Volkstrauertag in Aurich Der Friedensprozess beginnt im Kleinen
Bei der zentralen Kundgebung zum Volkstrauertag in Aurich betonte Bürgermeister Feddermann die Stärken Aurichs und mahnte zugleich zur Wachsamkeit.
Aurich - Mit Kranzniederlegungen wurde am Sonntag in vielen Ortsteilen von Aurich den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Bei der zentralen Veranstaltung am Ehrenmal an der Von-Jhering-Straße rief Bürgermeister Horst Feddermann zum Erinnern, aber gleichzeitig auch zum Handeln auf. In früheren Zeiten hätten am Volkstrauertag vor allem die Gefallenen der großen Kriege des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt gestanden. „Aber heute wissen wir: Das Leid, das Krieg und Gewalt bringen, ist nicht vergangen. Es ist gegenwärtig, auch, wenn wir in Aurich in Frieden leben dürfen“, so Feddermann mit Blick auf Krisen wie den Ukraine-Krieg, den Nahost- und den Kongo-Ruanda-Konflikt.
Dankbarkeit spüren, Verantwortung wahrnehmen
„Es erinnert uns daran, dass wir für Frieden und Freiheit nicht einfach dankbar sein können, sondern wachsam und aktiv bleiben müssen“, so Feddermann. Denn auch wenn Aurich kein Krisengebiet sei, so seien die Menschen hier dennoch Teil der Welt, spürten die Auswirkungen der Konflikte. In seiner Rede führte Feddermann aus, welche Bedeutung dies für die Haltung vor Ort, im Lokalen haben sollte. Er plädierte für das Erinnern an die Opfer, und zwar an jene der großen Kriege und jene, die heute in anderen Teilen der Welt leiden würden. Aber Feddermann betonte auch die Bedeutung von Dankbarkeit und Verantwortung.
„Wir dürfen dankbar sein, in Frieden in einer Stadt wie Aurich leben zu dürfen, mit einer guten Infrastruktur und aktivem Miteinander“, so Feddermann. Die Auricher dürften sich sicher fühlen, aber das entbinde sie nicht von der Verantwortung. Denn: „Frieden und Sicherheit sind keine Selbstverständlichkeit, sie müssen gepflegt werden.“ Dies geschehe unter anderem durch Rücksichtnahme im Alltag und Respekt vor den Mitmenschen, im Kleinen wie im Großen.
Frieden auch im Kleinen bewahren
Zusätzlich gehörten eine gewisse Wachsamkeit und das dazugehörige Engagement zur nötigen Haltung, so der Bürgermeister. Die globalen Entwicklungen hätten gezeigt, wie zerbrechlich Frieden sein könne. „Wir dürfen nicht denken: Das betrifft uns nicht.“ Denn auch in Aurich gäbe es immer wieder Vorfälle von Gewalt, Belästigung und Aggression. Aber gerade vor Ort könne man mitgestalten – durch zivilgesellschaftliches Engagement, durch Förderung von Versöhnung und Verständigung, durch das Bewahren der Erinnerungskultur. Ausdrücklich betonte Feddermann an dieser Stelle den Einsatz der zahlreichen freiwilligen Helfer und Helferinnen, der Ehrenamtlichen, die dazu beitrügen, dass das Stadtleben lebenswert bleibe.
Junge Generation einbinden, um Frieden zu sichern
Zu guter Letzt fragte der Bürgermeister: „Was können wir tun, damit unsere Erinnerung nicht nur symbolisch bleibt?“ Man könne Kindern und Jugendlichen zuhören, sie einbinden, ihnen Werte vermitteln, gab er im gleichen Atemzug die Antwort. Darüber hinaus könnten sich die Auricher dafür einsetzen, dass Menschen, die neu zu uns kämen, eine Perspektive erhielten, nicht ausgegrenzt würden. Feddermann betonte die Solidarität und den Gemeinschaftssinn in Aurich. „In unserer Stadt haben wir in den letzten Jahren gezeigt: Wir können gemeinsam Projekte vorantreiben, wir können zusammenarbeiten, seien es Infrastrukturmaßnahmen, in Vereinen, in der Stadtentwicklung oder beim Thema Sicherheit bei Veranstaltungen.“
Totengedenken und Kranzniederlegung auf dem Kriegsgräberfeld
Nach der Kranzniederlegung durch Reservisten der Kreisgruppe Ostfriesland und Soldaten des Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“ Wittmund las Ortsbürgermeisterin Claudia Stolte das Totengedenken. Anschließend liefen die Teilnehmer über die Allee des Auricher Friedhofs zum Kriegsgräberfeld, wo Männer der Auricher Feuerwehr zwei weitere Kränze niederlegten und Superintendent Tido Janssen zum Abschluss das Gebet der Vereinten Nationen sprach.
Am Volkstrauertag gedenkt Deutschland der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft. Er findet jeweils zwei Sonntage vor dem ersten Advent statt und ist ein sogenannter stiller Feiertag. Mit Kranzniederlegungen und weiteren Veranstaltungen will man zur Versöhnung und Völkerverständigung beitragen. Vor öffentlichen Gebäuden wehen die Flaggen an diesem Tag auf halbmast.