Osnabrück Knackpunkt Quartiersgarage: Großes Bauprojekt in Osnabrück lässt weiter auf sich warten
Viele Vorgaben beim Wohnungsbau können das Wohnen für Mieter und Käufer schöner machen. Aber auch teurer und komplizierter. Das zeigt ein geplantes Wohngebiet in Lüstringen.
Im August hätte die Politik das Bauprojekt eigentlich schon auf den Weg bringen sollen, dann im September, doch auch im Oktober und November tauchte es nicht auf der Tagesordnung auf: das Quartier 21-L, das das Osnabrücker Stephanswerk in Lüstringen umsetzen möchte. Wo liegt das Problem?
Beim städtebaulichen Vertrag. Es ist üblich, dass Stadt und Investor wichtige Details in einem solchen festschreiben, etwa Baustandards, Begrünung und Photovoltaik. Für größere Projekte verlangt die Stadt ein Mobilitätskonzept – auch für genannten Bebauungsplan Schafmarsch West an der Mindener Straße mit seinen rund 90 geplanten Wohneinheiten. Der Vertrag ist Voraussetzung, damit die Politik ihn verabschieden kann.
„Es haben sich jedoch bei der Erstellung des städtebaulichen Vertrages Punkte ergeben, die Stadt und Stephanswerk zunächst gemeinsam klären müssen“, erläutert Stadtsprecher Simon Vonstein auf Anfrage. „Im Mittelpunkt dieser Klärung steht das Mobilitätskonzept.“
„In erster Linie“ gehe es um die geplante zweistöckige Quartiersgarage, denn das neue Viertel selbst soll weitgehend autofrei sein. Und irgendwo müssen die Bewohner ihre Autos ja parken – vor den Türen der einzelnen Gebäude sind jedenfalls keine Parkplätze vorgesehen. Lediglich ein paar Besucherparkplätze und einen Platz für Carsharing soll es geben.
Platz zum Verweilen und Spielen, statt Straßen und Autos: Was für viele Menschen erst einmal gut klingen mag, stellt Investoren vor Herausforderungen. Der Bau einer großen Quartiersgarage kostet Millionen. Das größere Problem: Wer soll eine solche Garage betreiben – und zwar mindestens kostendeckend?
Und so heißt es auch zum geplanten Projekt in Lüstringen: „Hier ist einfach die große Herausforderung, dass es neben der reinen Errichtung ein funktionierendes Betreibermodell braucht, und dazu laufen noch Abstimmungen“, erklärt Stadtsprecher Vonstein.
„Grundsätzliches gemeinsames Ziel bleibt es, der Politik möglichst zeitnah eine tragfähige Lösung vorzulegen“, versichert er.
Da die Abstimmungen mit der Stadt weiterhin laufen, wollte sich das Stephanswerk auf Anfrage unserer Redaktion zu diesem Zeitpunkt nicht zu möglichen Problemen mit dem städtebaulichen Vertrag und der Quartiersgarage äußern, sondern erst danach.
Quartiersgaragen sind auch für andere Großprojekte in Osnabrück vorgesehen, etwa für das ebenfalls weitgehend autofreie Lok-Viertel und das geplante Wohnquartier an der Windthorststraße in Schinkel-Ost. Am Moskaubad soll ebenfalls eine entstehen. Damit befasst sich die Politik in der kommenden Woche.