Osnabrück  Jahreshauptversammlung des VfL Osnabrück: Emotionale Momente, Wahlen und ein Hauskauf

Susanne Fetter, Malte Artmeier
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Von Susanne Fetter, Malte Artmeier
| 19.11.2025 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Volles Haus: Über 300 Mitglieder kamen zur Jahreshauptversammlung des VfL Osnabrück in die Botschaft. Foto: Michael Titgemeyer
Volles Haus: Über 300 Mitglieder kamen zur Jahreshauptversammlung des VfL Osnabrück in die Botschaft. Foto: Michael Titgemeyer
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338 Mitglieder des VfL Osnabrück haben am Dienstag an der Jahreshauptversammlung teilgenommen. Beirat und Aufsichtsrat wurden zu Teilen neu gewählt. Wichtige Themen waren die Sanierung des Stadions sowie eine drohende Beschneidung der Fan-Rechte. Geschäftsführer Michael Welling verkündete den Kauf eines Hauses.

Als die Veranstaltung am Dienstagabend um 18.30 Uhr beginnen sollte, stand noch eine durchaus lange Schlange vor der Tür der Botschaft. 338 Mitglieder kamen zur Jahreshauptversammlung des VfL Osnabrück. Einige nahmen dafür sogar eine mehrstündige Anreise auf sich - auch wenn die Lage und die Themen nicht ganz so brisant waren wie im vergangenen Jahr.

Im Zentrum standen diesmal die Wahlen einiger Positionen im Beirat und im Aufsichtsrat des Vereins. Für die beiden freien Plätze im Beirat traten Dieter Blessing, Alexander Stuckenberg und Winfried Wilkens an. Die Mitglieder stimmten elektronisch ab, die vorsichtshalber bereitgelegten Stimmkarten blieben auf den Sitzen. 338 Mitglieder waren stimmberechtigt. Stuckenberg wurde mit einer deutlichen Mehrheit von 277 Stimmen erneut in das Gremium gewählt, Blessing und Wilkens gingen in den zweiten Wahlgang, in dem sich Blessing mit 288 Stimmen gegen den ehemaligen Kreisrat (84 Stimmen) durchsetzte. Aus dem Gremium schied der ehemalige Präsident Manfred Hülsmann aus, der sich in einer kurzen, aber emotionalen Rede verabschiedete.

Der Beirat ist das wichtigste Gremium des Vereins und unter anderem zuständig für die Besetzung der Geschäftsführung des Vereins. Neben Stuckenberg und Blessing gehören ihm Präsident Holger Elixmann und die Vizepräsidenten Michael Wernemann dem Nikolaus Hahnenkamp an. In den Ehrenrat wurden Axel Balzer, Jörn Brauer und Hans-Peter Scharmacher mit jeweils über 90 Prozent Zustimmung wiedergewählt.

Für eine Position im Aufsrichsrat stellten sich Frank Knäuper, Rüdiger Kuhlmann und Lisa Roggenkamp erneut zur Verfügung. Maximilian Aulbert und Jan-Philipp Wieziolkowski, beide von der Initiative „Mythos Bremer Brücke erhalten“, kandidierten zum ersten Mal. Hier war kein zweiter Wahldurchgang nötig. Roggenkamp schaffte es mit 298 von 333 Stimmen direkt erneut in das Gremium, Wieziolkowski (269) und Aulbert (210) gehören darüber hinaus künftig dem Aufsichtsrat an.

Stuckenberg hatte seine Redezeit von zwei Minuten vor der Wahl in den Beirat für einen flammenden Appell zur Wahrung der Rechte der Fans genutzt und noch einmal die Anliegen der Fans in den Vordergrund gerückt, die am Wochenende in Leipzig demonstrierten. Er zitierte die Zahlen der Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze und kritisierte die Forderungen der Innenministerkonferenz scharf - vor allem eine mögliche Neuerung des Stadionverbotsgesetzes. „Schluss mit Populismus. Ja zur einzigartigen Fankultur in Osnabrück und Deutschland“, rief Stuckenberg.

Auch Präsident Holger Elixmann hatte in seiner Rede zu Beginn der Veranstaltung die aktuelle Diskussion um die Rechte der Fans aufgenommen und einen ähnlichen Ton angestimmt. „Da geht es um Rechte, die uns alle betreffen und nicht nur eine kleine Minderheit“, sagte der Präsident und fügte an: „Da möchte man aus meiner Sicht ohne erkennbaren Anlass, diese einzigartige Fankultur unnötig so stören, dass sie in dieser Form so nicht möglich wäre. Da gibt es von uns allen erheblichen Widerstand.“ Für diesen Appell erntete Elixmann im Saal großen Applaus.

Der Präsident dankte zudem allen, die den Verein in dieser Saison bisher in eine sportlich erfolgreiche Lage geführt hatten und betonte: „Danke, dass die Hoffnung zurück ist. Das Schöne ist, dass wir alle wieder mit einem guten Gefühl zur Bremer Brücke gehen dürfen.“ Dass die Anhänger des VfL noch lange regelmäßig dort Spiele ihres Vereins sehen dürfen, liegt auch daran, dass der Rat der Stadt vor wenigen Wochen für die Sanierung des Stadion gestimmt hatte. „Ein wirklich beeindruckendes Zeichen der Stadt für den VfL Osnabrück und den Profisport - vielen Dank dafür“, sagte Elixmann.

