Osnabrück  VfL Osnabrück gegen FC Ingolstadt: Erst Stille, dann ein Sieg der Stimmung?

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 21.11.2025 16:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jubelt der VfL Osnabrück erneut gegen den FC Ingolstadt? Im Duell am 15. August 2009 drehten die Osnabrücker um Tobias Nickenig und Alexander Wulff einen 0:2-Rückstand in einen 5:2-Sieg gegen den FCI, für den damals David Pisot (links) in der Abwehr spielte. Foto: Helmut Kemme
Jubelt der VfL Osnabrück erneut gegen den FC Ingolstadt? Im Duell am 15. August 2009 drehten die Osnabrücker um Tobias Nickenig und Alexander Wulff einen 0:2-Rückstand in einen 5:2-Sieg gegen den FCI, für den damals David Pisot (links) in der Abwehr spielte. Foto: Helmut Kemme
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Mit einem Sieg im Heimspiel gegen den FC Ingolstadt will sich der VfL Osnabrück in den Aufstiegsrängen der 3. Fußball-Liga festsetzen - zumal sich die unmittelbare Konkurrenz am Wochenende gegenseitig Punkte nehmen wird. Stimmungstechnisch wird von Stille bis explosiver Flutlichtatmosphäre alles geboten sein.

Ein ruhiger Beginn in der letzten Stunde mit Tageslicht, ein explosives Ende unter Flutlicht-Atmosphäre, die zumindest die Schlussphase des Heimspiels gegen den FC Ingolstadt prägen wird: Diese Stimmungskurve zeichnet sich ab für das Heimspiel des VfL Osnabrück an diesem Samstag, wo der Anpfiff gegen den Tabellen-15. erst um 16.30 Uhr erfolgen wird.

Danach wollen die Ultras des VfL Osnabrück für zwölf Minuten schweigen: Eine Protestnote angesichts der anstehenden Innenministerkonferenz Anfang Dezember, von der die organisierten Fanszenen Deutschlands Beschlüsse befürchten, die Freiheiten der Fans einschränken könnten. Das breite Bündnis an Ultragruppen, das sich am vergangenen Wochenende friedlich in Leipzig getroffen hat, kämpft für den Erhalt der Fankultur. Die Ultras argumentieren, dass selbst die Zahlen in - bezüglich ihrer Erhebungsmethoden teils fragwürdigen - Statistiken der Behörden zum Profifußball-Umfeld keinerlei Notwendigkeiten für weitere repressive Maßnahmen nahelegen würden.

VfL-Trainer Timo Schultz kann diese Position der Ultras nachvollziehen - auf die Spielvorbereitung seiner Elf haben die angekündigten Proteste des harten Kerns an Fans hinter dem östlichen Tor aber keinerlei Einfluss. „Auf St. Pauli haben wir einmal bei einem Protestspiel nach drei Minuten ein Tor geschossen - danach haben sich die Proteste doch eher in Grenzen gehalten“, sagt der Coach augenzwinkernd. Grundsätzlich aber freut er sich natürlich auf die Unterstützung der Osnabrücker in den komplett ausverkauften Heimbereichen - und auf die Flutlicht-Atmosphäre, die sicherlich die Schlussphase des Duells gegen die Oberbayern prägen wird.

Die Marschroute von Schultz für sein Team ist auch abseits der Fanproteste klar: Volle Konzentration auf die eigene Leistung. Keine Rolle spielen soll auch die Spieltagskonstellation: Duisburg (1.) und Hoffenheim II (7.) treffen genauso aufeinander wie Essen (4.) und Cottbus (2.) sowie Viktoria Köln (6.) und Verl (5.). „Schöne Duelle“ sagt der Trainer des Tabellendritten, ergänzt aber: „Gut gelaunt am Samstagabend werde ich sein, wenn wir gewonnen haben - und weniger gut, wenn wir verloren haben.“

Und auch der Gegner FC Ingolstadt spielt diesmal eine eher geringere Rolle in der Vorbereitung auf die Partie. „Das ist eine gute Drittligamannschaft. Sie sind nicht leicht zu greifen, variieren sehr viel und haben sich zuletzt oft an ihren jeweiligen Gegner angepasst. Das haben in den letzten Spielen schon einige Gegner gegen uns gemacht“, erklärt Schultz. Eine Tatsache, die man durchaus so deuten kann, dass die Gegner inzwischen Respekt entwickeln vor den Auftritten der besten Abwehr der Liga mit nur elf Gegentoren in 14 Spielen.

FCI-Trainerin Sabrina Wittmann zollte dem VfL vor der Fahrt nach Südniedersachsen jedenfalls Respeckt: „Das ist mit die beste Mannschaft in der Liga. Sie ist sehr strukturiert, agiert sehr bedacht und hat eine sehr gute Balance. Das wird eine große Nummer für uns und ein echter Prüfstein.“ Lob gab es außerdem für die Fans in Osnabrück: „Das war für mich im vergangenen Jahr mit die beeindruckendste Stimmung, die ich erlebt habe.“

Wittmann kann in Osnabrück wieder auf Shooting-Star Dennis Kaygin zurückgreifen, der sich nach überstandener Weißheitszahn-OP fit gemeldet hat - einer von drei Spielern im Kader, der bereits viermal getroffen hat. Bisher vor allem als Einwechselspieler zum Zug beim FCI kam Gustav Christensen (21), jüngerer Bruder des VfL-Schienenspielers Frederik Christensen (23) - nicht zu verwechseln mit dem beim FCI als Stürmer tätigen Frederik Christensen (24), der zwar auch Däne ist, aber nicht verwandt oder verschwägert mit den anderen beiden Christensens.

Ingolstadt hat als Tabellen-15. bereits sechs Tore mehr als der VfL erzielt (24) - und das, obwohl die Trainerin nach dem Radikalumbau des Kaders im Sommer weg von teuren Stars hin zu mehr Nachhaltigkeit ihrer Elf einen deutlich defensiveren Spielstil verordnet hat. Insofern könnte ein Geduldsspiel auf die Lila-Weißen zukommen, die das Duell ohne Bryan Henning angehen müssen: Der Mittelfeldspieler fehlte wegen einer Erkältung schon die letzten Tage im Training.

Offen ließ Schultz, ob er die Partie wieder mit dem in Cottbus überzeugenden Fridolin Wagner im defensiven Mittelfeld an der Seite von Bjarke Jacobsen beginnen wird, oder ob Kevin Wiethaup eine weitere Chance von Beginn an erhält. Das VfL-Eigengewächs hatte beim Test in Bochum (4:1) genauso überzeugt wie Tempodribbler Ismail Badjie, der ebenso eine Option für die Startelf ist, wobei auch Kreativspieler David Kopacz aktuell in sehr guter Form ist. Insofern haben die Osnabrücker durchaus Möglichkeiten, den FCI zu knacken - wenn der von Schultz genannte zentrale Punkt umgesetzt wird: Die eigenen PS auf den Platz zu bringen.

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