Osnabrück Flexiblere Abholzeiten: Diese Grundschule in Osnabrück zeigt, dass es geht
Mit einer Online-Petition setzt sich eine Mutter für flexiblere Abholzeiten an den Osnabrücker Grundschulen ein. Die Drei-Religionen-Schule bietet das bereits. Warum diese Grundschule einen Sonderweg geht – und wie gut das funktioniert.
Bei den Abholzeiten für Grundschulkinder in Osnabrück gilt ein Alles-oder-Nichts-Prinzip, gegen das die Osnabrücker Mutter Eva-Maria Gersch zurzeit mit einer Online-Petition mobil macht: Entweder die Kinder gehen nach dem Vormittagsunterricht und damit vor dem Mittagessen nach Hause, oder sie besuchen tageweise den schulischen Ganztag, teilweise bis um 15.30 Uhr.
Gersch fordert eine dritte Abholzeit gegen 14 Uhr, und mehr als 1000 Menschen (Stand: 20. November) haben ihrer Forderung bereits digital auf openPetition.de Nachdruck verliehen. Es gibt in Osnabrück aber eine Schule, die genau das bietet, was viele Eltern sich wünschen, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können.
Die Drei-Religionen-Schule in der Süsterstraße hat eine dritte Abholzeit um 14.15 Uhr, und zwar schon seit Jahren. Und damit seien nicht nur die Eltern sehr zufrieden, sagt Schulleiterin Birgit Jöring auf NOZ-Anfrage, sondern auch sie und ihr Kollegium. Möglich ist das, weil die Schule sich nicht in Trägerschaft der Stadt befindet, sondern in Trägerschaft der Schulstiftung im Bistum Osnabrück.
Es handelt sich um eine teilgebundene Ganztagsschule. Bis zu diesem Schuljahr gab es noch zwei Tage, an denen der Besuch des Ganztags bis 15.50 Uhr Pflicht war. Aber als die Schule die Eltern befragte, sei herausgekommen, dass diese zwei Pflichtnachmittage mit Aktivitäten wie Schwimmen, Erstkommunionsunterricht oder Fußball kollidierten, erläutert Jöring.
Die Eltern hätten sich mehr Flexibilität gewünscht – und die Schule kam diesem Wunsch nach, indem sie die zwei Pflicht-Ganztage bis 14.15 Uhr verkürzte – mit der Option auf Verlängerung bis 15.45 Uhr wie an den anderen Tagen auch (außer Freitag). Ihre Schule arbeite viel mit Evaluationen, sagt Jöring. „Die Eltern sind sehr glücklich darüber“, sagt Jöring.
Wer nach 15.45 Uhr noch Betreuung benötigt, kann kostenpflichtig den Hort dazubuchen. Flexibilität bei den Abholzeiten heißt übrigens nicht, dass die Eltern ihre Kinder je nach Tagesform abholen können, wann sie wollen – sie müssen sich schon fürs Schulhalbjahr auf konkrete Zeiten festlegen.
Noch etwas ist anders an der Drei-Religionen-Schule im Vergleich zu den Grundschulen in städtischer Trägerschaft: Die Schule hat keinen externen Kooperationspartner für den schulischen Ganztag und den Hort, sondern macht das Angebot selbst.
Leer ist die Schule nachmittags nicht, im Gegenteil: „Viele nehmen das Ganztagsangebot an“, sagt Jöring. Nach dem Mittagessen ist Lernzeit im Klassenverband bis 14.15 Uhr. Circa 75 Prozent der Grundschüler blieben auch danach in der Schule und besuchen Sport-, Bastel-, Koch- oder Theaterprojekte aus dem schulischen Ganztag. „Ein vielseitiges Angebot ist uns wichtig“, betont Jöring. Dazu kooperiert die Schule auch mit externen Trägern wie Musikschule oder der Ballschule Bakos.