulrike Hagenhoff erklärt, dass in den Gastronomieberufen viele internationale Auszubildende lernen – mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Manche sind hier stärker auf sich gestellt, andere erhalten Unterstützung durch ihre Betriebe. Das zeigt sich teils an den Schautischen, denn Dekoration, Gläser und Teller müssen die Teilnehmer selbst beschaffen. „Trotz allem muss jeder gleich bewertet werden“, betont sie.
Die Servicekräfte sind derweil bei ihrer nächsten Aufgabe angekommen: dem Restauranttisch. Anders als am Schautisch sind die Menüs vorgegeben und die Materialen zum Eindecken sind für jeden Teilnehmer gleich.
Währenddessen bereiten die Köche das Drei-Gänge-Menü vor, das die Servicekräfte am Abend servieren. „Ein großes Problem ist, dass wir von vielen belächelt werden. Es fehlt die Anerkennung“, sagt Fachlehrer und Serviermeister Markus Schröer. „Dabei ist auch die Arbeit als Team zwischen Koch und Service sehr wichtig. Man kann sich gegenseitig stützen und auffangen, sollte etwas schiefgehen.“
Bei welchen Berufsschülern sich das Zusammenspiel hält, zeigt sich, als der letzte Prüfungsteil beginnt: Um 18 Uhr tragen die Servicekräfte die Speisen der Köche sicher durch den Raum. Zeitgleich achten sie auf ihre Haltung und ihren Gang. Beim Servieren spielt zudem nicht nur das richtige Vorlegen des Essens eine Rolle, sondern auch die Ausstrahlung und Kommunikation mit den Gästen.
Damit geht ein langer Tag zu Ende, an dem viele Stunden Arbeit sichtbar wurden, die sonst im Hintergrund bleiben. Zum Abschluss folgt die Siegerehrung: Nele Dennhöfer gewinnt den ersten Platz bei den Hotelfachkräften. In der Restaurant- und Veranstaltungsgastronomie siegt Sakila Ihsania – Syafiq Hilmi erreicht den dritten Platz. Unter den Köchen holt Kyra Spiske den ersten Rang.
Für Dennhöfer hat sich die viele Vorbereitung, Mühe und Nervosität ausgezahlt. Sie sagt abschließend: „Das Endresultat meines Schautisches zu sehen und diesen zu präsentieren – das war das Highlight für mich.“