Osnabrück Über eine Milliarde Euro: Das sind die größten Investitionen in Osnabrück bis Ende 2035
Der Stadtrat von Osnabrück hat sich von der Finanzverwaltung eine Übersicht gewünscht, welche großen Investitionen in den kommenden zehn Jahren anstehen. Der Plan liegt vor. Er hat es in sich.
Die Stadt Osnabrück will bis Ende 2035 über eine Milliarde Euro in Gebäude, Straßen und andere städtische Infrastruktur investieren. Das geht aus der „Zukunftsinvestitionsplanung“ (ZIP) hervor, den die Verwaltung kürzlich dem Finanzausschuss vorgelegt hat. Es war der ausdrückliche Wunsch der Politik, einen Überblick über die Großinvestitionen zu bekommen. Die Finanzexperten im Rathaus verbinden die Darstellung mit einem deutlichen Warnhinweis.
Die Investitionen summieren sich bis Ende 2035 auf 1,04 Milliarden Euro. Die Investitionen muss die Stadt aller Voraussicht nach vollständig mit Krediten finanzieren. Denn sie wird nach den derzeitigen Prognosen in den Haushalten der kommenden Jahre keine Überschüsse erwirtschaften. Im Gegenteil: Finanzchef Thomas Fillep sagt jährlich Defizite von rund 100 Millionen Euro voraus.
Deshalb sind die Investitionen mit „erheblichen Folgekosten“ verbunden, wie es der Vorlage der Verwaltung für die Finanzausschusssitzung vom Oktober 2025 heißt. Die Mahnung ist unüberhörbar: Neben den Betriebs- und Unterhaltungskosten für all die neuen Objekte, schlagen die Finanzierungskosten und Abschreibungen zu Buche.
Ausgehend von einem durchschnittlichen Zinssatz von drei Prozent und einer durchschnittlichen Abschreibung über 40 Jahre ergibt das nach Berechnung der Finanzabteilung eine jährliche Belastung von rund 41 Millionen Euro. Zur Einordnung: Der aktuelle Haushalt umfasst Ausgaben von rund 800 Millionen Euro.
Die „Zukunftsinvestitionsplanung“ enthält 259 Einzelpositionen, die dem Kernhaushalt, dem Eigenbetrieb Immobilen und dem Osnabrücker Service-Betrieb zugeordnet werden.
Die größte Einzelinvestition ist der Neubau des Förderschulzentrums am Friedensweg mit geschätzten 113 Millionen Euro. Für die Planung werden im Doppelhaushalt 2026/27 rund 4,6 Millionen Euro eingeplant. Der Bau soll 2028 starten und 2030 abgeschlossen sein.
Richtig ins Geld geht auch die Grundsanierung der Gesamtschule Schinkel, die allerdings noch auf sich warten lässt. 66 Millionen Euro sind dafür im Jahr 2035 eingeplant. Die Planungen sollen 2028 beginnen und werden allein sechs Millionen Euro kosten.
Auf Platz drei der Investitionsrangliste steht der geplante Umbau der Bremer Brücke. 63 Millionen Euro sind als Zuschuss in den Bau vermerkt, aufgeteilt in drei Chargen in den Jahren 2026 bis 2028. Die Planungskosten sind darin nicht enthalten.
Die Summe ist erklärungsbedürftig, da der Stadtrat in der Novembersitzung einem städtischen Beitrag von 33 Millionen Euro zugestimmt hat. Mehr als diese 33 Millionen Euro darf die Stadt aus beihilferechtlichen Gründen nicht zuschießen.
Die darüber hinausgehenden Investitionskosten sind durch die Stadiongesellschaft aufzubringen, die wiederum jährlich einen Zuschuss aus dem städtischen Haushalt erhält. Die Darstellung (63 Millionen Euro) im Investitionsplan sei „insofern nicht korrekt“, merkt die Finanzverwaltung an, sei aber gewählt worden, um die gesamte Dimension des Projektes dazustellen.
Zwei städtische Tochtergesellschaften tauchen auf den Plätzen vier und fünf der Liste auf. Das Kapital der einst hochprofitablen Stadtwerke werden mindestens bis 2029 mit jährlich 15 Millionen Euro aufgestockt. Das ergibt eine Gesamtsumme von 60 Millionen Euro. Durch die Stärkung des Eigenkapitals sollen die Stadtwerke in die Lage versetzt werden, die Investitionen der Energie- und Wärmewende aus eigener Kraft zu finanzieren.
Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Wio (Wohnen in Osnabrück) wird bis 2025 jährliche Kapitalzuführungen im Umfang von etwa fünf Millionen Euro bekommen. Die Liste nennt eine Gesamtsumme von 52 Millionen Euro bis 2035. Die Wio braucht das Kapital, um Sozialwohnungen zu bauen.
Das Stadttheater, über dessen Generalsanierung seit Jahren diskutiert wird, fällt in der Liste kaum auf. Die Kosten wurden schon vor Jahren auf mindestens 80 Millionen Euro geschätzt. Die Investitionsplanung sieht bislang nur Planungskosten vor, insgesamt rund 13 Millionen Euro bis 2034. Die Baukosten tauchen nicht auf.
Auch der geplante Neubau des Probenzentrums ist bislang nur mit Planungskosten von 1,5 Millionen in 2026 gelistet. Stadtbaurat Thimo Weitmeier hat gerade eine neue Idee ins Spiel gebracht: Das Probenzentrum soll in und an der Herz-Jesu-Kirche entstehen.
Die Verwaltung weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei der Zukunftsinvestitionsplanung um eine „sehr grobe Planung“ handelt und zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht erklärt sei, in welchen Jahren diese Investitionen umgesetzt werden sollen. „Hier wird es mit großer Sicherheit noch zu Verschiebungen bei den Umsetzungszeitpunkten kommen“, heißt es in der Vorlage. Die Liste spiegelt den Nachrichtenstand von August 2025 wider.