Osnabrück Wunderkerzen, funkelnde Augen und Knierutscher: So lief das Amateurspiel an der Bremer Brücke
Fußball hat eine ganz besondere Kraft und schafft besondere Momente: für Profis des VfL Osnabrück und auch für junge Amateurfußballer. Den Beweis dafür lieferte das Kreisklassenspiel am Samstag an der Bremer Brücke zwischen den Jugendmannschaften des VfB Schinkel und der SG Rasensport/Sutthausen II – inklusive vieler Premieren und eines Emotionsausbruchs.
Und von einem auf den anderen Moment drehten alle an der Bremer Brücke durch: erst die Spieler im weißen Trikot an der Westkurve, dann nur 60 Zeigerumdrehungen später die Fußballer in grauen Jerseys auf der Seite der Ostkurve – und alle 626 Zuschauer auf der Nordtribüne freuten sich mit ihnen und über die Torpremieren. Die zwei Amateurjugendmannschaften vom VfB Schinkel und der SG Rasensport/Sutthausen II durften ihr Kreisklassenspiel (4:1) am Samstagnachmittag im Stadion des VfL Osnabrück austragen, dank einer großzügigen Spende anlässlich des 125-jährigen Vereinsjubiläums der Lila-Weißen im November 2024.
Bis zu diesem langersehnten Emotionsausbruch, den sich auch der souveräne Schiedsrichter Torben Plogmann für die jungen B-Jugendfußballer wünschte, mussten alle Beteiligten bis zur zweiten Halbzeit warten. Doch auch in den ersten 40 Minuten und bereits vor dem Anpfiff spielten sich auf und neben dem Platz Szenen ab, die bei den Akteuren noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Auch beim Unparteiischen Plogmann, der sein erstes Spiel an der Bremer Brücke bestritt: „Es war etwas Besonderes, als ehrenamtlicher Schiedsrichter im Fußballkreis in unserem Lieblingsstadion selbst zu pfeifen.“
Und nicht nur er hatte sichtlich Spaß, vor mehreren hundert Fans auf dem heiligen Rasen aufzulaufen und seine beste Leistung zu zeigen. Vor allem bei den Spielern war die Nervosität bis in die Haarspitzen bei gleichzeitiger Vorfreude spürbar: in den funkelnden Augen und am langsam steigenden Adrenalinspiegel. Sie blickten durch den Tunnel auf den Rasen und konnten am Geräuschpegel schon erahnen, dass es kein gewöhnliches Spiel wird.
Als sie unter Flutlicht mit der AC/DC-Musik „Thunderstruck“ auf den Platz gingen, wurde es laut: Eltern und viele Jugendliche waren gekommen, ein SG-Fanclub mit 20 Kindern zündete sogar Wunderkerzen an, stimmte Sprechchöre an und machte mit den Schals zum Takt der Trommel eine kleine Choreo.
„Man nimmt die Zuschauer und das Drumherum schon wahr: Sonst kann ich mich mit meinem Trainerkollegen normal unterhalten, jetzt musste ich jedes Mal zu ihm gehen, weil es so laut war – das war fantastisch“, erklärt VfB-Trainer Heiner Kötter. Für sein Gegenüber auf SG-Seite Marion Vocke sei das Einlaufen ein cooles Gefühl gewesen. Sie habe sich im Spiel aber eher darauf konzentriert, was ihre Jungs machen – und diese machten es gut und erzielten den ersten Treffer im VfL-Stadion (52. Minute).
„Als ich durchgekommen bin, habe ich gesehen, dass der Torwart herauskommt. Ich dachte mir: Wenn nicht jetzt, wann dann – und dann habe ich den Ball ins Tor gelupft. Das werde ich so schnell nicht mehr vergessen“, sagt Torschütze Luis Bußmann, der in einer Jubeltraube verschwand, noch vollkommen überwältigt.
Ein Treffer, der auch Teamkollege Leo Eddyson Pierre Schaupmann im Gedächtnis bleiben werde und die Nervosität bei allen Spielern endgültig ablegte. Auch beim VfB Schinkel, der nur 60 Sekunden später durch einen Abstauber von Benyamin Mohammadi – „ein besonderes Gefühl“ – zum Ausgleich traf und die Bremer Brücke in ein kleines Tollhaus verwandelte. 15 Minuten später drehte Schinkel in Person von Jason Fazli sogar die Partie.
Im einsetzenden Regen entwickelte sich unter Flutlicht ein Hin und Her, in der Nachspielzeit machten der auffällige Husam Kasem und Daut Alimusaj mit zwei Toren gegen die aufopferungsvoll kämpfende SG den Deckel drauf. Kasems Tor zum 3:1 aus 24 Metern mit anschließendem Knierutscher zur Eckfahne war einer dieser vielen, besonderen Momente an der Bremer Brücke. „Es war überragend, das geht nicht durch meinen Kopf. Ich sollte den Knierutscher machen, weil mein Team das wollte – das hat gut geklappt“, erklärt Kasem.
Nach 85 Minuten ertönte der Schlusspfiff und beide Teams holten sich den lautstarken Applaus der Zuschauer ab. „Es war ein einmaliges Erlebnis, das nicht wieder kommt“, betont VfB-Trainer Kötter.
Seine Spieler ließen ihren Knierutschern in Kasem-Manier zur Eckfahne anschließend noch eine Wasserdusche folgen – und auch bei der SG und Vocke überwog nach kurzem Frust über die Niederlage der Stolz. „Es war sehr schön, dass alle zusammen gejubelt haben – so soll Fußball sein.“