Osnabrück  Kostenloser Nahverkehr? Das war der erste Osnabrücker Klima-Abend

Julian Blome
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Von Julian Blome
| 21.11.2025 16:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Stadt hatte zum ersten Osnabrücker Klima-Abend am 19. November in die Lagerhalle eingeladen. Foto: Julian Blome
Die Stadt hatte zum ersten Osnabrücker Klima-Abend am 19. November in die Lagerhalle eingeladen. Foto: Julian Blome
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Die Stadt Osnabrück intensiviert beim Thema Klimaschutz die Öffentlichkeitsarbeit. Beim ersten „Klima-Abend“ in der Lagerhalle waren Bürger dazu eingeladen, mit verantwortlichen Akteuren aus der Stadtverwaltung ins Gespräch zu kommen. Das Interesse war groß.

Der Großteil der gut 200 Menschen, die sich an diesem Abend im Saal der Lagerhalle eingefunden hatten, war mit dem Fahrrad angereist. Das jedenfalls ergab eine kurze Umfrage zum Warmwerden: Von den 114 Teilnehmern, die sich an der interaktiven Abstimmung beteiligten, gaben 59 an, auf zwei Rädern gekommen zu sein – bei nasskaltem Novemberwetter wohlgemerkt.

Die Umfrage war eine Einleitung in das Thema der Veranstaltung, das Abstimmungsverhalten mindestens mal ein Hinweis darauf, wie die Gäste zu dem Thema stehen: Es ging um Klimaschutz und wie dieser in Osnabrück vorangetrieben werden kann. Die Stadt hatte interessierte Bürger zum ersten Osnabrücker „Klima-Abend“ eingeladen.

Beim Klimaschutz hat Osnabrück ein ambitioniertes Ziel: Bis 2040 will die Stadt klimaneutral sein. Um die Bürger bei diesem Vorhaben stärker mit einzubeziehen, wurde eben jener Klima-Abend ins Leben gerufen. Die Stadtgesellschaft sollte bei der Infoveranstaltung die Möglichkeit haben, mit der Kommunalverwaltung in den Dialog zu kommen und sich mit beteiligten Akteuren über den Klimaschutz in Osnabrück auszutauschen.

Oberbürgermeisterin Katharina Pötter zeigte sich erfreut über das große Interesse an der Veranstaltung. Einmal mehr betonte sie, der Weg zur Klimaneutralität sei kein Sprint, sondern ein Marathon. „Wir haben schon viel erreicht“, und dies sollte man sich bewusst machen – auch, um aus den bisherigen Erfolgen Motivation zu ziehen für das, was noch zu tun ist: „Es liegt noch eine Menge vor uns“.

Auf die Frage, in welchem Bereich sie bei sich im Privaten noch Verbesserungspotenzial in Bezug auf Klimaschutz sieht, erklärte Pötter, sich als Bewohnerin eines Altbaus besonders mit dem Thema effizientes Heizen herumzuschlagen. Damit lag sie auf einer Linie mit den Zuhörern, die in einer weiteren interaktiven Abstimmung mehrheitlich die Wärmeversorgung als den Sektor nannten, in dem es für sie besonders schwierig sei, auf Klimafreundlichkeit zu achten.

Vorreiterkonzept Klimaschutz nennt sich das Strategiepapier, mit dem Osnabrück die Klimaneutralität bis 2040 anstrebt. Federführend bei dem im Jahr 2024 vom Rat beschlossenen Maßnahmenpaket ist der städtische Fachbereich Klima, Natur und Umwelt. Leiterin Brigitte Strathmann erklärte, sie führe eine „hochqualifizierte“ Abteilung und spüre eine „hohe intrinsische Motivation“ bei ihren Mitarbeitern. „Wir haben eine Verwaltung, die Dinge anpackt“, versicherte sie dem Publikum.

Im Anschluss stellte je ein Vertreter des zuständigen Fachbereichs den bisherigen Fortschritt innerhalb der vier Handlungsfelder vor, die die Stadt im Zuge des Vorreiterkonzepts Klimaschutz definiert hatte: Strom, Wärme, Mobilität, sowie der Bereich Bildung und Ernährung. In allen Handlungsfeldern seien demnach Maßnahmen angelaufen. Zurzeit setzt die Stadt insbesondere auf Aufklärung und Beratungsangebote für die Bürger.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion sagte Stadtbaurat Thimo Weitemeier sinngemäß, die bisherigen Anstrengungen seien vor allem von intensiven Bestands- und Potenzialanalysen geprägt. Konkret geht es darum, zu ermitteln, wo in der Stadt es sich lohnt, ein Wärmenetz aufzubauen oder Photovoltaik zu installieren.

Daniel Waschow, Vorstandvorsitzender der Stadtwerke, machte Hoffnungen zunichte, eine Großstadt wie Osnabrück könne eine Quote von 100 Prozent Ökostrom erreichen, was unter anderem an begrenztem Raum für großflächige Photovoltaikanlagen liegt. Eine Wärmewende hingegen liege schon eher in der Hand des städtischen Energieversorgers.

Sven Ruschhaupt, Geschäftsführer der Handwerkskammer, hob derweil hervor, dass es Handwerker benötige, um die Installation von klimafreundlichen Technologien umzusetzen. Mit seinem Aufruf ans Publikum, mehr Handwerker zu produzieren, sorgte er für Lacher.

„Das Klima ist für Jugendliche ein sehr emotionales Thema“, ließ Benedikt Knillmann vom Jugendparlament Osnabrück auf dem Podium verlauten. Mit Bedauern stellte er deshalb fest, dass das Thema auf Bundesebene zunehmend aus dem politischen Diskurs verschwinde. Für den Wunsch, aus der Politik mehr konkrete Signal pro Klimaschutz zu bekommen, erntete er Applaus.

Zuspruch erhielt er von Ulrike Sensse. Ihre Bürgerinitiative „Osnabrück klimaneutral“ hatte es der Stadt durch einen Einwohnerantrag laut eigener Aussage überhaupt erst „eingebrockt“, sich intensiver mit Klimaschutz zu beschäftigten. Als Sprachrohr der Zivilgesellschaft forderte auch sie von der Politik mehr Kommunikation und Transparenz.

Während des Bühnenprogramms beschränkte sich die Rolle des Publikums zunächst auf die des Zuhörens. Es konnten zwar per Handy Fragen eingereicht werden – auf diese wurde aber nur zum Teil eingegangen. Im Anschluss an den offiziellen Teil gab es für die Gäste dann jedoch die Möglichkeit, im weiten Rund der Lagerhalle mit den beteiligten Akteuren das persönliche Gespräch zu suchen.

Bevor es so weit war, hatte Moderator Sören Hage jedoch noch eine provokante Frage in petto. Am Ende des Bühnenprogramms wollte er von Daniel Waschow wissen, ob der sich schon einmal über kostenlosen ÖPNV in Osnabrück Gedanken gemacht habe – zum zustimmenden Beifall des Publikums.

Der Vorsitzende der Stadtwerke verwies in dieser Angelegenheit auf den kommunalen Haushalt und gab die Frage weiter an den einzigen Vertreter der Stadt in der Runde, Thimo Weitemeier. Der wiederum erklärte, er sei nicht der Schatzmeister.

Die Debatte endete mit Daniel Waschows Vermutung, dass ein kostenloser ÖPNV Osnabrück finanziell überfordern könnte – ehe die Stadt zum Ausklang des ersten Klima-Abends für alle Gäste Pizza spendierte.

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