Osnabrück  VfL Osnabrück: Die beste Abwehr der 3. Liga – was ist das wert?

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 17.11.2025 14:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf dem Weg nach oben? Der VfL Osnabrück zeichnet sich in der laufenden Drittliga-Saison vor allem durch seine stabile Abwehr aus. Foto: IMAGO/Steffen Beyer
Auf dem Weg nach oben? Der VfL Osnabrück zeichnet sich in der laufenden Drittliga-Saison vor allem durch seine stabile Abwehr aus. Foto: IMAGO/Steffen Beyer
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„Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften.“ Diesen Spruch kennt man im Fußball. Steigt der VfL Osnabrück mit der besten Abwehr der 3. Liga also auf? Ganz so einfach ist es nicht, wie der historische Vergleich zeigt. Aber: Die Aussichten sind grundsätzlich ganz gut.

Der VfL Osnabrück stellt nach 14 Spieltagen die beste Abwehr der 3. Liga. Und auch wenn Kapitän und Abwehrchef Jannik Müller dieser inoffizielle Titel nicht viel bedeutet, wie er in der vergangenen Woche im NOZ-Interview sagte: Er könnte noch sehr wertvoll sein. Denn mit Blick auf die Vergangenheit zeigt sich, dass an dem alten Fußballspruch von einer Defensive, die Meisterschaften gewinnt, in der 3. Liga einiges dran ist.

Doch zunächst der Blick auf die aktuelle Lage: Erst elf Gegentore kassierten die Lila-Weißen unter Trainer Timo Schultz - und mehr als ein Drittel der Saison ist bereits gespielt. Rechnet man die momentane Quote des VfL, nämlich rund 0,78 Gegentore pro Spiel, auf 38 Spiele hoch, kassieren die Osnabrücker bis zum Saisonende aufgerundet 30 Gegentreffer - eine herausragende Bilanz.

In den letzten zehn Jahren kassierten in der 3. Liga nur sechs Mannschaften weniger Gegentore. Die gute Nachricht: Alle von ihnen landeten unter den ersten drei Plätzen ihrer Tabellen, also mindestens auf dem Aufstiegsrelegationsrang. Nur in drei Jahren stieg die beste Defensive der Liga nicht auf.

In der Saison 2019/20 kassierten Ingolstadt (40 Gegentore), Magdeburg (42), und Hansa Rostock (43) die wenigsten Tore im Ligavergleich - sie wurden am Ende aber nur Vierter, 14. und Sechster. In der Saison 2022/23 stieg zwar die beste Defensive der Liga nicht auf - aber nur, weil sie nicht durfte: Freiburg II wurde mit nur 34 Gegentoren Tabellenzweiter. Aufgestiegen war nach dem 90+6-Drama aber der VfL. Und 2017/18 wurde Karlsruhe als beste Abwehr mit 29 Gegentoren zwar Dritter, scheiterte aber in der Relegation.

Grundsätzlich standen die Aufsteiger historisch stets stabil: Von den 30 Mannschaften, die in den letzten zehn Jahren die Top-drei-Defensiven jeder Saison stellten, stiegen am Ende 20 auf, drei davon über den Umweg der Relegation: Würzburg 2016 (25 Gegentore) Kaiserslautern 2022 (27 Gegentore) und Regensburg 2024 (42 Gegentore).

Übrigens: Auch der VfL stellte in jenem Zeitraum schon einmal die beste Abwehr der 3. Liga. In der Saison 2018/19 kassierte die Mannschaft unter Trainer Daniel Thioune nur 31 Gegentore und wurde am Ende Meister. Unübertroffen - und das wohl auch noch länger - ist aber die Bestmarke von Erzgebirge Aue aus der Saison 2015/16: Mit nur 21 Gegentoren stiegen die Sachsen als Tabellenzweiter auf.

Dass die beste Defensive automatisch Meisterschaften gewinnt, ist also nicht ganz korrekt - aber eine gute Abwehr erhöht zumindest die Wahrscheinlichkeit eines Aufstiegs dramatisch. Allerdings gewinnt man Spiele im Fußball nun mal auch nur, wenn man Tore schießt. Und so lohnt sich auch ein Blick auf die Offensive. 18 Tore erzielte der VfL bislang, eine Quote von rund 1,3 pro Spiel. Hochgerechnet auf 38 Partien ergeben sich 48 Tore - und damit eine Bilanz, die durchaus ausbaufähig ist, wenn man am Ende um den Aufstieg spielen will.

Denn mit Blick auf die letzten zehn Jahre haben die 30 Top-Drei-Teams jeder Saison im Schnitt 56 Tore erzielt und nur zwei Teams erzielten weniger als die für den VfL prognostizierten 48 Treffer. Ausreißer nach oben war etwa der SC Paderborn, der in der Saison 2017/18 90 Tore erzielte und am Ende als Zweiter aufstieg. Ausreißer nach unten: Die Auer, die sich im Rekordjahr 2015/16 auf ihre exzellente Defensive verlassen konnten und trotz nur 42 eigenen Treffern aufstiegen. Insgesamt stiegen in den letzten zehn Jahren übrigens 19 der drei besten Offensiven jeder Saison auf - also fast genau so viele wie bei den besten Defensivreihen.

Letztlich lassen sich wohl zwei Dinge festhalten. Erstens: Die Offensive ist wohl fast genauso wichtig wie die Defensive, wenn es darum geht, am Saisonende möglichst weit oben zu stehen. Und zweitens: Zumindest in einem Bereich ist der VfL spitze. Steigert er sich am vorderen Ende des Feldes etwas und behält die defensive Stabilität bei, dann hat er gute Aussichten in dieser Saison.

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