Osnabrück OB-Wahl in Osnabrück: Alferink fordert Pötter heraus – und wo bleiben die Grünen?
Gut ein Jahr vor der Oberbürgermeisterwahl 2026 haben sich SPD und CDU in Osnabrück auf ihre Kandidaten festgelegt. Die Favoriten stehen damit fest. Wird es spannend? Eher nicht. Ein subjektiver Ausblick.
Robert Alferink (SPD) fordert Katharina Pötter (CDU) heraus. Darauf läuft es bei der Oberbürgermeisterwahl im kommenden Jahr in Osnabrück hinaus. Wie groß sind die Chancen des SPD-Aufsteigers, die Amtsinhaberin zu beerben? Und werden Kandidaten der anderen Parteien angesichts dieser Konstellation überhaupt Beachtung finden?
Robert Alferink ist schon im Sommer vorgeprescht. Eine parteiinterne Findungskommission legte sich im Juli auf den 41-Jährigen fest. Wobei – eine Alternative drängte sich nicht auf. Es lief automatisch auf den Juristen zu, der im November 2024 in einer Krisenphase nach dem Rücktritt des Bundestagsabgeordneten Manuel Gava den Parteivorstand übernommen hatte. Schon seine Rede auf dem Wahlparteitag klang wie eine Bewerbung um die OB-Kandidatur.
Der Jurist in Diensten der Industrie- und Handelskammer Osnabrück (IHK) ist seither im Wahlkampfmodus. Er zeigt sich, nimmt öffentliche Termine wahr, meldet sich im Rat konstant zu wichtigen Fragen zu Wort.
Es ist ihm durchaus gelungen, der SPD in Osnabrück wieder Selbstbewusstsein und Zuversicht zu geben. Gut zu spüren war das bei der Jubiläumsfeier „150 Jahre SPD Osnabrück“ im Oktober, als er sich auf Augenhöhe mit Ministerpräsident Olaf Lies auf der Bühne präsentierte.
Doch Alferink steckt in einer undankbaren Rolle. Er muss seine Kritik an der Amtsinhaberin und der aktuellen Kommunalpolitik so dosieren, dass sie nicht als Generalschelte am System verstanden wird. Denn das würde den extremen Kräften auf der rechten Seite nutzen. Und er muss bei den großen, richtungweisenden Themen immer den kleinen Haken finden, um den Erfolg seiner Konkurrentin wenigstens ein bisschen zu schmälern.
Gut beobachten war das beim Vorstoß von Katharina Pötter und Landrätin Anna Kebschull (Bündnis 90/Die Grünen), eine private medizinische Hochschule für Stadt und Landkreis gründen zu wollen. Alferink mahnte, die Hochschule dürfe keine Einrichtung nur für Reiche zu werden. Klar, das muss man als Sozialdemokrat natürlich sagen.
Weiteres Beispiel: Als Pötter etwas voreilig verkündete, den unerwarteten Investitionszuschuss von zwölf Millionen Euro aus dem Landeshaushalt für den Bau von drei Kunstrasenplätzen verwenden zu wollen, blieb es Alferink überlassen, den Ablauf zu kritisieren. Die Oberbürgermeisterin solle nicht vergessen, dass der Rat die Entscheidung treffe. Da hat die Gruppe aus Grünen, SPD und Volt die Mehrheit.
Hier hat Alferink einen Punkt getroffen. Katharina Pötter ist in der Kunstrasen-Frage auf die Vereine zugegangen und hat auf Instagram Filmchen gepostet, die die Vereinsvertreter als Zusagen verstehen konnten. Das Vorpreschen war ein Fehler, und die Kritik daran hat die eigentlich gute Nachricht überlagert.
Es war vielleicht ihr einziger taktischer Fehler in einer Amtszeit, die geprägt ist von Entscheidungen mit weitreichenden Wirkungen. Die Pläne zur Gründung einer Medizinhochschule ist ein Beispiel. Auch die geplante Neuordnung des Krankenhauswesens und die Kooperation des städtischen Klinikums mit dem Niels-Stensen-Verbund ist ein Meilenstein.
Die Bebauungspläne für den Neumarkt und das Lokviertel sind unter Pötters Verantwortung als Satzung beschlossen worden. Auch wenn noch keine Fortschritte auf Osnabrücks hässlichstem Platz zu sehen sind: Die Stadt hat ihren Job gemacht, jetzt sind die Investoren an der Reihe.
