Zigaretten & Co. Lohnt sich das Automatengeschäft in Aurich?
Snackautomaten werden immer mehr, klassische Zigarettenautomaten scheinen im Stadtbild immer weniger zu werden. Woran liegt das und lohnen sich Automaten überhaupt? Wir haben nachgefragt.
Aurich - Zigaretten, Snacks oder Getränke: All das ist in Aurich über Automaten erhältlich. Wer früher nach Ladenschluss an die Tankstelle musste zum Einkaufen, findet heute ein breites Angebot im Automaten. Auch wenn sich die Automatenlandschaft verändert, die klassischen Zigarettenautomaten gibt es weiterhin.
Einer, der sich genau damit auskennt, ist Arno Fecht. Er betreibt das Hotel am Pferdemarkt und den Waschsalon am Carolingengang. Dazu gehören auch mehrere Automaten.
Zigarettenautomat lockt Kunden an
„Der Zigarettenautomat ist der Magnet, der die Leute weiter in den Laden lockt“, sagt Fecht. Links neben dem Zigarettenautomaten stehen nämlich drei große Snackautomaten. „Wer abends durch den Carolinengang läuft und sich Zigaretten kauft, der holt sich dann auch mal eine Cola“, so Fecht. Neben Getränken gibt es in den Automaten Süßigkeiten aller Art, frei verkäufliche Arzneimittel und auch Waschmittel für den angrenzenden Waschsalon, sagt Fecht. „Im Carolinengang ist eh viel Betrieb, weil drumherum Kneipen sind. Die Leute greifen wir mit den Automaten ab“, sagt Fecht. „Wenn da abends einer nach Hause geht, klemmt der sich noch mal zwei Dosen unter den Arm, holt sich ein paar Chips und lümmelt sich dann auf die Couch.“
Aber auch Vapes sind in den Automaten zu kaufen. Das sind kleine Geräte, die eine darin enthaltene Flüssigkeit erhitzen, die dann inhaliert werden kann. Mitunter kann auch Nikotin enthalten sein. Zusätzlich gibt es in den Snackautomaten auch Zigarettenzubehör und Tabak. Eine Konkurrenz zwischen klassischem Zigarettenautomat und den Snackautomaten – mit teils ähnlichem Inhalt – gibt es laut Fecht aber nicht. „Die tun sich nichts“, sagt er. Ganz grundsätzlich beobachte er aber schon, dass immer weniger Menschen rauchen – dafür aber mehr Menschen zu Vapes greifen.
Snackautomaten anfälliger für Vandalismus
Daran, den Zigarettenautomaten abzugeben, denkt Fecht nicht. „Solange Menschen rauchen, lohnt sich das schon“, sagt er. Außerdem: „Der Umsatz von Zigarettenautomaten ist sehr hoch.“ Das liegt laut Fecht daran, dass Zigaretten mittlerweile so teuer sind. Das, was am Ende von den Einnahmen für die Betreiber übrig bleibe, sei deshalb aber auch um einiges geringer. Solange der Zigarettenautomat aber dafür sorgt, dass sich mehr Menschen an den Snackautomaten bedienen, lohne sich das Geschäft. Auch wenn die Betreiber mit einer großen Summe in Vorleistung gehen müssten.
Einen Unterschied zwischen Zigaretten- und Snackautomat gibt es aber noch: Die Sicherheit. „Die Snackautomaten sind viel anfälliger, was versuchten Diebstahl betrifft“, sagt Fecht. „Wir haben da schon die wildesten Sachen gesehen.“ Manch einer sei gegen den Automaten gesprungen, andere würden versuchen, den Automaten kaputtzumachen. „An die Ware kommt aber am Ende keiner ran“, sagt Fecht. Das Problem sei nur, dass der Automat oftmals trotzdem einen Schaden davonträgt.
Miteinander statt Konkurrenz im Automatengeschäft
In der Stadt Aurich gibt es neben dem Zigarettenautomaten im Carolinengang noch einen neben der Hubertus Apotheke am Marktplatz. Dieser wird betrieben von der Firma „tobaccoland“ mit Firmensitz in Mönchengladbach. Auf Anfrage, wie sich das Automatengeschäft in Aurich verändert hat und wie rentabel das Geschäft ist, kam keine Antwort. Ähnlich bei der Firma Hinrich Wolters GmbH mit Sitz in Bremen. Die betreibt einen weiteren Zigarettenautomaten am Auricher Marktplatz. Presseanfragen beantwortet die Firma Wolters grundsätzlich nicht, heißt es dort auf Anfrage.
Die Firma Wolters arbeitet aber mit dem Snackautomaten-Anbieter Snackbrüder zusammen, wie der Inhaber Dennis Stresow auf Anfrage bestätigt. „Wenn die irgendwo einen Zigarettenautomaten aufstellen, geben sie uns auch mal einen Hinweis, ob wir da nicht einen unserer Automaten danebenstellen“, so Stresow. „Wir wollen keine Konkurrenz, sondern ein Miteinander.“ Am Ende können im besten Fall beide Betreiber zusätzliche Kunden für sich gewinnen. Ein positives Beispiel seien die 24-Stunden-Shops der Snackbrüder in Jever und Wittmund. Dort stehen Zigaretten- und Snackautomat nebeneinander. Genau wie bei Arno Fecht in Aurich.
