Osnabrück 300. Folge „Brückengeflüster“: Schultz‘ Osnabrück-Liebe – und Kehls Verlängerung beim VfL?
Geheimnisse um eine mögliche Vertragsverlängerung von Lars Kehl, ein Patrick Kammerbauer im Babyglück und Timo Schultz über seine Osnabrück-Liebe: Das alles und noch mehr Inhalte gab es für rund 200 Gäste bei der 300. Ausgabe des VfL-Brückengeflüster Podcasts auf die Ohren – live in der Lagerhalle.
„Entbindung oder Spiel?“: So lautete eine Frage der ersten Halbzeit des Abends der 300. Ausgabe des NOZ-„Brückengeflüster“-Podcasts an die beiden VfL-Spieler Patrick Kammerbauer und Lars Kehl. Zum zweiten Mal fand der Podcast an einem Donnerstagabend live vor Publikum in der Lagerhalle statt.
Die NOZ-Sportreporter Susanne Fetter, Benjamin Kraus und Malte Artmeier führten die etwa 200 Gäste durch den Abend. Neben den VfL-Spielern stand Trainer Timo Schultz den Moderatoren in zwei Gesprächshalbzeiten Rede und Antwort.
Aber zurück zu der doch recht ungewöhnlichen Eingangsfrage: Nach kurzer Überlegung entschied sich Kammerbauer, der vergangene Woche Vater einer Tochter wurde, für die Entbindung. Bei der Frage „Gardasee oder Garten der Eltern“ wurde Kammerbauer durch seinen Zwillingsbruder virtuell überrascht, der plötzlich zugeschaltet auf der Leinwand auftauchte. Die Entscheidung fiel schnell auf einen Besuch der fränkischen Heimat: „Ich schaffe es fast gar nicht mehr nach Hause“.
Schon als Kind hat er sich mit seinem Bruder David ein Zimmer im Internat beim 1. FC Nürnberg geteilt. So hatten die beiden mehr Zeit für Fußball. David ist Linksfuß und linker Verteidiger bei den Sportfreunden Siegen, während Patrick mit dem rechten Fuß auf der rechten Seite im VfL spielt. In dem halben Jahr, in dem Patrick Kammerbauer 2022 vereinslos war, schlief er bei seinem Bruder auf der Couch. „Ich kannte mein Leben nur mit Fußball und wusste erstmal nicht wohin“, erinnert sich Kammerbauer an die Zeit.
Weit weg von daheim ist auch Lars Kehl. Seine Familie – zu der der ehemalige BVB-Spieler Sebastian Kehl, wie Namensvetter Lars betonte, nicht zählt – lebt im badischen Hofstetten. Sein Hochdeutsch sei trotzdem deutlich besser als seine Englischkenntnisse. So müsse er sich bis heute Spott von seinen Teamkameraden gefallen lassen, da ein von ihm übersetzter „train“ (Zug), mit dem die Mannschaft zum nächsten Reiseziel wollte, in Wahrheit ein „plane“ (Flugzeug) war. Knapp daneben.
Vor Kammerbauers Wechsel zum VfL habe er sich mit Lars Kehl ausgetauscht. Die beiden spielten in der Saison 2021/22 beim SC Freiburg II zusammen und verstehen sich hervorragend, wie auch an dem Abend deutlich wird. Ein Grund für die beiden, beim VfL zu bleiben? Der Dreh- und Angelpunkt des Abends war die mögliche Vertragsverlängerung von Lars Kehl – immer mit einem Augenzwinkern. Als der 23-Jährige erzählte, dass seine Freundin zu Neujahr nach Osnabrück ziehen werde, gab es seitens der Moderation vielsagende Blicke. „Da will man ja auch nicht gleich wieder wegziehen“, warf Moderator Artmeier ein.
Doch das Bohren nützte nichts und Kehl ließ nicht durchblicken, ob eine Vertragsverlängerung bereits in trockenen Tüchern ist. Auch als die Frage aus dem Publikum gestellt wurde, beantwortete er sie mit einem Schmunzler und sagte: „Also ich fühle mich in Osnabrück sehr wohl, das ist kein Geheimnis.“ Die Restinterpretation überließ er den Zuschauern.
Weiteres Gesprächsthema des Abends: Die bisherige Saison des Vereins. Denn beim VfL läuft es gut. Richtig gut sogar. Woran das liegt? Kehl: „Wir haben richtig geackert. Auf der 2000er-Bahn haben wir alle abgerissen und mein Krafttraining umgestellt. Jetzt schaffe ich auch die vollen 90 Minuten Spielzeit.”
Auch Kammerbauer nimmt die Saison und den Verein positiv wahr. Auf die Frage, warum er vom SC Verl zum VfL wechselte, sagte er nur: „Wenn man ein Heimspiel sieht, dann weiß man warum. Die Fans zerreißen sich und es ist eine ganz besondere Stimmung.“ Mit dem darauffolgenden Applaus wussten alle, dass diese Antwort jeden Zuschauer mitten ins Herz getroffen hatte.
Zum Nachschauen: Hier sehen Sie die gesamte Veranstaltung im Re-live:
Die zweite Halbzeit, mit Timo Schultz auf der Bühne, drehte sich ganz um den Trainer selbst. Der verbringt abseits vom Training gerne Zeit in der Innenstadt, wo er sich zum Beispiel einen Bananenkuchen bei Barösta genehmigt. Der gebürtige Ostfriese ist ‚Osna‘-Fan. Nicht nur in sportlicher Hinsicht. „Osnabrück ist sehr lebenswert“, sagt Schultz. Besonders die Energie der VfL-Fans begeistere ihn. Ob sie besser sei als im Stadion seines Ex-Vereins 1. FC Köln ließ er offen. Schultz‘ Familie lebt in Hamburg, er selbst ist frei nach Otto Waalkes ein waschechter „Friesenjung“.
Als Trainer beschrieb er sich als eher gelassenes Exemplar. „Ich mache viel Individualcoaching - warum sollte ich bei Spielabläufen eingreifen, wenn es läuft wie im Moment. Da vertraue ich oft auf die Spieler, die manchmal organisch noch einen besseren Weg finden“, sagte er. Wenn ihm etwas nicht gefällt oder ein Fehler zum dritten Mal passiert, kann er sich aber doch durchsetzen. Das wurde mit zustimmendem Nicken und Grinsen der beiden Spieler quittiert.
Schultz sei es wichtig, Trainingselemente der alten Schule wie beispielsweise das Kopfballpendel und 1000-Meter-Läufe mit modernen Methoden wie KI-Analysen zu verbinden. „Ich maße mir aber nicht an, den Fußball neu erfunden zu haben“, sagte er.
Bei den abschließenden Fragen aus dem Publikum wird zuletzt seine Absicht mit dem VfL und sein Ehrgeiz deutlich: „Herr Schultz, welcher Platz soll es denn am Ende werden?“, fragte einer. Die Antwort kam prompt: „Eins natürlich.“ Damit wäre die Frage um den Aufstiegsehrgeiz wohl geklärt.