In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung hatte der Verein in diesem Jahr bereits die Weichen für eine Übertragung der Eigentumsrechte an die Stadt gestellt. Ob der Verein Veto- oder Sonderrechte behält und welche das sein könnten, sei noch nicht ganz sicher, so der Präsident. „Doch wir werden dafür kämpfen“, versicherte er.

Beim Tagesordnungspunkt „Berichte aus den Abteilungen“ kam erstmals die neu gegründete Abteilung „Museum“ zu Wort, die aktuell 91 Mitglieder zählt. Vizepräsident Christoph Determann übernahm hier die kommissarische Leitung und wurde bei seinem Vortrag vom Fanbeauftragten David Kreutzmann unterstützt. Determann rief noch einmal dazu auf, die Zweitmitgliedschaft für die Abteilung zu nutzen und gedachte noch einmal dem in diesem Jahr verstorbenen Museumsgründer Bernhard Lanfer. Einer von zwei besonders bewegenden Momenten der Veranstaltung.

Ein weiterer folgte bei der Verabschiedung von Harry Krogull, der nach 25 Jahren sein Amt als Vorsitzender der Schwimmabteilung abgab und sichtlich zu Tränen gerührt war. Der 69-Jährige ist seit Kurzem Präsident des Landesschwimmverbandes Niedersachen und betonte: „Dem Verein und der Schwimmabteilung bleibe ich aber treu!“

Zügig sollte die Veranstaltung durchgeführt werden, hatte Versammlungsleiter Marc Schewski zu Beginn verkündet. Doch erst nach knapp drei Stunden rief er zur „Halbzeitpause“. Danach betrat Geschäftsführer Michael Welling die Bühne. Er stellte die Erfolge in der Vermarktung und beim Verkauf der Dauerkarten heraus, richtete seinen Blick aber auch noch einmal auf die sportliche Krise im vergangenen Jahr und dankte explizit noch einmal allen Beteiligten und besonders der „Taskforce“ um Ex-Manager Lothar Gans, den ehemaligen Torwarttrainer Rolf Meyer und Ex-Profi Christian Claaßen. Auch die beiden ehemaligen Trainer Marco Antwerpen und Frank Döpper schloss er in den Dank mit ein, verwies aber auch auf die Neuausrichtung im Verein nach der Trennung von dem Trainerduo aufgrund der Vorfälle rund um das Pokalfinale gegen Lohne.

Die sportliche Krise und die „Tabula Rasa“ im Winter, das betonte der Geschäftsführer in seiner Rede, hatten auch Auswirkungen auf die Zahlen. 199.000 Euro Fehlbetrag werden in der vergangenen Saison ausgewiesen - Grund dafür seien vor allem die deutlich niedrigeren TV-Gelder. Im Wirtschaftsplan hat man aber mit knapp 1,3 Millionen Euro gerechnet. Ohne „Tabula Rasa“ wäre ein positives Ergebnis drin gewesen. „Nur 200.000 Euro Verlust“ könne man angesichts der Situation in der vergangenen Saison sagen: „Aber es nervt mich trotzdem“, so Welling.

Kurz stellte der Geschäftsführer auch die neue Organisationsstruktur in der sportlichen Führung vor, die der Verein im Sommer eingeführt hatte, und richtete den Blick auf die aktuelle sportliche Lage. „Das ist eine Momentaufnahme, wir arbeiten daran, dass es weiter so geht“, sagte der Geschäftsführer und vermied dabei bewusst allzu euphorische Töne.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede: Die wichtigen anstehenden Infrastruktur-Projekte, die Welling unter den Stichworten „Höhe, Berg, Brücke, Allee“ sammelte. Hier ging es um den Neubau des Trainingszentrums am Schinkelberg, die Veränderungen an der Illoshöhe und natürlich die Sanierung des Stadions. Unter dem letzten Punkt „Allee“ verbarg sich eine Überraschung. Welling verkündete den Kauf eines Gebäudes an der Ebertallee. „Wir sind Wohneigentümer, wir haben ein Haus gekauft und auch die 18 Garagen, die dahinter sind“, verkündete Welling. Vor zweieinhalb Jahren hatte der Geschäftsführer das Gebäude, das direkt hinter der Ostkurve steht, zufällig auf einer Website entdeckt und einen offenbar langwierigen Prozess angestoßen, der nun abgeschlossen wurde. Der Verein wollte sich vor allem mit Blick auf die beengte Platzsituation rund um die Bremer Brücke das Grundstück sichern, so der Geschäftsführer.

Seine Rede war „ein Parforceritt“, wie Schewski betonte, durch die Themen, die den VfL aktuell und auch in Zukunft beschäftigten. Dennoch gelang es dem Geschäftsführer die zweite Halbzeit deutlich kürzer zu gestalten als die erste. Um 23 Uhr war Schlusspfiff - für einen Dienstagabend spät genug.

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