Mehr Snackautomaten – weniger Zigaretten und Kondome
Dass es weniger Zigarettenautomaten gibt, stellt Stresow übrigens in Frage. „Ich denke, dass es einfach nur deutlich mehr Snackautomaten gibt und das im Verhältnis weniger wirkt“, sagt der Automaten-Betreiber. Als er selbst 2021 die Idee hatte, Snackautomaten aufzustellen, habe er nie damit gerechnet, wie gut das Geschäft läuft. „Wir decken von Wilhelmshaven bis nach Aurich die gesamte Küste ab“, sagt Stresow. Auch in Aurich steht einer der Automaten am Pferdemarkt. „Der große Hype ist aber vorbei. Der Markt ist bedient“, sagt Stresow. In Aurich sei die Lage ohnehin eine ganz andere als in den ganzen ländlichen Gebieten.
Einer, der sich im Automatengeschäft auch sehr gut auskennt, ist Aiko von der Lage. Der 21-Jährige aus Norden betreibt neben seiner Ausbildung Kaugummiautomaten. Nach eigenen Schätzungen betreibt von der Lage an 400 bis 450 Standorten knapp 1000 Automaten. Im Automatengeschäft nimmt er eine Veränderung wahr – vor allem bei den Klassikern Zigaretten und Kondome. „Die Zahl der Raucher geht zurück, immer mehr rauchen heute Vapes“, bestätigt auch von der Lage. Die Vapes gebe es aber standardgemäß in Snackautomaten.
Unterhalt von Snackautomaten sehr teuer
Kondomautomaten gebe es laut von der Lage ohnehin immer weniger. „Die waren ja früher mal dafür gedacht, anonym Kondome zu kaufen. Das kann man heute aber eh überall online – und auch preiswerter“, so von der Lage. Wobei auch Kondome hin und wieder in Snackautomaten zu kaufen seien. Mit Blick Richtung Zukunft sieht von der Lage vor allem ein Problem darin, dass es immer mehr Betreiber solcher Snackautomaten gibt, die sich gegenseitig die Kundschaft wegnehmen. „Und der Unterhalt ist sehr hoch. Das muss man sich genau überlegen“, sagt von der Lage.
Er selbst setzt deshalb auf einen anderen Bereich des Automatengeschäfts: Kaugummiautomaten. Begonnen hat der 21-Jährige damit 2023 – und hat mit der Zeit hunderte Standorte übernommen. Das Gebiet zieht sich von Norden bis nach Lingen und von Cloppenburg bis kurz vor Hamburg und bis nach Bremerhaven. Viele seiner Automaten stehen in Ostfriesland und dem Emsland – auch im Landkreis und der Stadt Aurich stehen Kaugummiautomaten von von der Lage.
Kaugummiautomaten sorgen für Nostalgie-Gefühle
Einzelne Automaten hat der 21-Jährige gebraucht gekauft, aber ohne Standort. Letzteres sei das größte Problem. „Da muss man jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt“, sagt von der Lage. Aber er habe da so seine Kontakte. „Wir sprechen dann auch darüber, welche Artikel gut laufen und welche Lieferanten gerade liefern können“, sagt von der Lage. Im Automatengeschäft gibt es laut dem 21-Jährigen eine besondere Entwicklung: Früher gab es mal große Aufsteller-Firmen in Niedersachsen. Da aber viele im Ruhestand sind, wurden die Gebiete auf Einzelpersonen verteilt“, sagt von der Lage. Einer davon ist von der Lage selbst.
„Viele Ältere kennen diese Automaten aus ihrer Kindheit und freuen sich, wenn sie die sehen“, sagt der 21-Jährige. Wer Kaugummiautomaten betreibt, spüre viel Nostalgie. Die meisten Automaten, die von der Lage gekauft hat, stammen aus den 60er- oder 70er-Jahren. „Da muss dann erstmal der Dreck ab, damit bestenfalls die rote Kaugummifarbe wieder sichtbar ist“, sagt von der Lage. Besonders gut kommt bei seinen Kunden Modeschmuck in Kindergröße an. Das Besondere an Kaugummiautomaten sei, dass sie rein mechanisch funktionieren „Da müssen die Kinder selbst drehen“, sagt von der Lage. Haben sie das geschafft, hätten sie ihr eigenes Erfolgserlebnis. Reich werde man als Betreiber solcher Automaten aber nicht, macht von der Lage deutlich. „Man kann davon jetzt nicht mit 30 in Rente gehen.“ Für den 21-Jährigen ist das aber ein Hobby – und eben ganz viel Nostalgie.