Osnabrück  Bilanz von „MOIN+“ im Landkreis Osnabrück: Schnellbus stark, Lütti umstritten

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 22.11.2025 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bei einer Pressekonferenz in Bohmte stellten Landrätin Anna Kebschull (3.v.l.) sowie die Projektleitungen Marcel Paul und Sarah Born (Bildmitte) die Ergebnisse des Mobilitätsprojekts vor – darunter neue Buslinien, Lütti, Mobilstationen und Carsharing-Angebote. Foto: Landkreis Osnabrück/Oliver Leggewie
Bei einer Pressekonferenz in Bohmte stellten Landrätin Anna Kebschull (3.v.l.) sowie die Projektleitungen Marcel Paul und Sarah Born (Bildmitte) die Ergebnisse des Mobilitätsprojekts vor – darunter neue Buslinien, Lütti, Mobilstationen und Carsharing-Angebote. Foto: Landkreis Osnabrück/Oliver Leggewie
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Das Mobilitätsprojekt „MOIN+“ im Landkreis Osnabrück endet – mit Licht und Schatten. Die Schnellbuslinien überzeugen, Lütti wird nur in Bramsche und Melle verlängert. Carsharing funktioniert hingegen nur an wenigen Standorten. Eine Bilanz.

Das zweijährige Mobilitätsprojekt „MOIN+“ im Landkreis Osnabrück steht vor dem Abschluss. Bei einem Termin in Bohmte zog der Landkreis eine positive Bilanz – Landrätin Anna Kebschull sprach von einem „vollen Erfolg“ und einem „Schub für den ÖPNV“. Tatsächlich zeigen die präsentierten Zahlen Fortschritte, doch das Bild fällt regional sehr unterschiedlich aus: Während Schnellbuslinien überzeugen, wurde Lütti im Nordkreis beendet – und das Carsharing funktioniert nur an einigen Standorten.

Die Schnellbuslinien S20 (Osnabrück–Bad Essen) und S40 (Osnabrück–Bad Laer–Glandorf) zählten 2025 werktags jeweils mehr als 700 Fahrgäste – ein Zuwachs von bis zu 17 Prozent zum Vorjahr bei der S20 und von 10 Prozent zum Vorjahr bei der S40.

Auch die Regio-Buslinie 260 (Bohmte–Bramsche) verzeichnete wochentags gut 600 Fahrgäste und wird auch 2026 weitergeführt. Die drei Linien sind damit die verlässlichsten Bestandteile des Mobilitätsprojekts.

Der Rufbus „Lütti“ läuft offiziell Ende 2025 aus. Da der Start im Rahmen von MOIN+ später erfolgte als geplant, wird die Finanzierung des On-Demand-Verkehr durch Fördermittel bis April 2026 verlängert – allerdings nur in Melle und Bramsche. In beiden Kommunen wird „Lütti“ anschließen überwiegend durch eigene Mittel finanziert, unterstützt durch Zuschüsse des Landkreises Osnabrück. Insgesamt sind in Bramsche, Bersenbrück und Melle seit April 2024 rund 170.000 Fahrgäste „Lütti“ gefahren, wie der MOIN+-Projektleiter Marcel Paul mitteilte. Damit seien die Erwartungen übertroffen worden. Paul konstatierte: „In Melle und Bramsche sind wir nahezu vollständig ausgelastet.“

In Melle belaufen sich die Kosten für ein weiteres Jahr auf rund eine Million Euro, durch Fördermittel reduziert sich der Betrag auf etwa 800.000 Euro.

In Bramsche rechnet die Stadtverwaltung mit rund 730.000 Euro. Ein Teil davon soll durch Einnahmen aus dem Ticketverkauf und Einsparungen im bestehenden Linien im Stadtbusnetz ausgeglichen werden. Ein erheblicher Anteil der Finanzierung soll zudem über eine neue Abgabe erfolgen, die künftig von Windparkbetreibern im Stadtgebiet erhoben wird. Auch der Landkreis steuert zusätzliche Fördermittel bei. Die verbleibenden Mittel werden aus dem Haushalt der Stadt finanziert – mit möglichen Kürzungen in anderen Bereichen.

