Osnabrück Nächstes Großprojekt in Osnabrück: Wohnen und arbeiten auf dem Magnum-Gelände
Osnabrück erfindet sich im Osten neu: Neben dem Lokviertel soll auf dem Gelände des früheren Stahlwerks ein weiteres Quartier entstehen, das Wohnen und Arbeiten verbindet. 2000 Menschen sollen hier Platz finden – aber keine Autos.
Wo in Osnabrück einst Stahl glühte und später monströse Metallbehälter vorsichtig aus den Hallen bugsiert wurden, soll ein lebendiges Quartier entstehen: Auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks auf der Schnittstelle zwischen Schinkel und Fledder ist ein Gebiet geplant, das Wohnen und Arbeiten verbindet. Das Großprojekt nimmt Formen an, die Planungen werden demnächst öffentlich ausgelegt.
„Graue Flächen“ nennen Städteplaner Industriebrachen, wie sie die Georgsmarienhütte-Gruppe im Fledder hinterlassen hat. 150 Jahre wurde auf den knapp 16 Hektar zwischen Bahnlinie und Mindener Straße Stahl produziert oder verarbeitet. Bis 2016. Da schlitterte die IAG Magnum GmbH, eine Tochtergesellschaft der Georgsmarienhütte-Gruppe in die Insolvenz. Seither stehen die riesigen Hallen leer, wächst draußen das Grün.
Die Fläche ist in Besitz der GMHütte Real Estate GmbH. 2023 lobte die Eigentümergesellschaft einen Architektenwettbewerb aus, den die Architektenteams von Astoc und Greenbox aus Köln mit einem Entwurf gewannen, der Spektakuläres und Alltägliches verbindet.
Spektakulär ist die Idee, die 215 Meter lange Halle 4 zu erhalten, zu skelettieren und zum Quartiermittelpunkt zu machen, durch den eine Straße führen soll. Die zwölf Meter hohen Stahlträger böten sogar die Möglichkeit, einen kleinen Sportplatz einzuhängen.
Ob diese Idee den Realitätstest besteht, ist offen. Wie insgesamt die Planer den Investoren viel Raum lassen, eigene Konzepte umzusetzen. Nur der Rahmen steht – womit wir beim Alltäglichen sind: Das Quartier soll Platz für Wohnungen, Gewerbe, Produktion, Freizeit und soziale Einrichtungen bieten.
2000 Menschen sollen in dem Magnum-Quartier wohnen und 3000 Menschen arbeiten können. Die traditionelle Trennung von Wohnung und Arbeitsplatz werde aufgehoben, wie Projektentwickler Martin Lepper von der Firma The Real Creators sagt. Der Hamburger Immobiliendienstleister unterstützt die GMHütte Real Estate bei der Projektentwicklung.
Dass Osnabrück diese Wohnungen braucht, steht für Stadtbaurat Thimo Weitemeier und Holger Clodius, Leiter des Fachbereichs Städtebau, außer Frage. Sie zitierten in einem Pressegespräch beide das aktuelle Wohnraumversorgungskonzept, wonach zwischen 2023 und 2040 in Osnabrück 8000 zusätzliche Wohnungen neu gebaut werden müssten, um den Bedarf zu decken.
Autos wird es im Magnum-Quartier nur am Rande geben. Alle Wegebeziehungen seien „an der Fußgängerwelt orientiert“, so Lepper. Eine Straße soll das Areal durchqueren und die Franz-Lenz-Straße im Hasepark mit der Carl-Fischer-Straße verbinden, wo vor wenigen Tagen Kaufland einen Einkaufsmarkt eröffnet hat. Für Bewohner und Gäste des künftigen Wohnquartiers wird es jeweils an den Einfahrten ins Quartier Parkmöglichkeiten geben – im Planerdeutsch sind das „Mobilitätszentren“.
Am Donnerstag, 27. November, wird sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (Stua) mit dem Bebauungsplan (Nr. 586 westlich Carl-Fischer-Straße) befassen und ihn voraussichtlich in die nächste Verfahrensstufe heben.
Das heißt: Der Bebauungsplan wird vom 15. Dezember 2025 bis 29. Januar 2026 im Internet veröffentlicht und im Fachbereich Städtebau (Dominikanerkloster, Hasemauer 1) öffentlich ausgelegt. Jeder kann in der Zeit Anregungen und Bedenken zu den Planungen zu Protokoll geben.
Der Bebauungsplan sieht bislang ein Gewerbegebiet vor. Künftig ist die Einstufung als „Urbanes Gebiet“ vorgesehen. Diese erst vor wenigen Jahren in die Baunutzungsverordnung aufgenommene Kategorie erleichtert es Kommunen, Wohnungsbau und nicht störendes Gewerbe zu mischen.
Das Magnum-Quartier ist nur durch Hase und Bahnlinie vom Lokviertel getrennt, wo in den nächsten Jahren ein ebenfalls weitgehend autofreier Stadtteil entstehen wird. Eine Rad- und Fußgängerbrücke soll die Verknüpfung herstellen.
Anne-Marie Großmann, Miteigentümerin der GMH Gruppe, wird in einer Mitteilung mit den Worten zitiert: „Das Magnum-Areal ist ein Rohdiamant, der nun geschliffen werden muss. Wir geben der Stadt einen Ort zurück, der tief in ihrer Geschichte verwurzelt ist und gleichzeitig das Potenzial hat, eine neue urbane Identität zu prägen.“
Die Stadt Osnabrück wird am Ende des Bauleitverfahrens mit der GMHütte Real Estate einen städtebaulichen Vertrag abschließen. Die GMHütte-Tochtergesellschaft will das Gebiet erschließen und in einzelnen Paketen vermarkten.
„Für uns bedeutet die Transformation dieses Areals weit mehr als die Entwicklung eines neuen Stadtteils. Wir verstehen sie als Chance, Tradition und Zukunft an einem Ort miteinander zu verweben“, sagt Konstantin Biermann, Geschäftsführer der GMH Real Estate. „Wir suchen deshalb Investoren und Nutzer, die unser Leitbild als DNA des Quartiers mittragen.“ Er beschreibt das Ziel so: „Wir wollen nicht nur bauliche Hüllen schaffen, sondern Räume für Austausch, Kooperation und neue Formen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens.“
Der Prozesse werde sich „fünf, zehn oder noch mehr Jahre hinziehen“, so Projektentwickler Lepper. Die Gesamtinvestition schätzt er auf mehr als eine halbe Milliarde Euro.