Osnabrück  Krippenbeiträge nur noch für Besserverdiener in Osnabrück? Was dagegen spricht

Sandra Dorn
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Von Sandra Dorn
| 17.11.2025 06:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schreckgespenst oder realistisches Szenario? Die Osnabrücker Verwaltung und die CDU fürchten einen Run auf die Krippenplätze, wenn die Beiträge dafür wegfallen. Letzteres fordert eine Ratsmehrheit aus Grünen/Volt, SPD und Die Linke/Kalla Wefel. Foto: Sandra Dorn
Schreckgespenst oder realistisches Szenario? Die Osnabrücker Verwaltung und die CDU fürchten einen Run auf die Krippenplätze, wenn die Beiträge dafür wegfallen. Letzteres fordert eine Ratsmehrheit aus Grünen/Volt, SPD und Die Linke/Kalla Wefel. Foto: Sandra Dorn
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Eine Mehrheit im Osnabrücker Stadtrat hat im Sommer die Abschaffung der Elternbeiträge für Krippe und Hort auf den Weg gebracht. Die Stadtverwaltung sollte prüfen, ob Osnabrück aber weiterhin „besonders Wohlhabende“ zur Kasse bitten könnte.

Krippe, Kindertagespflege und Hort sollen für Familien in Osnabrück kostenlos werden – und zwar schon ab Sommer 2026, wenn das neue Kitajahr startet. Im Juli 2025 hatte die Mehrheitsgruppe aus Grünen/Volt und SPD zusammen mit Die Linke/Kalla Wefel die Stadtverwaltung beauftragt, alles dafür auf den Weg zu bringen.

Die Verwaltung sollte auch prüfen, ob die Stadt von „besonders Wohlhabenden“ weiterhin Beiträge verlangen könnte. Das Ergebnis dieser Prüfung: Es lohne sich nicht. Der Verwaltungsaufwand wäre „enorm“ und alle Eltern müssten Einkommensnachweise vorlegen, auch diejenigen, die nicht zu den Reicheren zählen, argumentieren die Fachleute aus dem Stadthaus. All das stünde in keinem Verhältnis zu den Mehreinnahmen.

Eine Beispielrechnung der Verwaltung beruht auf Schätzungen, weil keine detaillierten Daten zum Thema Einkommen von Familien für die Stadt Osnabrück vorliegen. Als Grenze für das Bruttoeinkommen von Familien der oberen Mitte legt die Verwaltung 95.000 Euro pro Jahr fest.

Das Problem: „Konservativ geschätzt würden vielleicht in etwa zehn Prozent der Kinder in Haushalten leben, die mehr als 95.000 brutto pro Jahr zur Verfügung haben“, so die Verwaltung. Dies entspreche 158 Krippenkindern. Wenn die betroffenen Familien alle 380 Euro pro Monat zahlen würden, kämen knapp 720.500 Euro im Jahr zusammen – und die Hälfte davon gingen als Verwaltungskosten drauf.

6,8 Millionen Euro wird die komplette Beitragsbefreiung die Stadt kosten, und zwar jedes Jahr. Ab dem dritten Geburtstag ist die Kita für Kinder bereits kostenfrei, allerdings in ganz Niedersachsen, sodass hierfür Gelder aus Hannover fließen. Wenn Osnabrück auf eigene Faust nun auch auf die Beiträge für die jüngeren Krippenkinder abschafft, muss die Stadt dafür auch alleine aufkommen.

Aktuell zahlen Eltern knapp 240 Euro monatlich für einen Ganztagsplatz plus 60 Euro fürs Mittagessen. Künftig wäre es dann nur noch diese 60 Euro. Familien mit zwei Kindern, die rund 60.000 Euro Jahresbruttoeinkommen und weniger zur Verfügung haben, können schon jetzt eine Beitragsbefreiung beantragen.

Die Verwaltung hat auch exemplarisch aufgeführt, wie hoch die Beiträge für Familien mit höherem Einkommen ausfallen könnten: 380 Euro für einen Ganztagsplatz ab 95.000 Euro Jahresbrutto, 420 Euro ab 105.000 Euro Jahresbrutto und so weiter bis maximal 700 Euro pro Monat ab 175.000 Euro Jahresbrutto. Die höheren Beiträge bei höherem Einkommen sind allerdings nicht in die Hochrechnung der Einnahmen eingeflossen.

Die Stadtverwaltung ist gegen die Abschaffung der Beiträge, die CDU ebenfalls. „Wir glauben, dass wir uns das nicht erlauben können“, betonte jetzt nochmal der Erste Stadtrat Wolfgang Beckermann im Jugendhilfeausschuss.

Günter Sandfort (CDU) gab zu bedenken: „Die Probleme sind nicht zu hohe Gebühren, sondern Fragen der Qualität, des Fachkräftemangels und der Verlässlichkeit in der Betreuung.“ Und falls der Wegfall der Beiträge zu einer höheren Nachfrage führen sollte, müsste die Stadt ja auch weitere Krippenplätze bauen, was noch mehr Millionen kosten würde.

„Krippen sind Bildungsinstitutionen, und Bildung sollte kostenlos sein in Deutschland“, konterte Martin Büker (Grüne). „Wir haben Kinder, die kommen mit 2 Jahren Bildungsverzögerung in die Schulen“, so Büker. Timo Spreen (SPD) meinte mit Blick auf die gerade erst beschlossene Sanierung der Bremer Brücke: „Wenn wir 33 Millionen für ein Stadion ausgeben, sollten wir durchaus auch mutig sein und sagen, dass wir die Beiträge abschaffen.“

Am 9. Dezember soll der Stadtrat final über die Abschaffung der Beiträge und über Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung in den Kitas abstimmen – zusammen mit dem Haushalt. „Wir werden eine Gegenfinanzierung präsentieren“, kündigte Kerstin Lampert-Hodgson (SPD) an.

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