Der Nordkreis hingegen zog die Reißleine: Die Samtgemeinde Bersenbrück verzichtete auf eine Fortführung, der Samtgemeinderat lehnte die Verlängerung von Lütti einstimmig ab. Vor Ort sei deutlich geworden, dass sich die meisten Fahrten auf Strecken konzentrierten, die bereits durch Busse versorgt werden – während abgelegenere Bereiche kaum erreicht worden seien. Das Modell habe sich für die Region nicht bewährt und sei für die Kommune nicht finanzierbar.

In einem Schreiben an die Landrätin schlug Bürgermeister Michael Wernke jedoch vor, einen neu strukturierten On-Demand-Verkehr künftig gemeinsam mit Taxi- und Busunternehmen aus dem nördlichen Landkreis zu entwickeln – als besser zugeschnittenes Konzept. Dazu kommt es 2026 aus finanziellen Gründen jedoch nicht.

MOIN+-Projektleiter Marcel Paul kündigte an, das Konzept „gemeinsam mit den Kommunen weiterzuentwickeln, um erfolgreiche und finanzierbare Modelle zu entwickeln“.

Der Landkreis führte seit Juli 2024 an zehn Orten Carsharing mit E-Fahrzeugen ein. Bis Ende Oktober 2025 wurden die Fahrzeuge 1750 Mal gebucht, die durchschnittliche Buchung dauerte nach Angaben des Landkreises vier Stunden und umfasste 42 Kilometer. Besonders gut angenommen wurden die Standorte in Quakenbrück, Bad Rothenfelde und Bohmte – dort wird Carsharing ab 2026 fortgeführt.

In anderen Kommunen blieb die Nachfrage gering. Zwischen Juli 2024 und Juli 2025 ist das E-Auto in Neuenkirchen nur 57 Mal – und damit im Schnitt nur vier Mal pro Monat – gefahren worden. Für die Samtgemeinde Neuenkirchen war die Nachfrage deutlich zu gering. Der Samtgemeinderat beschloss mit deutlicher Mehrheit, den Carsharing-Standort aufzugeben.

In Fürstenau war die Nachfrage nach dem Fahrzeug im Zeitraum von rund einem Jahr sogar noch geringer. Das E-Auto wurde nur 49 Mal genutzt – so wenige Fahrten gab es sonst an keinem der zehn Standorte im Kreisgebiet. Unterm Strich liegt die Entscheidung über eine Weiterführung bei den Gemeinden selbst, da der Landkreis nach Ende der Förderung aus der Finanzierung aussteigt.

Von den 20 geplanten Mobilstationen sind bereits 15 in Betrieb, die übrigen stehen kurz vor der Fertigstellung. Viele Städte und Gemeinden im Osnabrücker Land verfügen inzwischen über überdachte oder abschließbare Fahrradabstellanlagen – nur Bad Iburg nicht. Die Stadt lehnte das Angebot ab.

Bürgermeister Daniel Große-Albers erklärte, man habe die Mobilstation grundsätzlich begrüßt, sie aber aus finanziellen Gründen nicht übernehmen können. Ab 2026 müssen die Kommunen Betrieb, Wartung und mögliche Reparaturen selbst tragen. Bad Iburg sei hoch verschuldet, so der Bürgermeister, „wir können uns so eine Mobilstation hier nicht leisten“.

Bei der Darstellung der geplanten Fortsetzung des On-Demand-Verkehrs „Lütti“ im Jahr 2026 ist es in einer ersten Fassung dieses Berichts zu einem Fehler gekommen. Richtig ist: Da der Start des Projekts im Rahmen von MOIN+ später als vorgesehen begann, wird die Finanzierung durch Fördermittel zunächst bis April 2026 verlängert – allerdings nur in Melle und Bramsche. Erst anschließend werden die beiden Städte den Betrieb überwiegend selbst tragen, ergänzt durch Zuschüsse des Landkreises Osnabrück. Unsere Redaktion hat den Bericht an dieser Stelle nachträglich korrigiert.

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