Berlin  „Sehe Verwahrlosung auf der Straße“: Grünen-Chef verteidigt Merz in Stadtbild-Debatte

Matti Gerstenlauer
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Von Matti Gerstenlauer
| 21.11.2025 13:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Neben den Linken und Teilen der SPD waren es bislang vor allem auch die Anhänger und Abgeordneten der Grünen, die Friedrich Merz in diesem Zusammenhang Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorwarfen. Foto: dpa/Carsten Koall
Neben den Linken und Teilen der SPD waren es bislang vor allem auch die Anhänger und Abgeordneten der Grünen, die Friedrich Merz in diesem Zusammenhang Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorwarfen. Foto: dpa/Carsten Koall
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Nachdem weite der Teile der Grünen die Aussage von Merz, Deutschland hätte ein Problem im Stadtbild, scharf kritisierten, schlägt der Parteivorsitzende Felix Banaszak in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ überraschend versöhnlichen Töne in Richtung Kanzler an.

Hat Deutschland ein „Problem“ im Stadtbild? Die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) löst seit Wochen Diskussionen in ganz Deutschland aus – sogar Demonstrationen gegen den Kanzler fanden statt. Neben den Linken und Teilen der SPD waren es bislang vor allem auch die Anhänger und Abgeordneten der Grünen, die Friedrich Merz in diesem Zusammenhang Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorwarfen. In der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ mit der gleichnamigen Moderatorin zeigte sich der Grüne Parteivorsitzende Felix Banaszak nun jedoch überraschend versöhnlich und erklärt, was ihn bewegt.

Angesprochen auf die scharfe Kritik an Bundeskanzler Merz für seine Stadtbild-Äußerung, zeigte sich Banaszak überraschend verständnisvoll gegenüber dem CDU-Politiker. „Mein Gefühl war, dass man, wenn man einfach nur laut genug sagt, das ist alles falsch, auch daran vorbeiredet, was Menschen einfach fühlen“, so der Parteivorsitzende der Grünen.

Er könne sich vorstellen, dass Menschen durch Teile von Duisburg oder Gelsenkirchen und sich fragen: „Hier hat sich ja was verändert. Ich sehe einfach Verwahrlosung auf der Straße, ich sehe leere Ladenlokale, ich sehe, dass Infrastruktur weggebröckelt ist.“ Deswegen müsse Politik die Menschen auch in dieser Wahrnehmung „erst einmal ernst nehmen“.

Um sicherzustellen, dass „wir in unserer Gesellschaft nicht nur noch aneinander vorbeireden“, dass müsse man die Menschen so annehmen und sagen: „Lass uns doch mal gucken, woran liegt’s denn, was kann man tatsächlich tun?“ Seine Hoffnung: Sich nicht nur die Programmatik herauszusuchen, die man selbst gerade vertreten möchte, können einen „Raum schafft, als Gesellschaft weiterzukommen und aus der Sprachlosigkeit rauszukommen“.

In dieser Hinsicht sei sogar Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit dem Vorsitzenden der Grünen einig. Er mahnte ebenfalls: „Nicht aneinander vorbeireden! Ich finde, das wird der Sache nicht gerecht. Ich würde mir wünschen, dass wir gerade im politischen Raum, bei denen, denen die Demokratie wirklich wichtig ist, versuchen, die Dinge zusammenzubringen.“ Es sei Falsch, nur noch Sprechzetel vorzulesen, denn am Ende könne man „jede Äußerung herrlich missverstehen“.

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