Hamburg Bundeswehr: Anträge auf Kriegsdienstverweigerung nehmen drastisch zu
Der neue Wehrdienst bleibt freiwillig, Tausende wollen dennoch verweigern. Schon jetzt sind es in 2025 deutlich mehr Anträge als im gesamten Vorjahr.
Union und SPD haben sich geeinigt: Ohne den Zwang einer Wehrpflicht, sondern mit einem freiwilligen Wehrdienst soll die Bundeswehr personell wieder aufgestockt werden. Ungeachtet dessen wollen immer mehr Menschen den Dienst an der Waffe verweigern.
In den ersten zehn Monaten dieses Jahres seien bereits mehr als 3000 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung (KDV) eingereicht worden, teilt das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) auf Anfrage unserer Redaktion mit. Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges hatten die Anträge stark zugenommen. Mehr Anträge gab es zuletzt 2011. Allerdings: Zu Wehrpflicht-Zeiten waren es meist weit mehr als 100 000 KDV-Anträge.
Haben die vielen Verweigerungen mit dem Szenario einer neuen Wehrpflicht zu tun? Exakt lässt sich das nicht sagen, das Alter der Verweigerer wird nicht erfasst, wie eine Sprecherin sagt. Allerdings sind es keineswegs nur Ungediente, die noch keine Berührung mit der Armee hatten. Knapp die Hälfte aller Anträge kam 2025 von Reservisten. Jeder 20. Antrag sogar von Soldaten.
Die Anträge, über die das Bafza in Köln entscheidet, sind gewissermaßen bereits vorsortiert, teilte die Behörde mit. Das Prozedere: Wer einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellt, muss sich dafür zunächst bei der Bundeswehr mustern lassen. Das ist grundsätzlich jedem erwachsenen Mann zwischen 18 und 60 Jahren möglich. Also jenen Menschen, die durch das Grundgesetz überhaupt zum Kriegsdienst herangezogen werden könnten.
Nur wenn die Bundeswehr die Antragssteller auch als tauglich mustert oder schon mal gemustert hat, werden die Anträge an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben weitergeleitet. Wer hingegen gesundheitlich ohnehin nicht geeignet ist, kann den Kriegsdienst formal nicht verweigern. Die gesunden Antragssteller müssen gegnüber dem Bafza ihre Gewissensgründe darlegen.