„Ostfriesischer Oskar“  Plattdeutsch-Preis ging an Moormerländerin

Melchert Stromann
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Von Melchert Stromann
| 23.11.2025 12:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Marina Bohlen (links) ist mit dem Keerlke-Preis ausgezeichnet worden. Ihre langjährige Freundin Angelika Seidel überreichte ihr den Preis. Foto: Melchert Stromann
Marina Bohlen (links) ist mit dem Keerlke-Preis ausgezeichnet worden. Ihre langjährige Freundin Angelika Seidel überreichte ihr den Preis. Foto: Melchert Stromann
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Bei der Verleihung des Keerlke-Preises wurde Marina Bohlen für ihren Einsatz rund um die plattdeutsche Sprache geehrt. Die Auszeichnung versteht sie als Ansporn für weitere Projekte.

Moormerland - Große Freude herrschte am Freitagabend, 21. November 2025, bei Marina Bohlen im Landhaus Oltmanns in Moormerland bei der Verleihung des „Ostfriesischen Oskars“. Der Abend wurde in Platt gestaltet, was für eine besondere Stimmung sorgte. In Platt kann man vieles besser und verständlicher ausdrücken als im Hochdeutschen.

Wer gewinnt?

Bis zur Laudatio von Angelika Seidel herrschte unter den Gästen aus Politik, Verwaltung, den Plattdeutschbeauftragten der Gemeinden, Vertretern vieler Vereine und Verbänden aus ganz Ostfriesland und insbesondere auch früheren Preisträgern des Keerlke-Preises große Spannung: Wem wird in diesem Jahr der Preis verliehen?

Iko Andrae und Andreas Bahlmann traten mit plattdeutschen Liedern auf. Foto: Melchert Stromann
Iko Andrae und Andreas Bahlmann traten mit plattdeutschen Liedern auf. Foto: Melchert Stromann

Zwar deutete durch den Vortrag von Jann Aden, Mitglied Arbeitsgemeinschaft Ostfriesisches Volkstheater e.V., einiges darauf hin, dass der Preisträger oder die Preisträgerin aus den Reihen des plattdeutschen Theaters stammen könnte. Die Spannung blieb dennoch erhalten. Als der Name bekannt gegeben wurde, herrschte nicht nur bei Marina Bohlen, sondern bei allen Anwesenden große Freude und sie wurde mit viel Beifall bedacht.

Plattdeutsch erhalten hat eine besondere Bedeutung

Nach einer musikalischen Einlage von Iko Andrae und Andreas Bahlmann mit plattdeutschen Liedern wurde der Abend durch Hans Freese, den Vorsitzenden des Oostfreeske Taal Vereen för oostfreeske Spraak und Kultur e.V., eröffnet. Er wies darauf hin, was es bedeutet, die plattdeutsche Sprache zu erhalten und zu fördern.

Hans Freese, Vorsitzender des Oostfreeske Taal, betonte, wie wichtig die plattdeutsche Sprache ist. Foto: Melchert Stromann
Hans Freese, Vorsitzender des Oostfreeske Taal, betonte, wie wichtig die plattdeutsche Sprache ist. Foto: Melchert Stromann

Der Keerlke-Preis ist der wichtigste ostfriesische Preis für Verdienste um die plattdeutsche Sprache und wird seit 1993 jährlich verliehen. Keerlke ist eine Tonfigur von Christian Eisbein, angelehnt an die gleichnamige Romanfigur von Wilhelmine Siefkes. Landrat Matthias Groote unterstrich ebenfalls, wie wichtig es ist, die plattdeutsche Sprache zu erhalten. „Wir sorgen dafür, dass unsere Sprache lebendig bleibt, in der Schule, auf der Bühne, aber auch in den Medien. Mein besonderer Dank gilt allen, die sich dafür einsetzen, dass die Sprache erhalten wird“, sagte er.

Auch Landrat Matthias Groote war bei der Preisverleihung. Foto: Melchert Stromann
Auch Landrat Matthias Groote war bei der Preisverleihung. Foto: Melchert Stromann

Langjähriger Einsatz für Platt

Jann Aden erläuterte in einem Vortrag, wie die Sprache aus Sicht der Volkstheater erhalten werden kann. „Was zieht die Menschen zum Theater?“ Das war der Tenor seiner Ansprache. Eine Frage, die er ausführlich beantwortete. Besonders erwarten die Menschen, dass hier Plattdeutsch gesprochen wird.

Bei der Preisverleihung waren zahlreiche Gäste, unter anderem Landrat Matthias Groote (von links), Angelika Seidel, Marina Bohlen, Hans Freese und Jann Aden. Foto: Melchert Stromann
Bei der Preisverleihung waren zahlreiche Gäste, unter anderem Landrat Matthias Groote (von links), Angelika Seidel, Marina Bohlen, Hans Freese und Jann Aden. Foto: Melchert Stromann

In der Laudatio berichtete Angelika Seidel über die langjährige Tätigkeit ihrer engagierten Freundin aus Hatshausen. Eine Aufzählung der vielen Einsätze für die plattdeutsche Sprache ist wegen des Umfangs gar nicht möglich. Ein paar Beispiele: Marina Bohlen ist ehemalige Lehrerin für plattdeutsche Sprache und hat sich auch als langjährige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ostfriesischer Volkstheater einen Namen gemacht. Bohlen hat eine Kindertheatergruppe gegründet und hat geholfen, große historische Theaterstücke auf die Bühne zu bringen – darunter auch „Van Karken, Klocken un Leevde“, „Smacht“ und „Heimat“ in Ayenwolde“. Das nächste Projekt von Marina Bohlen ist die „Friesische Freiheit“ beim Kloster Ihlow.

Marina Bohlen ist unter anderem bekannt als Vorsitzende des Bürgervereins Hatshausen-Ayenwolde. Es sei Seidel eine große Freude, dass ihrer langjährigen Freundin und Studienkollegin Marina Bohlen dieser Preis überreicht wird.

Angelika Seidel (links) und Marina Bohlen mit dem Keerlke-Preis. Foto: Melchert Stromann
Angelika Seidel (links) und Marina Bohlen mit dem Keerlke-Preis. Foto: Melchert Stromann

Auszeichnung als Ansporn

Marina Bohlen bedankte sich und sagte: „Das habe ich immer nur geschafft, weil viele Menschen hinter mir standen. Sie haben mir geholfen und mich gefördert. Dieser kleine Keerlke steht auch all diesen Menschen ein wenig zu.“ Sie bedankte sich bei Angelika Seidel, dem Vorstand und der Jury des Oostfreeske Taal, dass sie meinten, ihr stünde der Preis in diesem Jahr zu. Zugleich betrachtet sie diese Preisverleihung auch als Ansporn, weiterzumachen – und das wird sie auch tun. Im kommenden Jahr zum Beispiel mit dem großen Freiluftstück in Ihlow.

Der Verein Oostfreeske Taal sucht neue Mitglieder und freut sich über jede Anmeldung zur Mitwirkung in diesem Verein.

In einer ersten Fassung des Berichts hieß es, dass Marina Bohlen auch für „Timmel unner Stroom“ verantwortlich war. Dieses Theaterstück gehört aber zum Dorfverein Timmel. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen und haben den Text entsprechend korrigiert.

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