Osnabrück Für flexiblere Abholzeiten an Grundschulen: Osnabrücker Mutter trifft mit Petition einen Nerv
Wenn Osnabrücker Kinder von der Kita in die Grundschule wechseln, beginnt für die Eltern ein Dilemma: Entweder sie buchen den offenen Ganztag und ihr Kind ist teilweise bis 15.30 Uhr in der Schule – oder es kommt schon mittags nach Hause. Mit einer Petition kämpft eine Mutter für mehr Flexibilität.
Hinweis: Dieser Text ist erstmals Mitte November 2025 erschienen.
Eva-Maria Gersch aus Osnabrück hat ein Problem: Sie will ihrer Tochter in der zweiten Klasse keine Acht-Stunden-Tage zumuten. Doch für das Kind gibt es nur zwei Optionen: Entweder Schulschluss ist um 12.45 Uhr ohne Mittagessen – oder erst um 15.30 Uhr nach Ende des schulischen Ganztagsangebots.
Eine weitere Abholzeit dazwischen, etwa gegen 14 Uhr, gibt es nicht. Das gilt für alle Grundschulen in städtischer Trägerschaft – eine bewusste Entscheidung der Stadt Osnabrück, wo seit Sommer 2024 alle Grundschulen offene Ganztagsschulen sind, manche bis 15 Uhr, andere bis 15.30 Uhr. Für viele Familien, die aus dem Kindergarten mehr Flexibilität gewöhnt sind, ist das ein harter Schnitt.
Eva-Maria Gersch möchte ihr Kind bei den Hausaufgaben begleiten, so wie es übrigens auch von der Schule erwartet werde, wie sie betont. „Und mir wird die Zeit dafür nicht zur Verfügung gestellt.“ Online hat sie eine Petition für eine dritte Abholzeit gestartet, die inzwischen mehr als 1000 Menschen unterzeichnet und knapp 500 kommentiert haben.
Gersch ist selbst Lehrerin. Sie sagt, sie würde gerne ihre Stunden erhöhen und mehr arbeiten, doch sie wolle ihre Tochter eben nicht täglich so lange in der Schule lassen. An zwei Tagen pro Woche nehme sie dies „zähneknirschend“ in Kauf, an den anderen Tagen habe sie ihr privates Netzwerk aktivieren müssen.
Ihre Kritik, die sie in der Petition äußert: „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird zunichtegemacht!“ Viele, die die Petition kommentiert haben, schildern ähnliches: Den Schulschluss vor dem Mittagessen könnten sie zeitlich nicht mit ihrer Arbeit in Einklang bringen, ein Schulschluss erst um 15.30 Uhr ist ihnen aber viel zu spät.
Die Stadtverwaltung sieht eine dritte Abholzeit derzeit nicht vor. „Grundsätzlich ist mit den Schulleitungen, Hortleitungen/Hortträgern und dem RLSB (regionalen Landesamt für Schule und Bildung, Anm. d. Red.) abgesprochen, dass bis 2026 auf die Einführung zusätzlicher Abholzeiten verzichtet wird, um den Ganztag zunächst an allen Standorten gut und verlässlich laufen zu lassen“, heißt es auf NOZ-Anfrage.
Das jetzige System sei „sehr flexibel“, schreibt die Stadt in einer persönlichen E-Mail an Eva-Maria Gersch, weil die Eltern nun – anders als im früheren Hortsystem – in der offenen Ganztagsschule tageweise den Ganztag wählen könnten. Dieses Osnabrücker Modell werde zwar weiterentwickelt, eine Systemänderung stehe aber nicht in Aussicht.
Auch im Osnabrücker Stadtelternrat sind die Abholzeiten in den Grundschulen Thema, und das schon seit mehr als einem Jahr. „Für die Eltern wäre es gut, wenn es eine Flexibilisierung bei den Abholzeiten gäbe“, sagt der Stadtelternratsvorsitzende Frederik Kathmann und spricht damit auch für seine Vorstandskolleginnen.
Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei „pragmatisch, konstruktiv und offen“, betont der Vorstand des Stadtelternrats. „Das wissen wir sehr zu schätzen. Allerdings sollten die Beteiligten mehr Geschwindigkeit in den Prozess bringen und auf die Wünsche und Sorgen der Eltern eingehen.“ Das Thema Abholzeiten stand auch auf der Tagesordnung der öffentlichen Stadtelternratssitzung am Mittwoch, 19. November 2025.
Ein Kritikpunkt betrifft die Ausgestaltung des schulischen Ganztagsangebots: „Wir glauben nicht, dass sich die pädagogische Qualität am Nachmittag und eine zusätzliche Abholzeit widersprechen“, betont der Stadtelternratsvorstand. „Die Stadt argumentiert, dass beispielsweise Sportvereine oder Musikunterricht in die Schulen kommen und die Kinder dort ihren Hobbys nachgehen können. Das ist bislang aber noch zu selten der Fall.“
Das ist auch etwas, das die Initiatorin der Petition, Eva-Maria Gersch kritisiert: Die Hausaufgabenbetreuung etwa sei lediglich eine Beaufsichtigung durch eine Aufsichtskraft für eine große Gruppe. Danach finde um 14.15 Uhr in der Schule ein großer Umbruch statt. Gersch versteht nicht, warum da kein Abholen möglich sein könne und die Stadt an dem „Alles-oder-Nichts“-Prinzip festhalte.
„Ich würde meinem Kind auch gerne mal ein Hobby ermöglichen“, betont Gersch. Doch das sei zeitlich momentan nicht drin. „Ich will nicht das Schulsystem ändern, ich will nur mein Kind abholen.“