Pötter, Mutter von drei Kindern, setzte sich persönlich dafür ein, die Ganztagsbetreuung an allen Grundschulen zu sichern. Osnabrück hat dieses Ziel 2024 und damit zwei Jahre vor der gesetzlichen Frist erreicht.
Pötter zeigte in dieser Sache ihre besondere Stärke: Pragmatismus und Entscheidungsfreude. Es muss nicht alles perfekt sein, manchmal helfen im ersten Schritt auch Provisorien weiter, so ihr Credo. Hauptsache, Eltern und Schulen profitieren.
Und so agierte sie auch in der Verkehrspolitik. Weil der große, fahrradgerechte Umbau des Wallrings noch jahrelange Planungen erfordert, setzt sie auf praxisnahe Sofortlösungen. Abbiegespuren wurden in Radwege umgewandelt, Parkplätze mit Betonklötzen blockiert. Rad-Aktivisten kritisieren, das sei noch weit entfernt von den selbstgesteckten Zielen, zu denen sich der Rat mit dem sogenannten Radentscheid bekannt habe. Stimmt. Aber: Auf der Straße ändert sich was.
Dass der VfL ein neues Stadion bekommen soll, hat Pötter offensiv propagiert und Widerstände aus dem Weg geräumt. Die Stadt übernimmt damit eine finanzielle Verpflichtung, die, wenn es unglücklich läuft, zu einer langfristigen Belastung werden kann. Aber dieses Restrisiko ist sie eingegangen.
Und überhaupt: Pötter verantwortet eine Finanzpolitik, die mutiger und risikobereiter ist, als man es aus der CDU erwarten würde. Auf über eine Milliarde Euro summieren sich bis 2035 die geplanten Investitionen in Schulen, Straßen, Stadion, Theater und andere Infrastruktur. Alles muss mit Krediten finanziert werden, weil die Stadt Jahr für Jahr negative Haushaltsergebnisse zu erwarten hat. Die Schulden werden Rekordhöhen erreichen.
Pötter ist ganz gewiss keine Sparkommissarin. Sie vertraut darauf, dass Investitionen der Wirtschaft Schub geben und sich so eines Tages refinanzieren.
Katharina Pötter hat bei der Wahl 2021 auch in Kreisen gepunktet, die nicht der CDU zuneigen. Kann Alferink diese Wähler für sich gewinnen, wenn es zu einer Stichwahl kommen sollte?
Am 13. September 2026 werden mutmaßlich mehr als die bisher bekannten drei Bewerberinnen und Bewerber antreten. Die Linken haben den Rechtsprofessor Thomas Groß nominiert, der sich vor allem mit Verkehrsthemen profiliert hat. Groß ist es zuzutrauen, dass er auch außerhalb der linken Blase Wähler für sich gewinnen kann.
Und wo sind eigentlich die Grünen? Die Partei, die bei der jüngsten Kommunalwahl zur stärksten Ratsfraktion aufstieg, zeigt keine Ambitionen, noch in diesem Jahr aufs Kandidatenkarussell aufzusteigen.
Co-Vorsitzender Max Strautmann hält die Kandidatenkür zu diesem Zeitpunkt für einen Fehler. Damit werde der Wahlkampf eröffnet, was die Zusammenarbeit im Rat erschwere, sagt er. Die Grünen wollen erst im Frühjahr ihre Kandidatin oder Kandidaten präsentieren.
Vielleicht ist der Grund für die späte Kandidatenkür bei den Grünen auch ganz simpel: Es gibt niemanden, der sich bewerben will. Eine Kandidatur wäre mutmaßlich aussichtslos, weil dem Kandidaten der negative Bundestrend im Nacken säße. Wer also wäre bereit, um der grünen Sache willen den Wahlkampfstress auf sich zu nehmen?
Ähnlich ist die Lage bei der FDP, die in Osnabrück zwar traditionell leicht über dem Bundesniveau liegt, bei der OB-Wahl aber nichts zu gewinnen hätte. Außer die Wahrnehmung: Die FDP lebt noch.
Und die AfD? Die Partei ist in Osnabrück personell dünn aufgestellt. Ihr einziges Ratsmitglied Alexander Garder ist im Rat ein Außenseiter und hat sich mit einigen Anträgen blamiert. Bei der OB-Wahl werden die Blauen keine ernsthafte Rolle spielen.
Also läuft es auf Alferink gegen Pötter hinaus. Merken wir uns den Sonntag, 27. September 2026, vor: Das ist der Termin der Stichwahl.