Osnabrück Theatersanierung in Osnabrück: Wird die Herz-Jesu-Kirche zum Probenzentrum?
Stadtbaurat Thimo Weitemeier bringt eine neue Möglichkeit für das Probenzentrum des Theaters ins Spiel: Statt am Limberg neu zu bauen, will er die Möglichkeit erörtern, die ehemalige Herz-Jesu-Kirche zum Probenzentrum und zur zusätzlichen Spielstätte umzubauen.
Ohne neues Probenzentrum kann die Sanierung des Theaters am Domhof nicht starten. Deshalb laufen seit Jahren Planungen für ein Proben- und Werkstattzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Britenkaserne am Limberg. Gerade ist die Planungsphase 2 abgeschlossen worden.
Jetzt hat Stadtbaurat Thimo Weitemeier den Fortgang der Planungen angehalten. Denn es gibt eine neue Idee: Das Probenzentrum könnte in der Herz-Jesu-Kirche entstehen.
Die Vorteile liegen auf der Hand: „Statt eine halbe Stunde mit dem Auto durch die Stadt zu fahren, wären die Mitarbeiter in fünf Minuten zu Fuß im Theater“, sagt Intendant Ulrich Mokrusch. Und das wäre bei weitem nicht der einzige Pluspunkt für das Areal zwischen Herrenteichswall und Erich-Maria-Remarque-Ring.
Weitemeier sieht in dem Um- und Neubau ein „belebendes Element in der Stadt“. Gleichzeitig erweitert der Standort Herz-Jesu-Kirche die Möglichkeiten, an Fördergelder zu kommen. Die sind nämlich begrenzt: „Die Sanierung von Kulturbauten in Kommunen fördert der Bund nur in Ausnahmefällen“, sagt Kulturdezernent Wolfgang Beckermann. Mit Wünschen nach Bundesmitteln „läuft man vor Betonwände“, fügt er hinzu.
Eine Ausnahme bildet lediglich das Förderprogramm Kulturinvest des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Wolfram Weimer: Dieses Programm sieht eine Förderung von maximal 50 Prozent der Bausumme, begrenzt auf maximal 20 Millionen Euro vor.
Für den Bau am Limberg wäre das der einzige Topf, den Osnabrück anzapfen könnte. Ein Probezentrum in der Innenstadt eröffnet hingegen Spielräume, auch weil Weitemeier Herz Jesu als Teil eines Stadtentwicklungsgebietes interpretiert, das vom Carolinum bis zum Hannoverscher Bahnhof reicht. Damit könnte Osnabrück Städtebauförderung aus dem Programm „Lebendige Innenstadt“ beantragen. Womöglich kämen auch Mittel für Denkmalpflege infrage.
Entstanden ist die Idee, nachdem das Bistum auf die Stadt zugekommen war: Die Kirche ist seit Februar profaniert, wird also nicht mehr als Kirchenraum genutzt. Aber das Bistum betreibt auf dem Areal einen Kindergarten, der dringend saniert werden muss. So entstand die Frage: Was kann die Stadt mit dem Areal anfangen?
So keimte die Idee mit dem Probenzentrum auf. Erste Skizzen zeigen einen vierstöckigen Anbau für eine Probebühne mit den Maßen der Hauptbühne im Theater am Domhof. Das Kirchenschiff selbst bekäme einen Einbau mit einer kleinen Bühne und Platz für rund 100 Zuschauer. „Die Fassade ist denkmalgeschützt“, sagt Weitemeier, „im Inneren sind wir relativ frei.“
Damit würde eine zusätzliche Spielstätte entstehen, an der das Theater nicht nur probt, sondern seine vielen Aktivitäten vom Jugendclub über die transkulturellen Projekte bis hin zum Kinder- und Jugendtheater bündeln könnte, wie Mokrusch sagt. Das Obergeschoss würde sich sogar als zusätzlicher Ort für Empfänge oder ähnliche Veranstaltungen anbieten, sagt Weitemeier – der Stadtbaurat hat sichtlich Freude an dieser Form der Nachnutzung für die Herz-Jesu-Kirche.
Allerdings ist das an ein paar Bedingungen geknüpft. Die geringste dürfte die Überlassung des Areals sein: Da hat das Bistum schon Kooperationsbereitschaft signalisiert. Außerdem muss ein Ausweichort für den Kindergarten gefunden werden. Ungelöst bliebe schließlich die Frage nach einem Werkstattzentrum – die Kombination von Werkstatt- und Probenzentrum wie am Limberg lässt sich in der Innenstadt nicht realisieren. Stattdessen schlägt Weitemeier vor, die bestehenden Werkstätten in der Rheinstraße zu sanieren und zu ertüchtigen.
An diesem Donnerstag, 20. November, stellen Weitemeier und Beckermann die Idee erstmals dem Kulturausschuss vor und am Dienstag, 25. November, dem Betriebsausschuss Immobilien- und Gebäudemanagement vor. Bis April 2026 soll eine Machbarkeitsstudie durchgeführt werden, um den Ratsgremien noch vor der Sommerpause 2026 und damit vor der Kommunalwahl eine Beschlussfassung vorzulegen.
Sollte sich die Herz-Jesu-Kirche als geeignet erweisen, favorisiert Weitemeier eine Lösung in drei Schritten: Die Fertigstellung des Probenzentrums als unablässigen ersten Schritt, dann die Sanierung des Theaters am Domhof und als dritten Schritt die Sanierung des Werkstattzentrums.